Nepal hat in dieser Frühjahrssaison 492 Genehmigungen für Kletterer am Mount Everest erteilt – so viele wie noch nie zuvor. Grund ist auch die Schließung der Aufstiegsroute in Tibet durch China. Die Sherpas rechnen mit Stau auf der nun einzigen Route.
Mehrere hundert Menschen versuchen sich jedes Jahr am Gipfel des 8.849 Meter hohen Mount Everest, dem höchsten Berg der Welt. In der Frühjahrssaison hat Nepal mit 492 Zulassungen für Kletterer aus 55 Nationen so viele Genehmigungen wie noch nie zuvor erteilt. Das nepalesische Tourismusministerium spricht von einem »historischen Moment« – währenddessen fürchten die Sherpas, dass es vor dem Gipfel zu gefährlichen Staus kommen könnte.
China sperrt Route über Tibet
Ein Grund für die Rekordzahl an Zulassungen hat mit Nepals Nachbarland China zu tun. Normalerweise verteilen sich die Everest-Aspiranten auf Routen aus Nepal und Tibet, das von China besetzt wird. Jetzt hat die chinesische Regierung den Aufstieg zum Everest von der tibetischen Seite geschlossen. Der einzige Weg führt nun über die nepalesische Südseite.
Für Nepal bedeutet das noch mehr Besucherzahlen, die ohnehin seit Jahren ansteigen. 2023 wurde ein bisheriger Rekord von 478 Genehmigungen erteilt, 2024 waren es 468. Vergangenes Jahr erhöhte Nepal die Gebühren von 11.000 auf 15.000 Dollar – viel gebracht hat das nicht. Die meisten der 492 Anmeldungen für die Hauptsaison 2026 kommen amtlichen Angaben zufolge aus China, den USA und Indien.

Sherpas rechnen mit Stau auf Südroute
Die Rekord-Anzahl an Aufstiegsgenehmigungen ist nur ein Grund, warum die Sherpas am Mount Everest mit Sorge auf die weitere Saison blicken. Auch das Wetter soll in den nächsten Tagen deutlich schwieriger werden – eine Herausforderung bei dem aktuellen Andrang am Berg.
Auch insgesamt ist man am Everest derzeit hinter dem üblichen Saison-Zeitplan: Bis vor wenigen Tagen war die Route zum Gipfel außerdem von einem instabilen Serac etwa 300 Meter unterhalb von Camp 1 versperrt. In der Regel steigen Besucher ab Mitte April für die Akklimatisierung ins Base Camp 2 auf. Ab Mai ist das Wetter meist gut genug für erste Versuche, wenn die Bedingungen halten.
Begrenzte Wetterfenster bedeuten hohen Andrang hier am Everest, vor allem mit fast 500 Besuchern plus Sherpas vor Ort. Viele von ihnen werden Schwierigkeiten haben.
Sherpa Mingma G
Für die Sherpas vor Ort ist klar: Je mehr Personen am Mount Everest unterwegs sind, desto höher das Risiko für alle. Betrachtet man die teils dramatischen Aufnahmen der letzten Jahre, wird die Sorge um diese Saison noch greifbarer. Am Everest kommt es jedes Jahr zu mehreren tödlichen Unfällen – vor allem am berüchtigten Khumbu-Eisbruch. 2014 starben hier 16 Sherpas, als ein Serac kollabierte.




Nepal: politisch angespannte Lage
Für Nepal gehört der Tourismus am Mount Everest zu den wichtigsten Einnahmequellen. Medienberichten zufolge nimmt das Land jährlich etwa 6 Millionen Euro mit Everest-Zulassungen ein. Insgesamt liegen 8 der 14 Achttausender in Nepal, wo rund 30 Millionen Einwohner aus über 100 Volksgruppen leben.
Gleichzeitig gilt Nepal weiterhin als politisch instabil: 2025 war es zu schweren Unruhen und Protesten im Land gekommen, nachdem die Regierung verschiedene Social-Media-Plattformen gesperrt hatte. Nach dem Rücktritt des damaligen Regierungschefs wurde das Parlament aufgelöst, es kam zu Neuwahlen.
Diese Entwicklungen machten sich auch bereits in der alpinen Szene bemerkbar: Im vergangenen Jahr gab es aufgrund der Spannungen etwas weniger Zulassungen für den Mount Everest als noch 2024. Die Saison 2026 scheint davon nicht mehr betroffen.
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