Die Kletterhallen-Unfallstatistik 2024 ist da

Jedes Jahr veröffentlicht der DAV mit dem Kletterhallenverband KLEVER eine Auswertung der erfassten Unfalldaten aus deutschen Kletter- und Boulderhallen. Im neuen Bericht für das Jahr 2024 sind erstmals auch Hallen aus Österreich mit dabei.

Die DAV-Sicherheitsforschung hat die neuesten Zahlen zu Unfällen in Kletter- und Boulderhallen im Jahr 2024 vorgelegt. Gemeinsam mit dem Kletterhallenverband KLEVER erhebt der DAV per Meldeformular eine jährliche Unfallstatistik* – 2024 erstmals nicht nur für deutsche, sondern auch österreichische Hallen.

*In der Auswertung wurden lediglich Unfälle erfasst, bei denen ein Rettungsdiensteinsatz erfolgte oder ein stationärer Krankenhausaufenthalt bekannt ist, da in diesen Fällen eine solide Datenbasis vorzufinden ist. Da davon auszugehen ist, dass nicht alle Hallen ihre Unfälle gleichermaßen melden, muss von einer nicht erfassten Dunkelziffer ausgegangen werden.

Deutlich mehr Unfälle beim Bouldern als beim Klettern

2024 wurden insgesamt 261 Unfälle mit schweren Verletzungen oder Rettungsdiensteinsatz erfasst, davon 220 in deutschen und 41 in österreichischen Kletter- und Boulderhallen. Rund 75 Prozent aller gemeldeten Unfälle passierten dabei in der Boulderhalle – der Hauptteil durch Stürze auf die Bouldermatte (rund 85 %).

Alle gemeldeten Boulderunfälle 2024 (Bild DAV-Sicherheitsforschung)

In Bezug auf die Verletzungsart unterschieden sich die Unfälle beim Bouldern und Klettern deutlich: Zwar überwogen in beiden Sportarten Beinverletzungen, allerdings kam es 2024 in den Kletterhallen häufiger zu Rumpf-, Kopf- oder multiplen Verletzungen.

Kletterverletzungen 2024 (Bild DAV-Sicherheitsforschung)
Boulderverletzungen 2024 (Bild DAV-Sicherheitsforschung)

Einbinde- und Sicherungsfehler Hauptgründe für Bodenstürze

Dies ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf insgesamt 29 gemeldete Bodenstürze beim Klettern zurückzuführen. Diese ereigneten sich meist zwischen der fünften und siebten Exe. 2024 endeten zwei Bodenstürze für die kletternde Person tödlich.

Unfallarten Klettern 2024 (Bild DAV-Sicherheitsforschung)

Die häufigste Fehlerquelle bei Bodenstürzen war dabei die Fehlbedienung von Sicherungsgeräten: z.B. Verletzung des Bremshandprinzips oder Verharren in Gerät-Offen-Position beim Seilausgeben.

Die Art des Sicherungsgeräts war dabei nicht ausschlaggebend, heißt es in der Unfallstatistik: «Unfälle passierten mit jedem Typ Sicherungsgerät und decken sich in etwa mit der Nutzungsverteilung der Sicherungsgeräte.»

Vorstieg & Selbstsicherung besonders prädestiniert

Im Fall der zwei tödlichen Bodenstürze war es zuvor zu Einbindefehlern gekommen – einer der tragischen Unfälle ereignete sich bei der Nutzung eines Selbstsicherungsautomaten, wo das Nichteinhängen des Systems ursächlich für den Bodensturz war. «Vor allem der fehlende Partnercheck ist hier besonders heikel», so die DAV-Sicherheitsforschung.

Einbindefehler sind tragisch. Es kann davon ausgegangen werden, dass durch einen gründlichen Partnercheck diese vermeidbar gewesen wären.

DAV-Sicherheitsforschung

Insgesamt erfolgte fast die Hälfte aller gemeldeten Bodenstürze und Kollisionen beim Klettern im Vorstieg, gefolgt von Selbstsicherungen und beim Ablassen. Im Toprope oder beim Sturztraining kam es zu weniger gemeldeten Unfällen.

Sicher klettern – nicht nur im Toprope (Bild DAV/Marisa Koch)

Alle Ergebnisse auf einen Blick

Die vollständigen Ergebnise der Unfallstatistik für Kletter- und Boulderhallen 2024 liegt digital zum Download vor.

Der DAV weist zudem auf verfügbare Ressourcen zum Thema Sicherheit beim Klettern und Bouldern hin und erinnert an die wichtigsten Checks:

  • Im Vorstieg und Toprope immer Partnercheck durchführen!
  • Beim Klettern am Selbstsicherungsautomaten fehlt der Partnercheck, deshalb jedes Mal Selbstcheck!
  • Beim Ablassen immer dosiert Seil mit der Bremshand nachschieben/durchlaufen lassen und nicht zu schnell werden. Standposition und Gewichtsunterschiede beachten!
  • Beim Sturztraining auf ausreichende Hintersicherung, Kommunikation oder Bodenabstand achten.
Auch beim Bouldern ist richtiges Stürzen wichtig (Bild DAV/Marisa Koch)

Die Erkenntnisse aus den Unfalldaten werden genutzt, um Schwerpunkte und Ansätze
für Unfallprävention zu finden und die Klettercommunity zu informieren.

DAV-Sicherheitsforschung

Ausgewählte Ressourcen des DAV zur Unfallprävention

Das könnte dich interessieren

+++

Credits Titelbild: DAV/Thilo Brunner

Aktuell

La Sportiva Challenger 28 im Test: Segeltuch auf Hochtouren

Mit dem Challenger 28 steigt La Sportiva in eine Kategorie ein, die man der Marke bisher nicht zugeordnet hat: technische Rucksäcke. Ich habe ihn fünf Tourentage lang mitgenommen, auf die Arête des Cosmiques und ins Alpinklettern.

Wie verändert Künstliche Intelligenz den Klettersport?

Ob beim Training oder im Routenbau, für Hallenbetreiber oder Hobbyathletinnen: Wir haben uns einige Beispiele angeschaut, wie Künstliche Intelligenz aktuell den Klettersport prägt, was künftig noch kommen könnte und welche Vorteile und Risiken sich dabei gegenüberstehen.

Aufwärmen am Fels: So macht es Alexander Megos

Auf einem Trip abseits von Bleu und dem Tessin gibt es oft nur dich und dein Projekt. Kein Aufwärmboulder und leichte Routen in Sicht. Profikletterer Alexander Megos hat uns erklärt wie man die Finger und den Körper am besten auf solche Situationen vorbereitet. Dafür hat er zwei Dinge immer im Auto – eine Yogamatte und ein Fingerboard. Hier erklärt er, wie er beides einsetzt.

Messner tourt durch Deutschland: 23 Termine zwischen Füssen und Ingolstadt

Reinhold Messner geht ab Oktober auf Vortragstournee: 23 Termine zwischen Füssen und Ingolstadt, vier verschiedene Programme. Von „Nanga Parbat" bis „Weltberge – die 4. Dimension". Tickets laufen über Eventim.

La Sportiva Challenger 28 im Test: Segeltuch auf Hochtouren

Mit dem Challenger 28 steigt La Sportiva in eine Kategorie ein, die man der Marke bisher nicht zugeordnet hat: technische Rucksäcke. Ich habe ihn fünf Tourentage lang mitgenommen, auf die Arête des Cosmiques und ins Alpinklettern.

Wie verändert Künstliche Intelligenz den Klettersport?

Ob beim Training oder im Routenbau, für Hallenbetreiber oder Hobbyathletinnen: Wir haben uns einige Beispiele angeschaut, wie Künstliche Intelligenz aktuell den Klettersport prägt, was künftig noch kommen könnte und welche Vorteile und Risiken sich dabei gegenüberstehen.

Aufwärmen am Fels: So macht es Alexander Megos

Auf einem Trip abseits von Bleu und dem Tessin gibt es oft nur dich und dein Projekt. Kein Aufwärmboulder und leichte Routen in Sicht. Profikletterer Alexander Megos hat uns erklärt wie man die Finger und den Körper am besten auf solche Situationen vorbereitet. Dafür hat er zwei Dinge immer im Auto – eine Yogamatte und ein Fingerboard. Hier erklärt er, wie er beides einsetzt.