»Born Ready« | Simon Gietl & Constantin Schwaab etablieren neue Route in den Dolomiten

Der Südtiroler Alpinist Simon Gietl sorgt regelmäßig für neue Routen im Alpenraum. Für seine Erstbegehung von »Born Ready« (9, 115 m) an der Hinteren Geierwand holte er Constantin Schwaab als Verstärkung.

Die Dolomiten haben eine weitere Gietl-Neutour verpasst bekommen: Am 23. und 25. Mai beging der Südtiroler gemeinsam mit dem Deutschen Constantin Schwaab die neue Linie »Born Ready« (9, 8 obl.). Die 115 Meter lange Route verläuft an dem noch wenig erschlossenen, zentralen Teil der Hinteren Geierwand. Dort hatte Gietl vor einem Jahr mit Jakob Steinkasserer eine weitere Linie etabliert: »FOMO« (9-).

Neutour vor traumhaften Dolomiten-Panorama

Die Hintere Geierwand ist ein ganz besonderer Ort für Simon Gietl, der in den Dolomiten regelmäßig Erstbegehungen vorlegt. Auch »Born Ready« stand schon seit der Erstbegehung von »FOMO« auf seiner To-Do-Liste.

»Letztes Jahr ist mir der markante Pfeiler schon aufgefallen«, sagt Gietl. »Als ich mir dann auf den Bildern genauer angeschaut habe, wusste ich: Da könnte noch eine schöne Linie traditionell möglich sein.« Als er Constantin Schwaab das Bild gezeigt habe, war dieser sofort dabei.

Die Stille, das Panorama und der ästhetische Pfeiler machen diesen Ort so speziell.

Simon Gietl

Traditionell trifft es gut: »Born Ready« ist eine Route ganz im Stil der Erstbegeher und der Kletterphilosophie der Dolomiten. Das bedeutet: keine Bohrhaken, dafür abwechslungsreiche, überhängende Kletterei an Leisten, Löchern und Rissen. Gesamtlänge: 115 Meter.

Gietl und Schwaab ließen bei ihrer Erstbegehung 14 Normalhaken und drei Pecker in der Wand. Wenige Tage später, am 27. Mai, kletterte Gietl die Tour Rotpunkt und wurde dabei von Mario Kaeppeli gesichert. Künftigen Wiederholern empfehlen die Erstbegeher neben der üblichen Ausrüstung zwei Sätze Cams.

Simon Gietl & Constantin Schwaab bei der Erstbegehung von »Born Ready« | Bilder: Simon Gietl

Über die Route

Die Schwierigkeit der fünf Seillangen starken Route »Born Ready« bewerteten die Erstbegeher mit 9. Die erste Seillänge sei zwar »nur« im achten Grad, aber die Schlüsselstelle sei rund acht Meter über dem Boden. »Man kann diese erste Crux nicht absichern, sondern erst danach einen guten Totem legen – bis dorthin ist stürzen nicht erlaubt«, sagt Gietl.

Danach wird die Route etwas schwieriger, das Sturzgelände sei aber deutlich besser. Bis auf die letzte Seillänge ist jeder Abschnitt der Linie überhängend. »Unterschätzen sollte man diese anspruchsvolle Alpintour nicht – auch wenn sie sehr schön ist«, so Gietl. Wiederholerinnen und Wiederholer sollten sich also im achten Grad sicher fühlen.

  • Erstbegehung: Simon Gietl & Constantin Schwaab, 23. & 25. Mai 2026
  • Rotpunktbegehung: Simon Gietl, 27. Mai 2026
  • Länge: 115 Meter, 5 Seillängen
  • Schwierigkeit: 8, 8+/9-, 8+, 9, 7-
  • Absicherung: 14 Normalhaken und 3 Pecker (keine Bohrhaken!)
  • Ausrüstung: zwei Sätze Cams (neben dem üblichen Equipment)
  • Zustieg: etwa 1:15 h von der Geierwand über die rechte Rinne zum Einstieg
  • Abstieg: Abseilen über die Route oder nach links die Runde zum Einstieg gehen
»Born Ready« (9, 8 obl.) im Überblick | Bild: Simon Gietl

Simon Gietl und die Suche nach der nächsten Kingline

Mit »Born Ready« hinterlässt Simon Gietl der Kletterwelt erneut eine hochwertige alpine Route – die absolute Leidenschaft des Südtirolers. »Ich bin immer auf der Suche nach neuen Linien«, schreibt Gietl auf Instagram. »Ehe man sich versieht, findet man eine echte Perle – so wie dieses Mal auch.«

Gietl erweitert nicht nur regelmäßig die Routenauswahl in den Dolomiten, sondern auch und Grenzen des Klettersports in der Region. Im Winter 2020 gelang ihm die erste Winter-Solo-Überschreitung der Drei Zinnen, 2021 realisierte er die erste Winter-Solo-Begehung des Mittelpfeilers am Heiligkreuzkofel (Mariacher-Variante). Im Jahr darauf überschritt er im Alleingang alle Hauptgipfel der Rosengarten-Skyline, 2023 folgte die Solo-Traverse der Geislerspitzen.

Erstbegeher Simon Gietl (links) und Constantin Schwaab (rechts) | Bild: Simon Gietl

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Credits Titelbild: Simon Gietl

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