Wer einmal einen passenden Kletterfinken gefunden hat, gibt ihn so schnell nicht mehr. Doch mit mehr Training, Fortschritt und neuen Einsatzgebieten verändert sich auch der Anspruch an den Schuh. Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen anderen Kletterfinken? Das Angebot von weicheren Modellen bis hin zu aggressiveren Kletterfinken mit mehr Vorspannung und Downturn ist vielseitig. 

Ein Beitrag von Michèle Daucourt, Verkaufsberaterin Transa Klettershop Pilatus Indoor

Beim Kauf deiner Kletterfinken spielen vor allem Fussform, Niveau, Einsatzbereich und natürlich persönliche Präferenzen eine wichtige Rolle. Bei der Fussform wird oft zwischen drei Typen, griechisch, ägyptisch und römisch unterschieden.

Eine griechische Fussform bedeutet, dass dein zweiter Zeh grösser ist als der grosse Zehen. Bei der ägyptischen Form verlaufen deine Zehen wie eine Treppe abfallend und bei der römischen sind alle Zehen etwa gleich lang. Deine Fussform gibt eine Tendenz für unterschiedliche Marken und Modelle. Trotzdem ist es wichtig, verschiedene Modelle zu testen: Der passende Kletterfinken ist so individuell wie du.

Deine Fussform entscheidet nicht allein über den passenden Schuh. Wichtig dabei ist auch dein Kletter-Niveau. Neulinge fühlen sich in flacheren Schuhen oft wohler. Sie liegen zwar satt an, sind aber dank Polsterung und sehr wenig Vorspannung trotzdem bequem. Hier empfiehlt sich, etwa eine halbe Grösse weniger als die übliche Schuhgrösse zu wählen. An der Achillessehne sollten keine Druckstellen entstehen.

Härtere Kletterfinken mit Vorspannung und Downturn

Wann passt ein Kletterfinken mit mehr Vorspannung? Mit mehr Übung kommen mehr Herausforderungen: Irgendwann kann es einen Moment geben, wo du an einem steilen Aufstieg stehst ins Dach schaust und merkst, dort komm ich mit diesem Schuh nicht hoch. Hier kann ein Kletterfinken mit mehr Vorspannung und Downturn deine Performance unterstützen.

Es kann aber auch sein, dass deine Fussmuskulatur noch Unterstützung eines aggressiveren Schuhs mit mehr Vorspannung brauchen kann. Was heisst das konkret? Mit mehr Vorspannung im Schuh kannst du mehr Spannung in den Zehen aufbauen und so in einer senkrechten Wand besser auf kleine Tritte stehen. Die Form der Kletterfinken unterstützt dich dabei anhand eines Gummizugs, der von oben an der Ferse bis zur Sohle verläuft. Die Ferse wird mehr nach vorne gedrückt, dadurch ist weniger Platz im Finken und die Zehen stellen sich auf. Der Druck ist komplett im vorderen Teil des Kletterfinkens und du kannst mehr Vorspannung aufbauen. Ideal also, um an einer steilen Wand oder in Dächern zu klettern.

Oft haben Kletterfinken mit Vorspannung auch einen «Downturn». Damit gemeint ist die Biegung zwischen Ferse und Zehenspitze durch die entsprechend gebogene Sohle.

Oft haben Kletterfinken mit Vorspannung auch einen «Downturn». Damit gemeint ist die Biegung zwischen Ferse und Zehenspitze durch die entsprechend gebogene Sohle. Diese Form des Kletterfinkens hilft ebenfalls, mehr auf die Zehen zu fokussieren und macht das Ranziehen über den Fuss leichter. Es gibt zudem Gummieinsätze, die einen solchen Kletterfinken noch aggressiver machen.

Für eine gerade Wand mit grossen Tritten, ist ein Kletterfinken mit Downturn deshalb nicht geeignet.

Für eine gerade Wand mit grossen Tritten, ist ein Kletterfinken mit Downturn deshalb nicht geeignet, dort würde er wohl einfach nur schmerzen. Schliesslich sitzt dieser Schuh sehr satt: Beim Kauf wird empfohlen, etwa eineinhalb bis zwei Grössen kleiner als üblich zu wählen. Und die Kehrseite der Medaille? Hier muss man ehrlich sein, bequem ist ein solcher Schuhe nicht wirklich. Blattern können nicht immer vermieden werden. Vor allem am Anfang musst du etwas beissen. Wichtig aber bleibt: Gut einklettern!

Weichere Kletterfinken: Mehr Fühlvermögen

Die Technologien rund um den Kletterschuh entwickeln sich stetig weiter. Längst sind weiche Kletterfinken nicht mehr nur für Neulinge. Dahinter steckt ein anderer Ansatz für fortgeschrittene Kletterinnen und Kletterer, welcher vor allem eine gut trainierte Fussmuskulatur voraussetzt, damit auch ohne enganliegende «Finkencorsage» Spannung aufgebaut werden kann. Stell dir vor du trägst dicke Handschuhe, dadurch ist dein Fühlvermögen automatisch eingeschränkt.

Stell dir vor du trägst dicke Handschuhe, dadurch ist dein Fühlvermögen automatisch eingeschränkt.

Ähnlich ist es mit deinen Füssen und Zehen, wenn sie härtere und steifere Kletterfinken tragen. In einem weicheren, dynamischen Kletterfinken betätigst du deine Zehenpartie wie auf Klaviertasten. Du kannst den Fussrücken freier aufdrücken oder spannen und somit den Downturn verstärken oder schwächen. Ein weicher Kletterfinken ist dadurch viel polyvalenter, bedarf aber der nötigen Techniken, den Fuss richtig zu bewegen und zu stabilisieren. Auch hier geht es einige Zeit, bis du dich im Kletterfinken zu Hause bist.

Allrounder-Modelle: Kein goldener Mittelweg

Was passt für Kletterbegeisterte, die weder einen weichen Schuh noch einen mit aggressiver Vorspannung wünschen? Vielfach wird dann zu einem «Allrounder-Modell» gegriffen: Ein vielseitig einsetzbarer Kletterfinken, der etwas Vorspannung hat für kleine Tritte, aber nicht ganz so aggressiv ist. Hier empfiehlt es sich eine bis eineinhalb Nummern kleiner zu wählen als die übliche Schuhgrösse. Ein Allrounder-Modell ist für vieles gut, aber nirgends top. Oft macht es mehr Sinn für unterschiedliche Einsatzgebiete, unterschiedliche Kletterfinken zu besitzen.

Sich beraten lassen

Nicht nur Kletterfinken haben sich verändert, auch die Klettergebiete selbst. Wo gehst du klettern? Drinnen oder draussen? Je nach Region oder Land in dem du kletterst, wirst du andere Bedingungen und Wände antreffen. Der Anspruch an deinen Kletterfinken ist also auch ein anderer, wenn du zum Beispiel mehr auf Reibung stehst als auf Tritten.

Wenn du am Bouldern bist, brauchst du allenfalls mehr Hookzonen am Schuh.

Wenn du am Bouldern bist, brauchst du allenfalls mehr Hookzonen am Schuh, wie wenn du auf einer Mehrseilroute unterwegs bist. Beim Anprobieren solltest du dich auch vergewissern, ob du geraden einen Kletterschuh trägst, der sich nicht mehr gross in der Form verändert oder einen der seine Eingewöhnungszeit braucht, das Material sich aber noch ausdehnt. Es gibt kein Patentrezept für den richtigen Schuh.

Vor allem solltest du dir Zeit nehmen beim Anprobieren und dich beraten lassen, auf dein Bauchgefühl hören und dich im Kletterfinken wohl fühlen. Aspekte des Klettergebiets, deines Niveaus, deiner Fussform und natürlich deinen persönlichen Vorlieben unterstützen deine Wahl, denn das Kletterfinken-Sortiment ist vielseitig. 

Die Lebensdauer deiner Kletterfinken verlängern

Wenn du deine Lieblings-Kletterfinke(n) einmal gefunden, solltest du auch die richtige Pflege beachten. Schwitzige Füsse bilden den Nährboden für stinkige Bakterien. Trockne daher deine Kletterfinken immer gut zum Beispiel mit dem Trocknungsgerät Thermic Dryer V2 mit integrierter Zeitschaltuhr. Und wenn bei deinem Kletterfinken einmal die Sohle abgenutzt ist? Dann macht vielleicht eine Neubesohlung Sinn, um die Lebensdauer deiner treuen Kletterbegleiter zu verlängern.

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