Extrem schwierige Mixedroute erstbegangen: Yannick Glatthard klettert Hall of Fame (400m, M13, WI6+)

Dem Schweizer Profialpinisten Yannick Glatthard gelingt in Kandersteg die erste freie Begehung von Hall of Fame (400m, M13, WI6+). Die Mega-Route mit ihrem 30 Meter langen horizontalen Dach und der gigantischen frei hängenden Eiskerze dürfte zu den herausforderndsten Mixedlinien in diesem Stil zählen.

Acht Jahre lang hat Yannick Glatthard von seinem Projekt in Kandersteg geträumt und auf den seltenen Zeitpunkt gewartet, bis die Verhältnisse einen Begehungsversuch zuliessen. Im Februar war es endlich soweit und zusammen mit Ron Koller, der die Linie 2015 eröffnete, und dem Fotografen Diego Schläppi stieg er in Hall of Fame (400m, M13, WI6+) ein.

«Da ist diese 35 Meter lange Eiskerze, die 15 Meter frei hängt und ein 30 Meter langes horizontales Dach – Für mich Liebe auf den ersten Blick.»

Yannick Glatthard

Erster Anlauf scheitert überraschend

Ende Januar sah die Linie, mit der der Schweizer Profialpinist und Bergführer schon so lange liebäugelte, erstmals kletterbar aus. «Als wir im Februar den ersten Versuch machten, lief es richtig gut und ich konnte die M13-Schlüsselstelle im zweiten Anlauf klettern», schwärmt Yannick Glatthard.

Doch dann lässt er in der Hitze des Gefechts einen seiner Eispickel fallen. Mit diesem Malheur endet der erste Begehungsversuch abrupt, zumal Glatthard schon zu müde Arme für einen weiteren Versuch hat. «Meine Frustration war so gross!»

Yannick Glatthard im 30-Meter-Dach von Hall of Fame (400m, M13, WI6). Bild: Diego Schläppi
Yannick Glatthard im 30-Meter-Dach von Hall of Fame (400m, M13, WI6+). Bild: Diego Schläppi

Erste freie Begehung wird zur psychischen Belastungsprobe

Eine Woche später kehrt das Trio zurück, energiegeladen und bereit für einen zweiten Versuch. Die schwierigen Mixed-Seillängen im Grad M7 und M13 sind bald geschafft. Damit glaubt Glatthard den schwierigsten Teil von Hall of Fame hinter sich gebracht zu haben. Doch er sollte sich täuschen.

Die Mixed-Seillängen in Hall of Fame sind äusserst anspruchsvoll. Am Ende sind es jedoch die Eis-Passagen, die Yannick Glatthard's ganze Aufmerksamkeit fordern. Bild: Diego Schläppi
Die Mixed-Seillängen in Hall of Fame sind äusserst anspruchsvoll. Am Ende sind es jedoch die Eis-Passagen, die Yannick Glatthard’s ganze Aufmerksamkeit fordern. Bild: Diego Schläppi

«Die WI5 Seillänge liess sich mehr schlecht als recht absichern, da das Eis sehr dünn war.»

Yannick Glatthard

In der zweiten WI5-Länge reichte der Vorhang aus Eis nicht ganz bis zum Boden. Nur dank Ron’s eisernen Schultern hätten sie das Eis überhaupt erreicht, so Yannick Glatthard. «Für mich war es psychologisch gesehen die grösste Herausforderung, die ich je gemeistert habe.»

Yannick Glatthard führt eine steile Eis-Länge in Hall of Fame. Bild: Diego Schläppi
Yannick Glatthard führt eine steile Eis-Länge in Hall of Fame. Bild: Diego Schläppi

Zwei Seillängen später folgt die Krönung der Route, die gigantische 35 Meter lange Eiskerze, die über knapp die Hälfte ihrer Länge frei hängt. «Nach zwei weiteren sehr technischen M7-Längen stieg ich aus dieser Traum-Linie aus.»

Ist Hall of Fame (400m, M13, WI6+) vielleicht die herausforderndste Mixed-Route in diesem Stil? Yannick Glatthard lässt die Frage, die er selbst aufgeworfen hat, unbeantwortet. «Jedenfalls bin ich froh und dankbar, dass das nötige Glück an diesem Tag mit uns war und alles so gut geklappt hat.»

Topo von Hall of Fame (400m, M13, WI6+)

Hall of Fame: Eröffnet 2015 von Ron Koller, erste freie Begehung durch Yannick Glatthard im Februar 2023. Bild: Diego Schläppi
Hall of Fame: Eröffnet 2015 von Ron Koller, erste freie Begehung durch Yannick Glatthard im Februar 2023. Bild: Diego Schläppi

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Credits: Titelbild Diego Schläppi

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