Dimitri Vogt erschließt und klettert »Isengard« 9a

Der Schweizer Kletterer und Herr der Ringe Fan Dimitri Vogt hat im Berner Oberland eine neue Route erschlossen. »Isengard« nennt er die 50 Meter lange Linie an der Isenfluh, die fast kontinuierlich überhängend ist. Nachdem er sie selbst geklettert ist, schlägt er den Grad 9a vor. 

Die Eiserne Festung im Berner Oberland

Isengard ist 50m lang, etwa 30m davon sind kontinuierlich überhängend. So eine lange und überhängende Route ist schon etwas Spezielles in der Region und erinnert eher an Kletterrouten in Spanien. Vogt entdeckte die Route im letzten Sommer, nachdem Freunde ihn darauf aufmerksam machten, dass es an der Isenfluh noch Potential für schwere Touren geben könnte.

Da ich in der Region bereits viele der schwierigen Routen geklettert habe, bin ich immer interessiert an neuen Möglichkeiten.

Dimitri Vogt
Dimitri Vogt klettert »Isengard« und schlägt eine 9a für seine neue Linie vor | Bild: John Thornton

Als er »Isengard« entdeckt hatte, verbrachte Vogt nach eigenen Angaben gute fünf bis zehn Tage damit, die Wand hoch zu kommen, die Linie zu suchen, den Felsen zu putzen und passende Stellen für Bohrhaken zu finden. Für den 28-Jährigen Berner war es eine spannende Herausforderung eine Route mal »nicht nur zu wiederholen, sondern sie zu entdecken und einzurichten« schreibt er uns. Er hatte vorher wohl ein oder zwei mal einen Haken gesetzt, aber noch keine komplette Linie selbst eingebohrt. Zehn Tage verbrachte er damit, die Route zu erschließen und einzubohren, danach dauerte es weitere zehn Tage bis er sie an einem regnerischen Septembertag sauber durchsteigen konnte. 

Bild: John Thornton
Bild: John Thornton

Zwischen Isenfluh und Flatanger

Der Stil der Linie erinnert das ehemalige Mitglied des Schweizer Nationalteams an das Klettern im norwegischen Flatanger. Es ist steil und physisch, dafür sind die Griffe nicht ganz so klein. Durch die Felsstrukturen ist es möglich an einigen Orten Knieklemmer zu setzen, ohne die »Isengard« erheblich schwerer wäre. Spoiler: In der Crux geht es darum, einen schwierigen Hook zu platzieren, die Spannung auf den Füssen aufrecht zu halten, um mit den Händen genügend Druck auf die schlechten Sloper zu bringen und einen weiten Zug auf eine Leiste zu machen. 

Ich denke das Gesamtpaket von schwierigen Abschnitten mit schlechten bis mittelguten Rests dazwischen, auf so eine Länge macht für mich die Schwierigkeit aus.

-Dimitri Vogt
Dimi Vogt klettert in »Isengard« | Bild: John Thornton
Dimitri Vogt klettert in »Isengard« | Bild: John Thornton

Auch mental ist die Route anspruchsvoll, sagt Vogt. Als »Ausstiegsgeschenk« wartet am Ende der Linie nämlich noch eine 8a+, nach allen schwierigen vorangegangen Stellen und der Crux. »In diesem Teil sollte man lieber nicht zu fest daran denken, wie nah man dem Ziel ist, sondern sich aufs Klettern fokussieren und trotz angepumpten Armen möglichst gechillt und im Flow bleiben.« gibt Dimitri uns als Tipp mit. 

Als Erstbegeher ist es auch immer schwierig, den Schwierigkeitsgrad abzuschätzen. Ich denke, die Route ist ungefähr 9a. Lasse mich aber auch gerne von Widerholer:innen korrigieren. 

-Dimitri Vogt

Das könnte dich interessieren:

+++
Credits: Titelbild John Thornton

Aktuell

Gold für Israel und Frankreich beim letzten Boulder-Weltcup der Saison in Salt Lake City

Beim Boulder-Weltcup in Salt Lake City holte Newcomer Yonatan Katz in seinem ersten Finale überraschend Gold für Team Israel. Bei den Damen gewann Oriane Bertone endlich ihren ersten Weltcup der Saison. Alle Ergebnisse vom Wochenende sowie das finale Gesamtranking im Überblick.

Alpenverein zieht Bilanz: Hüttensommer erneut im Plus

Die Hütten des Österreichischen Alpenvereins steuern nach dem Rekordjahr 2025 auf ein weiteres Nächtigungsplus zu. Die Bilanz zum Hüttensommer 2026 zeigt aber auch: Trockenheit, Stornierungen und No-Shows bleiben Baustellen.

9c – Das sind die härtesten Sportkletterlinien der Welt

Der Schwierigkeitsgrad 9c (5.15d) steht im Sportklettern für die absolute Spitze menschlicher Leistungsfähigkeit am Fels. Weltweit gibt es nur fünf Routen, denen dieser Grad aktuell zugeschrieben wird – mit »DNA« hat Jakob Schubert vergangene Woche die erste davon wiederholt. Wer is eigentlich aktuell im Club der 9c-Kletterer und wer versucht sich einen Platz in dieser elitären Gruppe zu sichern?

Gotthardpass: Mei Kotake bouldert als zehnte Frau 8C

Die 29-Jährige ist die zweite Japanerin, der ein Boulderproblem in diesem Schwierigkeitsgrad gelungen ist. Wer sind eigentlich die anderen Frauen im 8C-Club?

Gold für Israel und Frankreich beim letzten Boulder-Weltcup der Saison in Salt Lake City

Beim Boulder-Weltcup in Salt Lake City holte Newcomer Yonatan Katz in seinem ersten Finale überraschend Gold für Team Israel. Bei den Damen gewann Oriane Bertone endlich ihren ersten Weltcup der Saison. Alle Ergebnisse vom Wochenende sowie das finale Gesamtranking im Überblick.

Alpenverein zieht Bilanz: Hüttensommer erneut im Plus

Die Hütten des Österreichischen Alpenvereins steuern nach dem Rekordjahr 2025 auf ein weiteres Nächtigungsplus zu. Die Bilanz zum Hüttensommer 2026 zeigt aber auch: Trockenheit, Stornierungen und No-Shows bleiben Baustellen.

9c – Das sind die härtesten Sportkletterlinien der Welt

Der Schwierigkeitsgrad 9c (5.15d) steht im Sportklettern für die absolute Spitze menschlicher Leistungsfähigkeit am Fels. Weltweit gibt es nur fünf Routen, denen dieser Grad aktuell zugeschrieben wird – mit »DNA« hat Jakob Schubert vergangene Woche die erste davon wiederholt. Wer is eigentlich aktuell im Club der 9c-Kletterer und wer versucht sich einen Platz in dieser elitären Gruppe zu sichern?

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein