Im April kletterte der Berner Kevin Heiniger den 8c-Boulder Kryptos am Morchelstock im Balsthal (LACRUX berichtete). Im heutigen Gastbeitrag verrät uns Kevin wie er auf das Projekt kam, welche Hürden er überwinden musste und wie es sich anfühlt, ein langfristiges Projekt erfolgreich abzuschliessen.

Ein Beitrag von Kevin Heiniger

Vor ein paar Jahren war ich auf der Suche nach einem Bouldergebiet möglichst nahe von Zuhause. Auf der Internetseite bimano.ch wurde ich dann fündig. Im Balsthal gibt es ein Gebiet namens „Morchelstock“. So fuhr ich los, denn es sollte dort einige schwere Boulder geben. Am Anfang war ich nicht gerade überzeugt, da man schon wissen muss welche Boulder lohnenswert sind. Doch da ich mit dem Auto nur rund 35 Minuten entfernt wohne, fuhr ich trotzdem ab und zu hin. Und je mehr ich die Blöcke erkundete und einiges im einfacheren Bereich kletterte, desto mehr gefiel mir das kleine Gebiet im Wald. Als ich die meisten einfacheren Boulder geklettert hatte, wollte ich mich an etwas Schwereres wagen. Damals hatte ich noch wenige schwere Boulder geklettert. Da es so gut erreichbar war, konnte ich auch nach der Arbeit draussen klettern gehen, um nicht immer in den Kletterhallen zu sein. So kletterte ich im Jahr 2014 meinen ersten 8a+ Boulder am Morchelstock.

Es musste etwas Schwieriges her

Danach schaute ich wieder etwas vermehrt in das Topo, um zu sehen was es noch alles gibt. So kam ich auf das letzte Foto das von diesem Gebiet abgebildet ist und dort findet man den Boulder „Kryptos“. Einen 8c-Boulder von Franz Widmer im Jahr 2009 erstbegangen Block, der im selben Jahr  von keinem anderen als Fred Nicole wiederholt wurde. Natürlich hatte ich den Boulder schon vorher gesehen im Topo, jedoch nicht wirklich beachtet. Doch nun wollte ich den Boulder einmal in echt sehen und einmal an die Griffe hängen, um zu sehen wie sich so ein 8c-Boulder anfühlt. Auf dem Topo in der App, findet man einen Link zum Video von Franz Widmer.

Kevin Heiniger in Kryptos (8c)
Kevin Heiniger in Kryptos (8c)

Anfänglich gelang kaum ein Zug in Kryptos

So sass ich also vor diesem Boulder und schaute mir das Video an, danach zog ich meine Kletterschuhe an und wollte auch versuchen. Jedoch wurde mir schnell bewusst, wie schwer dieser Boulder ist. Im unteren Teil brachte ich kaum die Füsse vom Boden, geschweige denn einen Zug zu machen. So kam es, dass ich ab und zu aus Spass wieder zu diesem Boulder ging und ein wenig projektierte. Zuerst war es nichts ernstes und ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass so ein Boulder für mich möglich ist zu klettern. Und als es dann im Herbst 2014 wieder mit dem Training losging, war ich sowieso nicht mehr am Fels anzutreffen. Zudem ist es in diesem Gebiet sehr lange nass wenn es einmal geregnet hat und am besten ist es von den Temperaturen natürlich im Frühling und im Herbst.

Fortschritte liessen auf sich warten

2015 beschloss ich dann ernsthaft diesen Boulder als mein Projekt zu bezeichnen. Ich hatte bis anhin noch nie eine Route oder einen Boulder länger als drei Tage versucht. Entweder konnte ich es klettern oder ich gab auf und dachte es sei zu schwer. Und durch das viele Training für die Wettkämpfe, kletterte ich meistens nur in den Ferien am Fels. Und dort wollte ich natürlich auch nicht die ganzen Ferien an einem Projekt verbringen. Da aber Balsthal wirklich nicht weit weg ist und man gut auch am Abend gehen kann, wurde es zu meinem Projekt. Ich kenne viele Leute die mir schon oft erzählt hatten, was für ein Gefühl es sei, sein Projekt nach vielen Versuchen zu klettern und das wollte ich auch einmal erleben. Am Anfang war es sehr deprimierend, ich machte nicht wirklich Fortschritte. Zudem war ich auch nie regelmässig vor Ort, da immer Trainings und Wettkämpfe dazwischen waren. Und als ich nach der Sommerpause wieder kam, da es dann viel zu heiss ist, stand ich wieder am Anfang, da ich meine Lösungen vergessen hatte. Zudem rückte ich im Oktober 2015 ins Militär ein und so ging es erst im Frühling wieder weiter. Nach und nach hatte ich für alle Züge die beste Lösung erarbeitet und konnte den Boulder in einzelne Abschnitte aufgeteilt auch klettern. Jedoch bei einem schweren Zug hatte ich meine Mühe, ich konnte ihn zwar als Einzelzug klettern, jedoch hatte ich keine Chance, wenn ich von unten kam. Dann kam wieder die Wettkampfsaison und im Herbst 2016 war ich meistens an anderen Orten klettern.

Das Puzzle setzt sich langsam zusammen

Es fehlte mir etwas an der Motivation, da ich nicht mehr wirklich weiter kam. Trotzdem ging ich ab und zu wieder hin um mich zu versuchen. So kletterte ich immer wieder diese Abschnitte die langsam besser gingen und versuchte natürlich eine Lösung für den Rest zu finden. Jedoch erfolglos und so kam erneut der Winter. Nach einem wirklich guten Winteraufbau und den ersten Wettkämpfen kam diesen Frühling eine grössere Pause bis zum nächsten Anlass. So entschloss ich mich wieder einmal nach Balsthal zu fahren, jedoch eigentlich mit einem anderen Ziel. Ich wollte mich in einem anderen, etwas leichteren Boulder versuchen. Gegen den Abend ging ich dann trotzdem noch weiter um zu sehen wie es sich anfühlt. Innerhalb von einer Stunde, fand ich eine gute Lösung für den noch fehlenden Zug und ich konnte alle anderen Züge in einzelnen Abschnitten klettern. Ich konnte es kaum fassen und fühlte mich viel stärker und stabiler auf den Griffen als im letzten Jahr. Die Aufregung war natürlch gross, als ich an diesem Abend nach Hause fuhr. Das erste Mal konnte ich mir vorstellen diesen Boulder zu klettern. Entsprechend konnte ich es kaum erwarten, wieder zu gehen um zu sehen, ob es nicht nur ein perfekter Tag und eine perfekte Tagesform gewesen war. Genau eine Woche später kam ich wieder zurück. Es fühlte sich wieder super an. An diesem Tag kam ich so weit wie noch nie und langsam war ich überzeugt, dass es nicht mehr viel fehlte.

Sending Time in der Dunkelheit

Am dritten Tag dieses Jahres, um genau zu sein am Montag 24. April 2017 fuhr ich also erneut hin. Am Sonntag hatte ich schön einen Ruhetag eingelegt und mich fast wie auf einen Wettkampf vorbereitet. Ich wusste, dass ich nicht viel Zeit hätte, da ich erst nach der Arbeit hinfahren konnte. So nahm ich sicherheitshalber meine Lampen mit. In den ersten Versuchen fühlte es sich wieder etwas schlechter an als die beiden letzten Male. So machte ich eine längere Pause und wartete bis es etwas kälter wurde. Natürlich wurde es dann im Wald auch langsam dunkel, jedoch hatte ich genügend Licht dabei um den ganzen Boulder zu beleuchten. Dann kam das wo von mir so viele Leute erzählt hatten, plötzlich stand ich auf dem Block und ich hatte den Boulder geklettert. Es fühlte sich so leicht an und alles ging automatisch, ich musste nichts überlegen. Man kann das Gefühl nicht wirklich beschreiben, irgendwie Freude aber nicht so wie ich es mir immer vorgestellt hatte als ich auf dem Block stand. Es fühlt sich so unreal an, dass es sich so leicht klettern lies und ich vorher so viel Mühe hatte. Ich brauchte einige Zeit um zu begreifen, dass ich diesen Boulder wirklich geklettert hatte. Auch eine kleine leere fühlte ich, da ich immer wusste, dass ich ja wieder zurückkommen werde und nun habe ich dieses Projekt abgeschlossen.

Die dritte Begehung nach Franz Widmer und Fred Nicole

Es ist wirklich ein tolles Gefühl einen solchen Boulder zu klettern, in den man so viel Aufwand gesteckt hat. Und das es nach 8 Jahren die dritte Begehung nach Franz Widmer und Fred Nicole ist, ehrt mich natürlich auch. Über den Schwierigkeitsgrad kann ich leider nicht viel sagen, da ich vorher noch nie in diesem Grad unterwegs war. Ich habe schon einige Boulder bis 8b geklettert und mich auch schon in 8b+ versucht. Ich kann nur sagen, es war das Schwerste das ich jemals geklettert habe und so schliesse ich mich einfach Mal an Franz und Fred an und lasse die Zahl so stehen. Sie haben da mehr Erfahrung als ich und eventuell habe ich diesen Boulder wieder etwas aufgeweckt. Hoffentlich dauert es nicht noch einmal 8 Jahre bis zur nächsten Begehung.

Das Video von Kevin Heinigerbeim Durchstieg findet ihr im folgenden LACRUX-Artikel:

Kevin Heiniger beim erfolgreichen Durchstieg von Kryptos


Credits: Bild Kevin Heiniger

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