In ihrer heutigen Mitteilung kommuniziert die Gemeinde Ferrera die teilweise Auflockerung ihrer Gebietssperrung für das Bouldergebiet Magic Wood. Unter Vorbehalt kann im Averstal ab 27. April 2020 wieder geklettert werden.

Dank des Engagements von Dave von Allmen, der das Gespräch mit der Gemeinde Ferrera suchte, konnte eine teilweise Lockerung der Gebietssperrung erreicht werden. Mit ihrem Schritt zur Lockerung drückt die Gemeinde ihr Vertrauen der Klettercommunity gegenüber aus. Umso wichtiger ist es deshalb, dass sich alle an die Regeln halten und vernünftig vorgehen.

Ein Blick ins Murgtal

Aus Angst vor einem Ansturm hat sich die Gemeinde Ferrera kurz vor Ostern gezwungen gefühlt, das Bouldergebiet Magic Wood zu schliessen. Auch die Gemeinde Quarten stand kurz vor einer Schliessung des Bouldergebiets Murgtal, setzte schlussendlich aber auf die Vernunft der Klettercommunity. Die Gemeinde wurde nicht enttäuscht.

Ich war an Ostern selber vor Ort und auch die Polizei hat Kontrollen vorgenommen. Wir haben zwar festgestellt, dass viele Autos aus zum Teil weit entfernten Kantonen im Murgtal parkiert wurden. Ein eigentlicher Ansturm war aber nicht zu verzeichnen und die Boulderer haben sich an die Regeln zum Abstand und zur Gruppenbildung gehalten.”

Erich Zoller, Gemeindepräsident von Quarten

So ist der Zugang zum Bouldergebiet Magic Wood geregelt

Die Gemeinde Ferrera hat entschieden die getroffenen Massnahmen schrittweise zu lockern. Der Fahrplan sieht wie folgt aus. 

27. April 2020
Das Bouldergebiet wird geöffnet, sprich die behördliche Schliessung wird aufgehoben. Die Parkplätze bleiben noch geschlossen und es sind die öffentlichen Parkplätze im Dorf Ausserferrera zu benutzen. 

11. Mai 2020
Parkplätze werden mit Ausnahmen geöffnet. Gewisse Ausbuchtungen werden als Holzlagerplätze benötigt und bleiben daher auch nach dem 11. Mai 2020 gesperrt. 

8. Juni 2020
Öffnung des Campingplatzes.

Weiterhin gilt:
– Abstand halten!
– Hygiene beachten!
– Absolutes Feuerverbot!

Diese Lockerungen werden auf Zusehen hin umgesetzt. Lässt es die Situation nicht zu, behält sich der Gemeindevorstand Ferrera vor, die obengenannten Daten anzupassen.

Für Auffahrt und Pfingsten wird die Situation jeweils neu beurteilt und das Gebiet gegebenenfalls wieder geschlossen. 

Die Gemeinde zählt auf die Vernunft und die Selbstverantwortung jedes Einzelnen! 

Ein Kommentar von Dave von Allmen

Die allgemeine Empfehlung, Zuhause zu bleiben, ist immer noch gültig. Der SAC hat mit einer Stellungnahme gegenüber LaCrux zwar Rahmenbedingungen präsentiert, unter denen das Klettern/Bouldern “okay” ist, hat aber gleichzeitig das “Zuhausebleiben” relativiert, ohne näher darauf einzugehen. Will man aber das “Zuhausebleiben” relativieren, muss man um jeden Preis das zugrundeliegende Ziel, das Schützen einer Risikogruppe, im Auge behalten.

Einen optimalen Weg zurück zur Normalität zu finden ist ein schwieriges Unterfangen. Und es ist nicht an der Zeit nach Abkürzungen Ausschau zu halten. Aber wir Boulderer wissen ja, dass Abkürzungen nicht zufriedenstellend sind und das Bewältigen von schwierigen Problemen, egal wie lange es dauert, am Ende das grösste Glück birgt.

Es wäre naiv zu glauben, dass wir Kletterer/Boulderer “vernünftig” sind. Ja, wir haben uns die letzten Wochen vernünftig verhalten. Aber wie sieht das aus, wenn wir nun denken es gebe dazu keine Notwendigkeit mehr? Seien wir ehrlich, die Zustände die wir (abseits der Coronakrise) zu Zeiten des Hochbetriebs an gewissen Orten verursacht haben, sind alles andere als vernünftig. Das “Normal” das wir der Öffentlichkeit in der Vergangenheit teilweise präsentiert haben, sollte nicht das “Normal” sein, zu dem wir zurückfinden wollen.

Im Bezug auf unser Bedürfnis, wieder Bouldern oder Klettern zu gehen, sollte sich deshalb jeder, der die Zeit gekommen sieht, das “Zuhausebleiben” differenzierter zu reflektieren, folgende Fragen stellen:

  • Muss ich heute klettern/bouldern gehen?
  • Muss ich jetzt wirklich konkret in das Gebiet X oder gibt es Optionen in der näheren Umgebung?
  • Wie reagiere ich, wenn ich an der gewählten Destination ankomme und feststelle, dass scheinbar einige Leute schon früher aufgestanden sind?
  • Kann ich mich zeitlich so organisieren, dass ich den Druck auf die gewählte Destination minimiere?
  • Wenn ich sonst nur ein paar Mal im Jahr klettern/bouldern gehe, muss ich jetzt gleich losstürmen?
  • Wenn ein Sprössling in der Familie gerne an den Fels gehen möchte, muss dann die ganze Familie, die sonst gar nicht klettert/bouldert, losziehen oder kann der Sprössling auch mit nur einem Elternteil Spass am Fels haben?
  • Kann ich als “Local” unter der Woche klettern/bouldern gehen, so dass am Wochenende vielleicht andere mein “Heimgebiet” besuchen können?
  • Muss ich an Blöcken/Felsen klettern, in deren Nähe bereits andere klettern und die Situation von aussenstehenden als kritisch beurteilt werden könnte?

Weder Bund noch SAC kann diese Fragen beantworten. Das muss jeder für sich selber tun. Und es ist wichtig, dass wir in dieser schwierigen Übergangszeit Rücksicht darauf nehmen, dass jeder in einem anderen Tempo dazu in der Lage ist. Wenn jemand Antworten auf diese Fragen findet und diese dafür sprechen dass es okay ist, zu einem gewissen Zeitpunkt klettern/bouldern zu gehen, dann vertraue ich auf den moralischen Kompass dieser Person und nicht auf Fingerzeige von anderen!

Im Übrigen wäre es auch nach der Coronakrise angebracht, sich öfter mal wieder an diese Zeit zurückzuerinnern und sich auf die Antworten zu besinnen, die man sich selbst auf diese Fragen einmal gegeben hat.

Wir haben die letzten Wochen gezeigt, dass wir vernünftig sein können. Bleiben wir dabei und halten uns an die geltenden Regeln. Dann können wir das Ziel erreichen.


Anmerkung der Redaktion: LACRUX möchte sich bei David von Allmen für sein Engagement ganz herzlich bedanken!


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