Finger tapen – 3 gängige Taping-Methoden

Muskeln passen sich schneller an Belastungen an als Sehnen, Bänder und Kapseln. Sollten diese verletzt sein, machen sie uns das Klettern ganz schön schwer. Gerade Verletzungen am Finger sind beim Klettern leider keine Seltenheit. Wir zeigen euch ein paar gängige Taping-Methoden für die häufigsten Verletzungen beim Klettern und Bouldern. 

Tape hat in etwa die selbe Funktion wie eine Krücke. Es nimmt einen Teil der Last ab, den sonst unsere Ringbänder, Kapseln oder Gelenke tragen müssen und unterstützt so Schwachstellen im Körper. Deshalb sollte man auch nicht prophylaktisch oder durchgehend Tapen. Gewöhnen sich unsere Gelenke an die Unterstützung, werden sie nämlich schwächer. 

1. Endgelenk Tapen

  • Wickle hierfür das Tape ein- bis zweimal mit sanftem Druck unter dem Gelenk um deinen Finger.
  • Effektiv bei leichtem Zug oder zur Prävention.

2. 8er-Tape (Figure-8)

Schmerzen im Fingermittelgelenk können auf Kapselzerrungen oder Kapselentzündungen hinweisen. Wenn die Gelenkkapsel überlastet ist hilft, die 8er Methode dabei, das Gelenk zu stabilisieren und zu entlasten. Auch bei instabilen oder hypermobilen Fingern bietet es eine äußere Stütze und kann verhindern, dass das Gelenk in eine ungünstige Position rutscht. Nach einer zurückliegenden Kapselverletzung schützt Tape das betroffene Gelenk in der Reha-Phase und vermittelt mehr Kontrolle beim Wiedereinstieg ins Training. 

Das 8er-Tape wird also verwendet um zu verhindern dass sich der Finger zu weit überdehnt und stabilisiert sowohl das Gelenk als auch das Ringband gegen seitliche Belastungen.

  • Halte deinen Finger leicht gebeugt, etwa 30 Grad im mittleren Gelenk.
  • Setze das Tape so nah wie möglich an der Handfläche an und wickle es einmal um das Grundglied des Fingers. 
  • Kreuze nun von der Handinnenseite über das Mittelgelenk, wickele das Tape um das mittlere Fingerglied.
  • Kreuze auf der Innenseite zurück nach unten.
  • Umwickle nun noch einmal das Grundglied und fertig.
Dr. Volker Schöffel erklärt die 8er Methode (Englisch)

3. H-Tape

Ringbandverletzungen sind die häufigsten Verletzungen von Kletternden. Beim Klettern wirken enorme Kräfte auf unsere Finger. Eine zentrale Rolle beim Umgang mit diesen spielen die Ringbänder. Sie halten die Beugesehnen eng am Knochen und verhindern, dass diese beim Greifen »abspringen«.

Jeder Finger besitzt 5 dieser Bänder, A1-A5. Werden sie überlastet, zum Beispiel durch crimpen an kleinen Leisten gepaart mit dynamischen Zügen, kann es zu Zerrungen oder gar Rissen kommen.

Ringbänder Bild: Adobe Stock
Ringbänder A1-A5 Bild: Adobe Stock

Die H-Tape Methode entlastet und unterstützt das Band:

  • Du brauchst einen kleinen Streifen Tape, den du von beiden Enden her mittig einreißt bis noch ca. ein Finger breit Tape erhalten bleibt. 
  • Klebe den Streifen mit dem nicht eingerissenen Teil von innen auf das Fingermittelgelenk und lege dann die Laschen um deinen Finger.
Dr. Volker Schöffl erklärt die H-Tape Methode

Wann solltest du tapen?

  • Bei leichter Überlastung oder ersten Schmerzen
  • Zur Prophylaxe in sehr langen Sessions oder bei Crux-Zügen mit hoher Fingerbelastung
  • Nach abgeklungener Verletzung in der Wiedereinstiegsphase

Was bringt Tapen nicht?

Tape ersetzt keine Heilung! Bei Verletzungen ist Ruhe angesagt und wer glaubt, man könne mit Tape einfach „drüberbouldern“, riskiert eine längere Kletterpause. 

Außerdem schützt Tape nicht automatisch vor Überlastung – es ist ein Hilfsmittel, kein Wundermittel. Hör auf deinen Körper. Schmerz ist kein Trainingsreiz. Sollten eure Schmerzen länger anhalten gilt: Nicht mehr Tapen, sondern einen Profi konsultieren.

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Credits Titelbild: Adobe Stock

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1 Kommentar

  1. Genial, vielen Dank für den tollen Artikel.
    Konnte damit meine Schmerzen im Fingergelenk deutlich reduzieren.

    Gebt dem Schreiberling mal nen dicken Schmatzer von mir.

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