Heute, 4. August 2021, findet die Olympia-Qualifikationsrunde der Frauen in den Sportkletterdisziplinen Speed, Bouldern und Lead statt. Wir fassen laufend zusammen und zeigen die Resultate.

UPDATE 16.30 Uhr

Lead – Resultat/Zusammenfassung: Seo vor Pilz und Nonaka – Klingler ausgeschieden

Die erst 17-jährige Koreanerin Chaehyun Seo schafft es in der Leadroute am höchsten (Griff 40) und sichert sich Platz 1. Damit ist sie für den Final am Freitag qualifiziert. Auf Platz 2 kletterte souverän die Österreicherin Jessica Pilz (Griff 33). Sie behielt damit starke Nerven. Im Wissen, dass ihre Gesamtwertung durch den Score von 99 aus Speed und Boulder mit einer zu tiefen Lead-Platzierung sofort in die Höhe schnellen würde, startete sie konzentriert und dennoch effizient in die Leadroute. Sie fiel erst im letzten Routenabschnitt.

Das ist die Rangliste des Leadwettbewerbs:

Klingler unter den Erwartungen, Garnbret aber auch

Eine ähnliche Ausgangslage hatte die Schweizerin Petra Klingler (Score 100). Doch anders als Pilz, startete Klingler nervös und brauchte im ersten Abschnitt zu viel Kraft. So clippte sie einmal aus ungünstiger Position, fand danach nicht die ideale Beta mit weit ausgefahrenem Bein und fiel kurz vor der Mittelsektion ins Seil. Ihre Reaktion machte sofort deutlich, dass das nicht nach Plan gelaufen war. Man hatte auch den Eindruck, dass Klingler noch mehr Power im Tank gehabt hätte, die sie aber nicht mehr an die Wand bringen konnte.

Janja Garnbret konnte ihre eindrückliche Pace vom Boulderwettbewerb (alles geflasht) nicht aufrecht erhalten. Zwar startete sie vielversprechend, fand dann aber am Übergang zum letzten Routenabschnitt keine ideale Lösung. Man konnte förmlich mitfühlen, wie der Pump Überhand nahm, ohne dass sie von Griff Nummer 30 wegkam – entsprechend unzufrieden wirkte sie danach am Boden, schaute noch lange die Wand hoch und schien sich zu fragen: “Was hab ich da nur gemacht?”

Dennoch reichte es für Platz 4 im Leadwettbewerb, für den Final qualifiziert war sie ohnehin schon (sie hätte im Lead nicht einmal mehr antreten müssen). Ihr Leadversuch erinnerte etwas an jenen von Tomoa Narasaki gestern: ein vom Qualidruck befreiter Schaulauf sollte es werden – aber nix da!

Dank Speed: Miroslav im Final, Rogora draussen

Auch wenn es kein einziges Top gab, so schien der Plan der Routenbauer ganz gut aufzugehen. Die Route war selektiv und warf die Aspirantinnen in den meisten Fällen dort ab, wo es aufgrund der jeweiligen Vorlieben zu erwarten war. So blieben die Speedspezialistinnen meist früh auf der Strecke, die Polin Aleksandra Miroslav etwa: sie setzte sich bei Griff 12 mit einem Anflug von Sturzangst freiwillig ins Seil. Dennoch ist sie die grosse Überraschung des Tages – denn für die Endrunde am Freitag qualifizierte sie sich trotzdem. Platz 1 im Speed sei Dank.

Hingegen schaffte es leider die Frohnatur des Tages, Shauna Coxsey, nicht in die Endrunde (Schlussrang 10). Auch Laura Rogora konnte das Ruder nicht mehr herumreissen. Sie schaffte es nicht, ihre Hypothek im Speed (Platz 19) auszumerzen. So muss man in diesem kombinierten Format leider festhalten: bei den einen bedeutet Speed eine kaum zu korrigierende Bürde, während die anderen nur dank Speed im Final landen. Zum Glück wird dieses Format in Tokio zum ersten und letzten Mal ausgetragen – schon 2024 in Paris wird Speed eine eigene Medaille haben.

Das ist die Schlussrangliste des Qualifikationstages der Frauen (die Top 8 sind für die Endrunde am Freitag qualifiziert):

Bouldern – Resultat/Zusammenfassung: Garnbret mit Machtdemonstration, Klingler auf Rang 10, Pilz auf Rang 9

“4T4z 4 4” – diese Zeichenabfolge muss der Traum jedes Wettkampfathleten sein, sie bedeutet: Vier Tops und vier Zonen in vier Versuchen. Oder in anderen Worten: alle vier Boulderprobleme wurden geflasht. Genau so hat es die Slowenin Janja Garnbret heute wieder einmal demonstriert, nachdem sie die Bühne als Letzte betrat. Bis dahin war der Wettkampf ausgeglichen, die Routenbauer schienen adäquate Probleme gesetzt zu haben. So gab es bis dahin keine Athletin, die alle Probleme toppte, ebenso gab es keinen Boulder, bei welchem alle chancenlos gewesen wären. Brooke Rabatou führte lange Zeit, gefolgt von Akyo Noguchi.

Als Janja Garnbret loslegte, rollte sie das Feld sprichwörtlich von hinten auf. Man konnte meinen, eine eigenartige Gravitationsanomalie machte sich breit, jetzt da nur noch Garnbret mehr oder weniger allein in der japanischen Nacht ihre Hausaufgaben löste. Sie spazierte die Boulderprobleme hoch, als wären es Leitern. Das dürfte den Routenbauern für den Final zu denken geben – wie schraubt man eine Knacknuss für Garnbret, welche die restliche Konkurrenz nicht heillos überfordert?

Gut gelaunte Coxsey, ernste Rogora

Eine starke und erfrischende Leistung zeigte Shauna Coxsey. Ihren Rücktritt vom Wettkampfklettern hat sie auf nach den Spielen bereits festgesetzt, scheint jetzt jede Minute zu geniessen und ist auf Finalkurs (Zwischenrang 8). Es gab kaum einen Moment, in welchem sie nicht lachte, die Britin hatte offensichtlich Spass.

Das sah bei der Italienerin Laura Rogora anders aus. Nachdem sie ihr erstes Top erst im dritten Boulderproblem holte (da aber gleich flash!), wirkte sie eher wütend als erleichtert. Ganz offensichtlich lief es nicht nach ihrem Gusto, nachdem sie sich mit Platz 19 im Speedwettkampf eine ungünstige Ausgangslage geschafft hatte. Aktuell liegt sie auf dem 17. Zwischenrang und braucht im Lead eine gute Leistung, um die Finalchancen zu wahren.

Die Österreicherin Jessica Pilz und die Schweizerin Petra Klingler liegen praktisch gleichauf, sie besetzen die Zwischenränge 15 und 16 mit nur einem Score-Punkt Unterschied. Mit starken Leistungen im Lead liegt für beide die Finalqualifikation (Top 8) noch drin.

Ist Speed zu hoch gewichtet?

Auf Zwischenrang 2 liegt aktuell die Polin Aleksandra Miroslaw, die im Speedwettkampf beinahe den Weltrekord der Frauen egalisierte (es fehlte eine Hundertstelsekunde). Im nachfolgenden Boulderwettkampf bemühte sie sich nach Kräften, schaffte aber keine einzige Zone und wurde Letzte. Dass sie dennoch auf dem zweiten Zwischenrang liegt, hat mit der Kombinationswertung zu tun, wo die Einzelränge jeder Disziplin multipliziert werden (also 1 x 20 = Score 20).

Zum Vergleich: Janja Garnbret, welche im Speed immerhin eine mittelmässige Leistung zeigte, kommt auf einen Score von 14. Das Schlussresultat steht natürlich erst nach dem Lead-Wettkampf fest, dennoch kann man festhalten: vermutlich ist es für alle Athleten und Athletinnen sinnvoller, dass 2024 in Paris Speed als Einzeldisziplin ausgetragen wird.

Das ist die Rangliste des Boulderwettbewerbs (Qualifikation Frauen):

Speedklettern – Resultat/Zusammenfassung: Aleksandra Miroslaw gewinnt, Petra Klingler stellt neuen Schweizer Speedrekord auf

Gewonnen hat den ersten Durchgang der Qualifikationsrunde im Speedklettern die 27-jährige Aleksandra Miroslaw (Rang 1). Zweimal hat sie eine persönliche Bestzeit aufgestellt und den aktuellen Speedweltrekord von Iuliia Kaplina um lediglich 0.01 Sekunden verpasst. Iuliia Kaplina ihrerseits setzte zu einem neuen Weltrekord an – so hatte man aufgrund des Tempos das Gefühl – rutschte aber beim allerletzten Sprung zum Messblock aus und fiel aus der Route raus. Sie belegt den 5. Zwischenrang.

Miho Nonaka (Rang 4) scheint in bester Form zu sein und auch sie konnte in der Qualifikation mit 7.55 Sekunden eine neue persönliche Bestzeit aufstellen. Die Schweizerin Petra Klingler stellte mit 8.42 Sekunden einen neuen Schweizer Speedrekord auf und belegte den 10. Rang in der Disziplin Speed.

Rangliste Qualifikation Speedklettern

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Credits: Titelbild Daniel Gajda/IFSC