Der polnische Alpinist Bartek Ziemski hat als Erster der Saison den Gipfel des Lhotse erreicht – ohne zusätzlichen Sauerstoff, Fixseile und Unterstützung. Im typischen Ziemski-Stil fuhr er danach auf Skiern zurück ins Basislager.
Weiterer Achttausender-Erfolg für Ziemski
Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass Bartek Ziemski einen der höchsten Gipfel der Welt auf seine ganz eigene Weise angeht: rauf ohne zusätzlichen Sauerstoff oder Unterstützung durch Sherpas, runter auf Skiern. Am Lhotse (8.516 m), dem vierthöchsten Berg der Erde, gelang dem 31-Jährigen jetzt sein achter von 14 Achttausendern in diesem Stil.
Ziemskis Begehung ist gleichzeitig der erste Gipfelerfolg in der Frühjahrssaison am Lhotse, einem der direkten Nachbarn des Mount Everest. Beide Berge teilen sich eine Normalroute bis zum vierten Camp. Nach einem Everest-Summit besteht die Möglichkeit, über den Südsattel zum Nachbargipfel zu gelangen.
Der Lhotse gilt als mit seiner zerklüfteten Steilwand als einer der gefährlicheren Achttausender – auch aufgrund häufiger Eisfälle und Lawinen. Ein besonders riskanter Teil der Route führt durch den Khumbu-Eisbruch, der bis vor kurzem nicht passierbar war. Medienberichten zufolge unterstützte Ziemski in den vergangenen Wochen die sogenannten »Icefall Doctors« bei der Erschließung der Route.
Sauberer Stil im Vordergrund
Bartek Ziemski selbst hat keinen eigenen Social-Media-Auftritt. Stattdessen hatte der polnische Bergsteigerverband Ende April bekanntgegeben, dass Ziemski während der Frühjahrssaison im Himalaya unterwegs sei: »Sein Ziel dieses Mal ist der Lhotse.« Er hatte sich dafür unter anderem am Mera Peak akklimatisiert.
Ein nepalesischer Expeditionsveranstalter veröffentlichte vor wenigen Tagen ein Video, das Bartek Ziemski bei der Abfahrt zum Basislager von Lhotse und Everest zeigen soll. Am 13. Mai bestätigte der polnische Verband die Begehung: Ziemski sei durchgehend vom Gipfel abgefahren, musste aber »leider« eine Leiter nutzen, um einen Eisfall zu bewältigen.
Bei seinen Versuchen lehnt der Pole Hilfsmittel wie Fixseile, Zusatzsauerstoff oder Sherpa-Unterstützung strikt ab. Auch die Skiern schnallt er nur dann ab, wenn es nicht anders geht: so wie 2025 am Manaslu (8.163 m), als ihn ein Eisfalls kurzzeitig zu Fuß zwang. Anerkennung für seinen sauberen Stil bekommt Ziemski von seinem eigenen Landesverband.
Bartek Ziemskis Ansatz erfordert nicht nur exzellente körperliche Fitness, sondern auch umfangreiche Erfahrung, Unabhängigkeit und Verantwortung bei der Entscheidungsprozessen unter extremen Bedingungen.
Polnischer Bergsteigerverband
Sechs Achttausender fehlen noch
In den vergangenen Jahren stand Bartek Ziemski auf acht der höchsten Gipfel der Welt. Am Dhaulagiri I (8.167 m) und Kangchendzönga (8.586 m) gelangen dem Polen dabei jeweils Erstbefahrungen mit Ski. Alle 14 Achttausender liegen im Himalaya- oder Karakorum-Gebirge.
Ziemskis Achttausender-Begehungen
(Aufstieg ohne Zusatzsauerstoff, Abfahrt auf Skiern)
- 2022: Broad Peak (8.051)
- 2022: Gasherbrum II (8.035 m)
- 2023: Annapurna I (8.091 m)
- 2023: Dhaulagiri I (8.167 m) – erste Ski-Abfahrt
- 2024: Makalu (8.485 m)
- 2024: Kangchendzönga (8.586 m) – erste Ski-Abfahrt
- 2025: Manaslu (8.163 m)
- 2026: Lhotse (8.516 m)
Derzeit fehlen Bartek Ziemski noch sechs Achttausender, um seine Liste zu vervollständigen. Dazu zählen auch die beiden höchsten, Mount Everest (8.848 m) und K2 (8.611 m), der als schwierigster der 14 gilt.
Auch sie stehen noch aus: Cho Oyu (8.188 m), Nanga Parbat (8.125 m), Gasherbrum I (8.080 m) und der kleinste Achttausender, der Shishapangma (8.027 m).
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Credits Titelbild: Polski Związek Alpinizmu / Polski Himalaizm Sportowy

