Alex Rohr erfolgreich in Flatanger: Change P1 (9a+/b) geklettert

Dem Schweizer Profikletterer Alex Rohr gelingt die freie Begehung der ersten Seillänge der Flatanger-Route Change (9a+/b). Dieser persönliche Bericht gibt Einblick in den Prozess der Begehung.

Ein persönlicher Bericht von Alex Rohr

Am 12. August 2022 habe ich die erste Seillänge von Change (9a+/9b) erfolgreich geklettert. Erstmals probiert habe ich die Route 2019 direkt nach dem Erfolg in Illusionist (9a), habe aber meine Schulter im Schlüsselzug verletzt. An ein weiteres Projektieren war nicht mehr zu denken. Später kam Covid und ich schaffte es nicht mehr nach Flatanger zurück. Diesen Juli sah es anders aus und ich kehrte zurück zur Hanshelleren Grotte, um die erste Seillänge von Change zu klettern.

«Ziel meines diesjährigen Trips war die freie Begehung von Change P1.»

Das stellte sich als äusserst schwierig heraus, da das Wetter extrem schlecht war und viele Griffe in der Route ständig nass waren. Die Bedingungen im allgemeinen waren eher schlecht. Es war ein ständiger Kampf gegen die Wetterextreme. Jeden morgen habe ich aufgewärmt und musste danach durch die ganze Route bouldern, um die Griffe mit Papier und Alufolie zu trocknen.

«Es war ein ständiger Kampf gegen die Wetterextreme.»

Für den Kopf war das alles andere als einfach, da dabei wertvolle Energie verloren ging, welche ich später bei den richtigen Versuchen gebraucht hätte. Hinzu kam, dass es nicht möglich war, alle Griffe komplett trocken zu legen. Anstatt mich über die Bedingungen zu ärgern, versuchte ich es als Herausforderung zu betrachten, denn trotz der widrigen Bedingungen machte ich stetig Fortschritte in der Route.

Und plötzlich war ich im Flow

Den Tag X habe ich mir dennoch anders vorgestellt. Ich kam in die Höhle und realisierte beim Aufwärmen, dass die Bedingungen viel schlechter waren als am Tag zuvor. Es hatte null Wind und war ziemlich feucht. Ich fühlte mich auch etwas müde von den drei sehr guten Versuchen am Tag zuvor. Ich gab dennoch einen Versuch und bemerkte schnell, dass es der beste bisher war. Das Gefühl war gut. Danach kam die Sonne rein und ich musste fünf Stunden warten, weil es sonst viel zu warm gewesen wäre.

Ready für den Durchstieg? (Bild John Thornton)
Ready für den Durchstieg? (Bild John Thornton)

«Es hatte null Wind und war ziemlich feucht. Doch ich gab dennoch einen Versuch.»

Ich wartete bis die Sonne aus der Höhle weg war und fing danach nochmals mit dem Aufwärmen an. Als ich eine 8a kletterte, bemerkte ich, dass es extrem warm und schwül war und sich der Fels nicht gut anfühlt. Dennoch beschloss ich, mein Glück zu versuchen und einen Versuch zu starten. Ich bin gestartet und habe schnell vergessen, dass ich eigentlich am klettern war. Ich bin die Route regelrecht hinaufgeflogen und hatte einen kurzen Moment von Klarheit, als ich den Zug erreichte, welcher mich ständig abwarf.

Das lange Warten auf die Bedingungen. (Bild John Thornton)
Das lange Warten auf die Bedingungen. (Bild John Thornton)

«Ich bin gestartet und habe schnell vergessen, dass ich eigentlich am klettern war.»

Ich habe bemerkt, dass ich mich extrem viel besser fühle. Im nächsten Augenblick war der Zug schon gemacht. Danach tauchte mein Kopf wieder ein in diesen Zustand ein, wobei alles an mir vorbeizog. Nichts konnte mich stoppen. Auch keinen Fussrutscher und nasse Griffe in dem letzten 7C-Boulder. Ich habe einfach nicht aufgehört zu klettern und war auf dem Weg Richtung Stand. Es war endlich geschafft.

Nach diesem Knieklemmer geht es in den berühmten Schulterzug von Adam Ondra. (Bild John Thornton)
Nach diesem Knieklemmer geht es in den berühmten Schulterzug von Adam Ondra. (Bild John Thornton)

Über die Route Change P1 (9a+/b)

Die Route besteht aus einer 8b-Route als Intro, worauf direkt ein Boulder im Bereich 8B/8B+ folgt. Darauf folgen ein paar einfachere Züge mit einem 7C-Boulder als Abschluss. Das letzte Viertel der Route ist nicht mehr so schwer. Die Gesamtlänge der ersten Seillänge beläuft sich auf 25 bis 30 Meter in einem steilen Überhang während die Schlüsselstelle eine Dachverschneidung ist.

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Credits: John Thornton

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