Dem Franzosen Seb Bouin gelingt die Rotpunktbegehung der Route Iron Curtain in Flatanger, erstbegangen durch Adam Ondra im Jahr 2013. Seb Bouin berichtet.

Ein Bericht von Seb Bouin

Im Jahr 2013 habe ich Adam Ondra eine E-Mail geschickt und ihn gefragt, ob er in diesem Sommer nach Flatanger gehen wird. Ich war auf der Suche nach einem Kletterpartner. Ich erwartete keine Antwort, wir kannten uns noch nicht.

Am nächsten Tag hatte ich eine Antwort und einen Terminvorschlag, an dem ich vom Flughafen Trondheim abgeholt werden sollte. Ich buchte meine Tickets und begleitete Adam und Erick Grandelius während eines ganzen Monats in dieser wunderschönen Gegend.

«Es war so aufregend, ein neuer schöner Ort, ein neues Gebiet und der stärkste Kletterer der Welt, der dir die Perlen des Gebiets zeigte.»

Seb Bouin über die Zeit in Flatanger mit Adam Ondra

Direkt als wir ankamen, stürzte sich Adam Ondra in sein Projekt namens Iron Curtain. Die Linie sah unglaublich schwierig und schön aus. Es war die erste Route, die er während des Trips gepunktet hat und ich hatte die Gelegenheit, ihn bei der Erstbegehung zu sichern. Und das war echt beeindruckend. Er machte einen abgefahrenen Gaston-Move in der Schlüsselstelle – verrückt.

Seb Bouin bei der Begehung von Move (9b/+) in Flatanger. (Bild Raphael Fourau)
Seb Bouin bei der Begehung von Move (9b/+) in Flatanger. (Bild Raphael Fourau)

Wendepunkt in Kletterkarriere

Diese Zeit mit den beiden Jungs zu verbringen war sehr inspirierend. Es war ein Wendepunkt in meiner Kletterkarriere. Sie haben mir die Augen in Bezug auf das Klettern auf auf höchstem Niveau geöffnet.
Ich habe so viel gelernt, als ich sah, wie sie sich beim Klettern bewegten. Es war einfach anders. Danke Jungs für diese Erinnerungen.

«Ich habe so viel gelernt, als ich sah, wie sie sich beim Klettern bewegten. Es war einfach anders. Danke Jungs für diese Erinnerungen.»

Seb Bouin

Dieses Jahr habe ich mich entschieden, ohne feste Ziele nach Flatanger zurückzukehren.
Ich möchte offen bleiben und schauen, was mich inspiriert. Also fing ich mit der Route Iron Curtain an. Der Fels ist so perfekt und die Linie ist so cool. Für die Begehung habe ich 14 Versuche verteilt auf 5 Klettertage benötigt.

Bei der Begehung von Iron Curtain habe ich Kneepads verwendet und ich denke, die Route ist einfacher mit Kneepads. Die Schlüsselstelle kann anders geklettert werden. Sie ist zwar immer noch ziemlich schwierig, aber weniger anstrengend für Schultern – eher wie ein klassisches Boulderproblem.

2019 stieg Seb Bouin in die 9c-Route Silence ein, um die Züge auszuchecken. (Bild Henning Wang)
2019 stieg Seb Bouin in die 9c-Route Silence ein, um die Züge auszuchecken. (Bild Henning Wang)

Adam Ondra schlug als Bewertung für Iron Curtain 9b vor, wobei er die Route ohne Kneepads geklettert ist. Wenn die Route ohne Kneepads geklettert wird, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass 9b als Schwierigkeitsgrad passt. In Anbetracht der Zeit und der Anzahl Versuche, die ich für die Rotpunktbegehung mit Kneepads benötigt habe, wird der Grad eher bei 9a+ Linie. Klar ist: Die Linie ist aussergewöhnlich.

Als nächstes werde ich hier in Flatanger anspruchsvollere Herausforderungen suchen. Ob ich für ein richtig grosses Projekt schon bereit bin, bei dem ich langfristig dranbleiben muss, weiss ich noch nicht. Die Route DNA hat mich ziemlich beansprucht. Ich brauche wahrscheinlich noch etwas Zeit für «the next big one». Mal sehen, wohin mich mein Herz trägt.


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Titelbild Marco Müller

Bach