2001 dominierte der Amerikaner Chris Sharma den Boulderweltcup in München. Doch der Sieg wurde ihm aberkannt – wegen Cannabis-Konsum. Heute, zwanzig Jahre später, konsumieren Profikletterer Karotten und Insektenmehl. Unser Sport hat sich professionalisiert. Wir werfen einen Blick in die Vergangenheit und Gegenwart.

2001 in München: Der junge Chris Sharma dominiert den Wettkampf, nur gerade drei Tage nachdem er mit Biographie in Céüse die weltweit erste 9a+ schaffte. Der 20-jährige Kalifornier erobert die Kletterwelt gerade im Sturm, ist die Lichtfigur am Boulderweltcup in München – und landet dennoch hart auf dem Boden der Realität.

Sharma fällt im Dopingtest durch und wird nachträglich disqualifiziert.

THC wird in seinem Blut nachgewiesen, Sharma fällt im Dopingtest durch und wird nachträglich disqualifiziert. Zwar liegt auf der Hand, dass THC keinen leistungssteigernden Vorteil verschafft und dennoch wird konsequent durchgegriffen. Ein Exempel sollte am kalifornischen Sunnyboy statuiert werden: Wettkampfklettern bitte ohne den Cannabiskonsum. Die UIAA startet damals gerade ihre Ambitionen, Sportklettern olympisch zu machen.

Chris Sharma’s Teilnahme am Boulderweltcup in München 2001

Um dem olympischen Komitee zu signalisieren, dass man es ernst nimmt, sollte Sharma an den Pranger gestellt werden.

Um dem olympischen Komitee zu signalisieren, dass man es ernst nimmt, sollte Sharma an den Pranger gestellt werden – so zumindest lautet der Konsens in den Kletterforen. Die Sympathien liegen überwiegend beim Missetäter, während der UIAA Vermarktung und Profitgier unterstellt wird. «Keep climbing evil. Keep climbing real», schreibt beispielsweise ein User, der die Bedeutung des Sportkletterns durch die Olympia-Ambitionen gefährdet sieht.

Heute ist Klettern ein Hochleistungsport

Jetzt, 20 Jahre später, ist es soweit. Wettkampfklettern besetzt heute eine Nische im Hochleistungssport, die das Outdoor-Klettern kaum tangiert. Athleten wie Ondra, Ghisolfi, Megos oder Schubert können sich problemlos in beiden Welten auf höchstem Niveau bewegen und die Werte der jeweiligen Disziplin hochhalten. Allerdings dröhnen sich diese Jungs nicht mehr zu, lobpreisen dafür Karotten, genügend Schlaf und Yoga. Vergleicht man das mit der legendären Freikletter-Szene der 80er im Yosemite, welche gerne als Ursprung der Kletterseele bezeichnet wird, dann ja: «keep climbing evil», das war einmal…

Das Wunderkind aus Tschechien am Weltcup in Imst 2009

Doch hätte sich dieser Gesinnungswandel auch ohne Olympia eingestellt? Vermutlich schon. Es wirkt gerade als wäre Sportklettern erwachsen geworden, die Pubertät ist abgeschlossen. 2007 wurde Edu Marin wegen Kokainkonsum am Weltcup in Zürich disqualifiziert und von der IFSC für zwei Jahre von Wettkämpfen ausgeschlossen. In einem späteren Interview entschuldigte er sich und sagte, es sei hart das ganze Training auszuhalten, «so viele Stunden in der Halle, immer dieselbe Routine…»

2007 wurde Edu Marin wegen Kokainkonsum am Weltcup in Zürich disqualifiziert und von der IFSC für zwei Jahre von Wettkämpfen ausgeschlossen.

Marin war so etwas wie das letzte Aufmucken der dubiosen Substanzen zumindest im Wettkampfklettern. Seit 2007 gab es keine nennenswerten Vorfälle mehr. Und die Tatsache, dass Marins Legitimierungsversuch seines Kokainkonsums kein grosses Verständnis erntete, scheint zu bedeuten, dass sowohl Verbreitung und Akzeptanz in der Szene nicht vorhanden sind.

Alexander Huber sieht Sauberkeit des Sports in Gefahr

Alex Huber gab in einem Interview zwar zu bedenken, dass sich das gerade wegen Olympia ändern könnte: „Bisher war Klettern eine sehr saubere Sportart, weil nicht viel Geld im Spiel ist (…) Mit der Professionalisierung, den Nationalteams und der ärztlichen Betreuung wäre es ein Wunder, wenn das Klettern frei von Doping bliebe.“

Wir sagen: Solange Karotten oder Insekten nicht auf der Dopingliste erscheinen, hat Sportklettern gute Chancen, eine der saubersten Sportarten an Olympia zu werden.

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Credits: Titelbild Dan Krauss / Red Bull Content Pool

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