»Die Pfalz. Das Buch« | Eine Zeitreise durch das Klettern in der Pfalz

Mit »Die Pfalz. Das Buch« hat Alex Wenner ein lebendiges Stück Klettergeschichte veröffentlicht – inklusive persönlichen Beiträgen, hautnahen Bildern und spannenden Zeitzeugengesprächen. Eine kurzweilige Chronik über mehr als 150 Jahre Klettern in einer einzigartigen Region.

Ich stehe vor einer nahezu unmöglichen Aufgabe: über 100 Jahre Klettergeschichte, rund 8.000 Klettertouren auf eine geplante Buchdicke komprimieren zu wollen.

Alex Wenner, Autor

Das muss sich der Pfälzer Kletterer Alex Wenner selbst eingestehen, als er 2013 vor einer Sammlung an Fotografien, Auszügen aus Klettermagazinen und eigenen handschriftlichen Notizen sitzt. Zehn Jahre lang würde er damit beschäftigt sein, all diese Schnipsel zu sammeln, zu sortieren und mit eigenen Texten und Fotos zu ergänzen. Alles in Eigenregie und nur nebenher. »Meine Herzensangelegenheit«, sagt er.

2023 erscheint mit »Die Pfalz. Das Buch« schließlich das Ergebnis dieses Jahrzehnts – und eine Liebeserklärung an das Klettern am Buntsandstein der Pfalz. Auf 263 Seiten finden sich nicht nur Auszüge aus Gipfelbüchern,Bilder und Zeitzeugengespräche, sondern auch aktuelle Fotos und Interviews mit Persönlichkeiten der Gegenwart. Zu Wort kommen unter anderem Reinhard Karl und Eva Altmeier, Andreas Kubin, Tilmann Hepp, Heinz Illner und Julius Westphal.

Recherchearbeiten für »Die Pfalz. Das Buch« (Bild: Alex Wenner Archiv)

Eine Chronik so lebendig wie der Klettersport selbst

Wer bei dem mehr als 260 Seiten starken Buch dröge geschichtliche Abhandlungen erwartet, liegt falsch. Wenner versteht es, auch die historischen Anfänge des Pfalz-Kletterns detailreich zu beschreiben, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Dafür sorgt eine abwechslungsreiche Mischung aus persönlichen Texten und hunderten hochwertigen Fotografien, die die mehr als 150 Jahre Klettergeschichte der Region so lebendig machen wie es die Szene dort noch immer ist.

Die Struktur von »Die Pfalz. Das Buch« hangelt sich über acht Kapitel entlang prägender Felsen der Region. Dabei dient die Erzählung von Alex Wenner als roter Faden für die Reise durch die Zeit: von den visionären Anfänge des 19. Jahrhunderts, über die turbulente (und nicht unkontroverse) Geschichte des Kletterstils im 20. Jahrhundert und bis zur den wichtigsten Begehungen – eine Dokumentation, die weit bis ins 21. Jahrhundert hineinreicht.

Hunderte Fotografien sind Teil von »Die Pfalz. Das Buch« (Bilder: Alex Wenner Archiv/Panico Alpinverlag)

Ergänzt wird die Rahmenerzählung immer wieder durch Gastbeiträge, Interviews und Zitate von Zeitzeugen – darunter prägende Persönlichkeiten wie Hans Laub (†), der 1960 den berühmten »Jubiläumsriss« erstbeging, oder Fritz Güllich (†), der in der Pfalz seine Söhne Wolfgang und Fritz zum Klettersport brachte. Mit Kletterern wie Julius Westphal ergänzt das Buch auch Stimmen der jüngeren Generation.

Klettern in der Pfalz – authentisch erzählt

»Die Pfalz. Das Buch« ist eine Zeitreise, die zwar linear verläuft, aber die sich nicht festlegen muss. Das erlaubt es dem Autor, viele verschiedene Themen anzusprechen, die das Klettern in der Pfalz begleiten und es teilweise noch heute tun. Da ist zum Beispiel der »Pfälzer Hakenstreit« in den 1970er Jahren oder der Streit um das »Lügenpulver« Magnesia, das bis in die 1980er Jahre für (teilweise sogar rechtlichen) Zank vor Ort sorgte. Oder aber das Thema Naturschutz in der Pfalz, über dessen Anfänge Heinz Illner berichten kann.

Ich möchte über das Klettern in der Pfalz berichten, andere zu Wort kommen lassen in ihren Texten und in Interviews. (…) Ich möchte Betrachter sein, aber auch mein persönliches Extrakt liefern.

Alex Wenner, Autor

(Bilder: Alex Wenner Archiv/Panico Alpinverlag)

Auf einen Blick

Wer auf der Suche nach einem detail- und facettenreichen, aber gleichzeitig kurzweiligen Exkurs in die Geschichte der Pfälzer Kletterei ist, dem ist »Die Pfalz. Das Buch« wärmstens zu empfehlen. Nicht nur, weil das Buch die wichtigsten Meilensteine von mehr als 150 Jahren Klettergeschichte kompakt abbildet, sondern weil es eine persönliche Retrospektive von den Menschen zulässt, die damals dabei waren.

In Alex Wenners Buch kommt auch ein Kletterer vor, der in der Pfalz zum Sport kam und später Bekanntheit weit über ihre Grenzen hinaus erreichte: Wolfgang Güllich. Auch der wusste schon 1975: Dieser Ort ist für Kletterer etwas ganz Besonderes. »Die Abgeschiedenheit der Pfalz formt eine eigenwillige, introvertierte Lebenseinstellung«, urteilte Güllich damals. »Das Klettern wird zum Ausdruck großer Lebensfreude.«

  • Titel: »Die Pfalz. Das Buch. Palatinum« (2023), 263 Seiten
  • Autor: Alex Wenner
  • Verlag: Panico Alpinverlag GmbH
  • ISBN: 978-3-95611-181-5
  • Preis im Handel: 44,80 €

»Die Pfalz. Das Buch. Palatinum« (2023) ist im Handel erhältlich (Bilder: Panico Alpinverlag)

Über den Autor: Alex Wenner

Alex Wenner kam 1978 als Kind in der Pfalz erstmals mit dem Klettern in Berührung. Die ersten seiner (bis heute tausenden) Klettermeter legte er damals noch im selbstgenähten Sitzgurt seines Vaters zurück. In den folgenden Jahren erlebte Wenner prägende Umbrüche im Sport: Während im Frankenjura das Rotpunktklettern entstand, besann man sich in der Pfalz zugleich zurück auf die Wurzeln des Freikletterns, die dort deutlich weiter zurückreichen als viele vermuten.

Frei sein bedeutet Freiklettern – das war uns damals schon klar.

Alex Wenner in »Die Pfalz. Das Buch« (S. 14)

Seitdem hat Alex Wenner die Entwicklung des Kletterns in der Pfalz begleitet – mal selbst am »scharfen Ende«, mal als Beobachter. Seine Expertise für die Region brachte er bereits in zwei Boulderführer. »Die Pfalz. Das Buch« ist Wenners dokumentarisches Lebenswerk und das Ergebnis von zehn Jahren Recherchearbeit. Heute lebt der studierte Chemiker in der Kurpfalz und ist nach Feierabend immer noch am heimischen Fels anzutreffen.

Autor Alex Wenner damals und heute (Bilder: Alex Wenner Archiv)

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Credits Titelbild: Alex Wenner/Panico Alpinverlag

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