In und um die zweisprachige Stadt Biel wird schon seit Langem an Blöcken in Absprunghöhe geklettert. Seit 2018 gibt es einen Boulderführer, der die 600 Boulderprobleme fein säuberlich beschreibt und bebildert. Mehr zum Gebiet und Boulderführer erfährt ihr im Beitrag von Alena Stauffacher.

Ein Beitrag von Alena Stauffacher, Bächli Bergsport

Wo Deutschschweiz und Romandie aufeinandertreffen, beginnt, gleich ausserhalb der Mauern der Uhrenstadt Biel, der Jurasüdfuss. Bekannt für sein helles Kalkgestein, die weiten Hochebenen und die Sicht über das Seeland bis hin zu den hohen Alpengipfeln, ist der Jura bei Wanderern ebenso beliebt wie bei Kletterern und Boulderern. Unweit der urbanen Industrie locken alpin anmutende Plattenklettereien und knifflige Boulderblöcke.

Stein auf Stein

Was den Jurakalk prägt, sind seine Schichtungen, die Risse und Löcher, die durch Erosion entstehen, welche nicht selten Sanduhren und einzelne Felstürme entstehen lässt. Durch seine kantige, raue Oberfläche ist der Kalk griffig und ideal zum Klettern. Die für den Jura typischen Klusen bilden beidseitig hohe Felswände – wie gemacht für schöne Ein- bis Mehrseillängenrouten. Die Furchen und Löcher sind Nährboden für Moose und sonstige Pflanzen, auf grösseren Vorsprüngen in ruhigeren Wänden nisten oft Vögel und nicht zuletzt bildet der Kalkstein perfekte Griffe und Tritte. Aber aufgepasst: Wer aufmerksam durch die bernisch-jurassischen Wälder streift, dem werden auch sogenannte erratische Blöcke auffallen, Findlinge, die vor mehreren Millionen Jahren von Gletschern dort zurückgelassen wurden.

So kann es durchaus sein, dass mitten auf einem Kalkfundament ein Gneis- oder Granit-Block anzutreffen ist. Einer der wohl bekanntesten Findlinge und zugleich der grösste der Region rund um Biel ist der Holenstein im Gebiet Gaicht. Auf diesen Block aus Montblanc-Granit führen mehrere Boulderrouten, von denen elf im Boulderführer «Biel-Bienne Boulder» beschrieben werden. Weitere Findlinge aus Granit und Gneis finden sich auf dem Bözingenberg, nördlich von Biel; auch dieser Region ist im Führer ein Kapitel gewidmet.

Blick ins Buch

Kein Bouldertag ohne entsprechende Vorbereitung: Der eben angesprochene Führer «Biel-Bienne Boulder» umfasst gesamthaft zwölf Gebiete rund um den Bielersee, von La Neuveville über Twann, dem Vingelzberg entlang bis zum Bözingenberg und nach Frinvillier. Dabei sind die Gebiete entsprechend ihrer Lage in drei Kapitel, Bord du Lac, Frinvillier und Bözingenberg, eingeteilt.

Wer sich in einem der Bouldergebiete noch nicht auskennt und einen neuen Spot entdecken möchte, wird sicherlich an den praktischen Übersichtskarten Gefallen finden, mit Angaben zu Zustieg, genauen Koordinaten sowie Hinweisen zu weiteren Blöcken, Feuerstellen und Weiteres. Dabei kann der Boulderführer mit 600 vorgestellten Problemen, grosszügigen Farbfotos und detaillierten Topos begeistern. Durch die grosse Auswahl an Routen finden vom Anfänger bis zum Profi alle ein geeignetes Projekt.

“Während der warmen Sommermonate lädt der Bielersee zu einem erfrischenden Sprung nach dem Bouldern ein.”

Alena Stauffacher

Ein paar der vorgestellten Gebiete waren bis vor nicht allzu langer Zeit Geheimtipps, die Topos wurden Schätzen gleich bewahrt und nur äusserst zurückhaltend weitergegeben. Durch die zunehmende Bekanntheit finden immer mehr Boulderer den Weg zu den Blöcken am Jurasüdfuss und geniessen die sonnigen Hänge oberhalb des Bielersees.

Während der warmen Sommermonate lädt dieser denn auch zu einem erfrischenden Sprung nach dem Bouldern ein. Im Frühling und Herbst wärmen sanfte Sonnenstrahlen den Fels – jetzt, da in den Bergen noch Schnee liegt, lässt es sich hier prima bouldern; den Fels fest in den Händen, das Problem vor Augen und den Blick immer wieder über das einmalige Panorama schweifend.

Der Boulderführer für Biel

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Credits: Titelbild Quentin Blanchard

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