Der Battert im Nordwesten des Schwarzwalds ist ein beliebtes Klettergebiet, viele traditionsreiche Routen befinden sich hier an der Badener Wand. Um die dortigen Nistplätze des Wanderfalken zu schützen, plant das Regierungspräsidium Karlsruhe, die Wand für Kletternde zu sperren. Dagegen wehren sich Alpenverein und Schwarzwaldverein und fordern einen Kompromiss

An der Badener Wand im Nordwesten des Schwarzwaldes brüten geschützte Wanderfalken. Um zu vermeiden, dass die Tiere gestört werden, plant das Regierungspräsidium Karlsruhe eine Komplettsperrung des Klettergebiets. Ebenso sollen einzelne Wanderwege sowie der Aussichtspunkt Felsenbrücke geschlossen werden. Dem Alpenverein und dem Schwarzwaldverein geht dies zu weit, sie fordern einen Kompromiss zwischen Artenschutz und Klettersport. Die Entscheidung soll noch diese Woche fallen.

Im Jahr 2004 kehrten die Wanderfalken zurück an die Badener Wand. Im Jahr 2020 wurden immerhin drei ausgeflogene Jungfalken gezählt. Sind die Kletterinnen und Kletterer dafür verantwortlich, dass sich der Wanderfalke am Battert eher spärlich fortpflanzt, wie das Regierungspräsidium Karlsruhe unterstellt?

Klettersport vs Artenschutz – ein Beitrag des SWR

Ganzjährige Sperrung ist überzogen

Neben dem Arbeitskreis Klettern und Naturschutz hält auch der Landesverband Baden-Württemberg des Deutschen Alpenvereins eine ganzjährige Sperrung der Badener Wand für überzogen – und aus Gründen des Naturschutzes nicht für notwendig.

In Baden-Württemberg gilt seit 1990 die Regel, dass während der Brutzeit von Falken oder Uhus an den betreffenden Felsen von Anfang des Jahres bis Ende Juli nicht geklettert werden darf. Dieser Grundsatz würde nun von der Landesbehörde übergangen.

«An der Badener Wand geht es um mehr als einen Kletterfelsen. Die Vereinbarkeit von artenschutzrechtlichen Interessen und klettersportlichen Bedürfnissen steht in Baden-Württemberg vor der Zerreissprobe.»

Dieter Porsche, Vorsitzender vom Landesverband Baden-Württemberg.
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Die Falkenwand ist die höchste Wand im Battert. Bild: Panico Alpinverlag/Ronald Nordmann

Vorschläge für Kompromiss

In Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen vor Ort hat der DAV dem Regierungspräsidium Vorschläge unterbreitet, wie sowohl die Wanderfalken besser geschützt, als auch Kletterrouten weiterhin offengehalten werden können.

Dabei setzt sich der DAV für eine zeitliche Sperrung der gesamten Badener Wand in dem landesweit üblichen Zeitraum vom 1.1. bis 31.7. ein. Bisher wurde nur ein Teil der Wand gesperrt. Das Ende der Sperrzeit soll allerdings jeweils an den Brutverlauf angepasst werden, wie es auch andernorts der Fall ist.
 

Was ist der Grund für den geringen Bruterfolg?

Um die Kletterrouten an der Badener Wand in diesem Zeitraum stillzulegen, sollen die unteren Kletterhaken verschraubt werden, so dass sie nicht benutzt werden können. Ausserdem wollen sich die Ehrenamtlichen der lokalen Vereine an der Kontrolle beteiligen und Kletternde über die Notwendigkeit der Sperrung informieren.

Ein Monitoring soll eingerichtet werden, um den Erfolg der Massnahmen zu überprüfen – und Ursachen für die geringen Bruterfolge aufzuspüren. In anderen Gegenden konnten mittels Wildkameras Füchse und Uhus entdeckt werden, die die Nistplätze der Wanderfalken ausgeraubt haben.

Die Vorschläge von AKN und DAV stützen sich auch auf ein Gutachten der Vogelwarte Radolfzell, das im Auftrag des Regierungspräsidiums erstellt wurde.

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Credits: Titelbild Panico Alpinverlag/Ronald Nordmann, Text Medienmitteilung DAV

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10 Replies to “Artenschutz vs Klettersport: Badener Wand droht komplette Schliessung

  1. Wenn die Kletterer den vermeintlichen Naturschützern den kleinen Finger reichen, nehmen diese gleich die ganze Hand. Es reicht langsam mit Kletterverboten überall. Klettern boomt, immer mehr Leute drängen aus der Halle an den Fels. Die meisten Felsen – vor allem die leichten – sind bereits jetzt überfüllt. Weitere Sperrungen verschärfen das Problem weiter. Die richtige Antwort wäre die Erschließung weiterer Felsen (bzw solcher die vor 30 Jahren noch beklettert werden durften).
    Liebe Kletterer, bitte versteht endlich, dass wir zwar auch die Natur lieben aber mit dem Naturschutz in der Praxis keine Schnittmenge haben. Natur“schützer“ wollen alle nur aussperren. Ein Aufenthalt in der Natur ist vom sogenannten Naturschutz nicht vorgesehen. Bitte hört auf mit solchen Verbotsorganisation zu kooperieren

    1. Hallo Peter
      Das Problem liegt meistens nicht direkt bei den Naturschutzorganisationen oder Behörden, sondern in deren Unwissen um den Klettersport generell und dessen Auswirkungen im speziellen. Sowie der dadurch möglichen Machtposition einzelner Personen in diesen Kreisen.
      Eine Kooperation mit Naturschutzkreisen ist unumgänglich und sinnvoll, aber es muss auch klare Kante gezeigt werden, wenn durch einzelne Exponenten gegen den Klettersport gehetzt wird.
      Patrik

      1. Hallo Patrick,
        die Machtposition entsteht auch dadurch, dass sämtliche Vereine in vorauseilendem Gehorsam das halbe Jahr abgeben. Wenn ich mir zum Beispiel das Donautal anschaue…hier sind hunderte Felsen und beklettert werden dürfen gute 30, die auch teilweise sehr ausgedünnt und zeitlich gesperrt. Kein Mensch kann ernsthaft argumentieren, dass seltene Vögel keinen Raum hätten. Selbst wenn 50 Felsen ganzjährig beklettert werden. Das entspringt nicht Unkenntnis sondern purer Ignoranz und Falschinformation durch sogenannte Naturschützer denen am liebsten ist wenn man Natur nur noch im Fernsehen sieht

        1. Da gebe ich dir zu 100% Recht! Im Basler Jura klettern Kletterer 20 Meter neben Falkenbruten.
          In einem Klettergebietet wurde amtlich die Sperrzeit auch auf ein halbes Jahr erhöht, und am gegenhang einen Beobachtungsstand für Tierliebhaber gebaut. Seither fanden dort keine Bruten mehr statt… Selbstverständlich kommt niemanden in den Sinn, ob der Beobachtungsstand einen Einfluss haben kann…

        2. „Vorauseilender Gehorsam“ Da gebe ich dir zu 100% Recht! Im Basler Jura klettern Kletterer 20 Meter neben Falkenbruten.
          In einem Klettergebietet wurde amtlich die Sperrzeit auch auf ein halbes Jahr erhöht, und am gegenhang einen Beobachtungsstand für Tierliebhaber gebaut. Seither fanden dort keine Bruten mehr statt… Selbstverständlich kommt niemanden in den Sinn, ob der Beobachtungsstand einen Einfluss haben kann…

    1. Lieber Uwe
      Ich engagiere mich bereits seit über 20 Jahren im Diskussionsfeld Klettern vs. Naturschutz. Und es liegen mir immer noch keine wirklich wissenschaftliche Studien vor, die in irgend einer Form ein totales Kletterverbot rechtfertigen würden zum Schutze der Natur! Egal ob Pflanzen, Schnecken, Mikrobiota oder Vögel.
      Es grüsst
      Patrik

  2. Die Badener Wand wurde nun leider komplett gesperrt:

    https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/presse/pressemitteilungen-aktuelle-meldungen/artikel/naturschutzgebiet-battertfelsen-beim-schloss-hohenbaden-3/

    „Die „Badener Wand“, einer von 20 Kletterfelsen im Naturschutzgebiet Battertfelsen, wird ab dem 1. Januar 2023 als Vorrangfläche für den Naturschutz vollständig beruhigt und ganzjährig – zunächst für die nächsten fünf Jahre – zum Klettern gesperrt werden. Bisher konnte an der Wand halbjährlich geklettert werden.“

    Deshalb wird eine Demonstration organisiert:

    Aufruf zur Demonstration
    Gegen die Vollsperrung der Badener Wand für den Klettersport
    Für verhältnismäßigen und zeitgemäßen Naturschutz
    Am 27.11. 2022
    Ab 11 Uhr am Leopoldsplatz, Baden-Baden
    Bringt Gurt und Seil – wir bilden eine Seilkette
    und natürlich Eure eigenen Transparente, Schilder und Ideen…

    Reist nach Möglichkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln an!
    Begrenzte Parkmöglichkeiten in Baden-Baden.

    Veranstalter: Arbeitskreis Klettern und Naturschutz Battert

  3. Ohne der Frage nach dem geringen Bruterfolg vorgreifen zu wollen, liegt dei Vermutung nahe, einen Zusammenhang zum Rückgang von Insekten durch Pflanzenschutzmittel und dem daraus folgenden Rückgang von Kleinvögeln als Haupnahrungsquelle der Wanderfalken herzustellen.
    Im Donautal war DDT damals Ursache für dünne Eierschalen bei Wanderfalken, trotzdem wurde mittels schwarzgemalter Gutachten, korrupter Landtagsabgeordneten, naturschutzromantiserenden Lehrern und grünen jetzt Bundestagsabgeordneten ein landesweites Kletterverbot durchgedrückt.
    Vor 10 Jahren sprach ich am Fels zufällig mit Vertretern des LBV, die sich deutlich für eine Öffnung und sinnvolle Kletterregelung aussprachen.
    Warum das – wahrscheinlich weil sich Klettern eben positiv auf die Natur auswirkt:
    Von Kletterern freigehaltene Zonen werden von Turmfalken als Jagdrevier genutzt und verhalten sich Kletterern gegenüber überhaupt nicht scheu.
    Bei höherer Populationsdichte durch ausreichend Nahrung würden sich Wanderfalken wahrscheinlich ähnlich verhalten.
    Ausgerechnet an Kletterelsen (Einstiegen) häuft sich das Vorkommen seltener Pflanzen (z.B. Österreichische Rauke), auch an Pfaden läßt sich eine deutliche Häufung verschieder Arten festellen.
    Bekannterweise siedeln sich nach Zerstörungen in der Natur oft (seltene) Pionierpflanzen an.
    Ohne genaue Zahlen zu kennen, nehme ich an, dass nicht nur die Zahl der Arten, sondern auch die absolute Zahl der Tiere (nicht nur auf Feldern und Städten, sondern auch im Wald) abnimmt. Wer also ausser dem Mensch (der natürlich nicht in dei Natur gehört) soll also für die zoochore Verbreitung von Pflanzen sorgem?
    Felsköpfe ohne Kletteraktivität verbuschen zunehmend, die Artenvielfalt vermindert sich.

    Gernerell läßt sich sagen, dass durch die von Kletterern hervorgerufenen Störungen zu einer Erhöhung der Artenvielfalt führen.
    Dies ist kein wishful thinking, sondern ergibt sich logisch-statistisch, wenn man bedenkt, dass Kletterer in einem großen bestehenden System kleinräumige Störungen, eine Änderung des vorherigen Status und damit eine Erhöhung der Vielfalt der Zustände hervorrufen.
    Und kamm mir jetzt keiner mit: wir wollen eine unberührte Natur zurück, der Mensch darf die Natur nicht stören bla bla
    Die Natur war immer Kulturlandschaft, der bedrohte Hutewald, Heckenlandschaft, Steinmauern, Karst.
    Es gibt kein zurück zum Urwald.

    In der Fränkischen gab es eine Untersuchung, vonach die Artenvielfalt in den letzten X?? Jahren zugenommen hat.

    Woran liegts also?
    Wird zuwenig geklettert – definitiv!
    Wird zuviel Weizen angebaut – wahrscheinlich nicht.
    Verdient Bayer zuviel am Pflanzenschutz – definitiv (es gibt andere Lösungen).
    Ist Landwirtschaft oberhalb von Schaufels/Dachstein (und Badener Wand?) dünger-/heribzidfrei – definitiv nicht.
    Verdient die einheische Bevölkerung mehr an Ausgleichszahlungen für Naturparks, als an naturverträglichem (inkl. Klettern) Tourismus – definitiv (jedenfalls Entscheidungsträger).

    Woran liegts also?
    Es liegt an uns, am System, an systemkritischen Arbeitgebern, Energieversorgern, BASF, MB, MAN, dem Druck , was ist, was war, was wir wollen, sollen, dürfen.

    Helau, Alaaf, Kille Kille Wau …

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