Höhenrausch statt Hitzewelle: An diesen sommertauglichen alpinen Boulderspots kommst du auch im August nicht ins Schwitzen.
Wer im Hochsommer einen Boulderurlaub plant, sollte sein Gebiet weise wählen. Dabei gilt oft: je höher gelegen, desto besser. Wir stellen euch sechs Bouldergebiete in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor, an denen selbst im August ideale Bedingungen herrschen.
In diesem Artikel
Gotthardpass, Schweiz
Der Gotthardpass im Schweizer Kanton Tessin ist das perfekte hochalpine Bouldergebiet für den Sommerurlaub. Auf einer Höhe von 1.900 bis 2.200 Metern bieten dort rund 800 Probleme spannende Granit-Boulderei von leicht bis ganz schwer. Etwas weiter südlich liegen mit den Bouldergebieten Cresciano, Brione und Chironico drei Premium-Bouldergebiete, in denen es im richtigen Hochsommer allerdings für viele zu warm wird.
Mittlerweile gehört der »Passo del San Gottardo« sogar zu den größeren Bouldergebieten der Alpen. Zwar sind die Boulder sind recht weitläufig über mehrere Sektoren verteilt, aber dafür finden sich in fast jeder Schwierigkeit passende Herausforderungen. Vor allem Fans von technisch-kleingriffiger Kletterei kommen hier auf ihre Kosten.
- Gestein: Granit, Granitgneis
- Boulder: mehr als 800
- Schwierigkeiten: 2 bis 8C
- Hauptsaison: Juni bis September (gesperrt von Oktober bis Juni!)
Zillertal, Österreich
Das Zillertal ist nicht nur für seine vielen Kletter- und Wanderrouten bekannt, sondern auch für seine mehr als 2.000 Boulder verteilt auf auf etwa 20 Sektoren. Zu den bekanntesten davon gehören allen voran der Sundergrund, der Ginzlinger und Zillergrunder Wald oder die Kaseler Alm. Diese beliebten und leicht erreichbaren Spots sind aber auch die, an denen es bei einem potenziellen Boulderurlaub im Sommer am vollsten wird.
Wer sich im Sommerurlaub lieber etwas abseits der Massen hält, dem sei das Gebiet Sitcom nahe der Zemmschlucht zu empfehlen: Die Boulder im Bachbett sehen nicht nur interessant aus, sondern klettern sich auch so. Auch die Zemmschlucht selbst ist einen Besuch absolut wert – gerade im Sommer bieten die Gumpen mit ihrem klaren, türkisblauen Wasser dort eine willkommene Abkühlung. Wegen der Lage direkt am Bach sind diese Spots allerdings für Familien mit kleinen Kindern eher nicht zu empfehlen.
Wichtig: Als Bouldergebiet ist das Zillertal auch als Ziel für den Sommerulaub mittlerweile sehr beliebt, weshalb Besucher örtliche Regeln unbedingt einhalten sollen. Wie in den meisten europäischen Boulder-Hotspots ist auch das Wildcampen dort streng untersagt. Um Nutzungskonflikte mit Anwohnern und Landwirten zu vermeiden, nutzt bitte nur ausgewiesene Parkplätze und Wege.
- Gestein: Granit, Gneis, seltener Kalk
- Boulder: mehr als 2.300
- Schwierigkeiten: 3A bis 8C
- Hauptsaison: Frühjahr bis Herbst
Blaueis, Deutschland
Klein, aber fein: Rund um den Blaueisgletscher bei Berchtesgaden warten auf einer Höhe von 1.600 bis 2.000 Metern rund 200 Linien im wohl höchsten deutschen Bouldergebiet. Entdeckt wurden die Blöcke Ende der 90er Jahre von einer Gruppe rund um die Boulderlegende Klem Loskot. Einziger Knackpunkt: Der Zustieg dauert rund zweieinhalb Stunden – danach wird man allerdings mit einem herrlichen Alpenpanorama und einer breiten Auswahl an Bouldern belohnt.
Wer sich den täglichen Fußmarsch sparen möchte, wird als Übernachtungsgast in der Blaueishütte herzlich empfangen. Diese ist von Ende Mai bis Anfang Oktober durchgehend geöffnet. Wichtig: Wildcampen ist im gesamten Nationalpark Berchtesgaden verboten – dazu gehört auch das Bouldergebiet.
Das Blaueis wartet mit gemütlichen Quergängen genauso wie mit überhängenden Power-Blöcken und einigen Highballs auf. Der Kalk ist kompakt, aber primär leistig und teilweise auch scharf. Wem das nichts ausmacht und wer ab dem 6. Grad bouldert, findet hier viele passende Herausforderungen – außerdem gibt es in dem noch eher unbekannten Gebiet noch viel Erschließungspotenzial.
- Gestein: Kalk
- Boulder: rund 200
- Schwierigkeiten: 5B bis 8B+
- Hauptsaison: Mai bis Oktober
Sustenpass, Schweiz
Der Sustenpass zwischen den Kantonen Bern und Uri ist die ideale Granit-Auszeit zum Hochsommer auf mehr als 2.200 Metern Höhe. Mittlerweile hat sich das Gebiet zum (nicht mehr ganz so geheimen) Geheim-Tipp für den Sommer am Fels entwickelt. Seine mehr als 700 Boulderprobleme vor hochalpinem Panorama sind inzwischen über die Schweiz hinaus bekannt, aber weniger überlaufen als etwa Magic Wood. Wer es beim Bouldern im Sommerurlaub lieber etwas ruhiger hat, ist hier genau richtig.
Das Bouldergebiet besticht mit feinsten, meist freistehenden Gneiss-Blöcken, die man mit etwas Glück manchmal für sich alleine hat. Und das beste: Der Wind weht häufig talwärts von den Gletschern, was für angenehme Temperaturen und zusätzlichen Grip sorgt. Wer nach der Session einkehren will, kann dem Restaurant Sustenbrüggli einen Besuch abstatten – wie schon die Boulderinnen und Boulderer, die das Gebiet in den 90ern erschlossen haben.
- Gestein: Gneiss
- Boulder: mehr als 700
- Schwierigkeiten: 3A bis 8C
- Hauptsaison: Juni bis Oktober
Silvretta, Österreich
Der Silvapark ist ein familienfreundliches Sommerziel oberhalb von Galtür in Tirol: Rund 800 Linien verteilt auf 13 Sektoren bieten hier eine breite Auswahl für Anfänger bis Profis. Im Sektor Sekten gibt es zudem vier Parcours – ähnlich dem Vorbild aus Fontainebleau.
Dank der Lage auf einer Höhe von 2.000 bis 2.300 Metern trocknen die freistehenden Blöcke an den Nordhängen auch nach einem Regenschauer schnell ab. Bei zu starkem Schneefall wird das Gebiet allerdings schnell unzugänglich und unsicher für Besucher – das ist im Hochsommer aber wirklich unwahrscheinlich. Ein wichtiger Sicherheitshinweis: Die Boulderprobleme in der Silvretta sind teilweise verblockt, weshalb man sich an manche Linie besser nur mit Spotter und genügend Crashpads heranwagt.
Weil der Silvapark bei Boulderern immer beliebter wird, gibt es mittlerweile einen eigens dafür angelegten Bezahlparkplatz bei der Talstation Ballunspitzbahn. Wer sich vorab anmeldet, kann dort gegen eine Gebühr maximal sechs Tage im Camper übernachten. Die aktuellen Regeln zum Übernachten an der Talstation findet ihr hier.
- Gestein: Gneis, Granit
- Boulder: mehr als 800
- Schwierigkeiten: 1 bis 8C
- Hauptsaison: Mai bis November (Schneelage beachten!)
Magic Wood, Schweiz
Fast jeder Boulderer hat schonmal vom magischen Wald im Averstal gehört. Der unumstrittene Klassiker unter den Bouldergebieten lockt seit rund 25 Jahren Boulderfans in die Schweizer Alpen – und längst nicht mehr nur die, die im 8. Grad unterwegs sind. Magic Wood hat sich mittlerweile für Boulderinnen und Boulderer aller Levels zu einem der beliebtesten Gebiete Europas entwickelt. Verwunderlich ist’s nicht: Nirgendwo sonst gibt es so viele ästhetische Granitboulder auf so wenig Fläche und in solch einzigartiger Umgebung, an denen es sich auch im Sommerurlaub bouldern lässt.
Ja, auch im Hochsommer kann es hier tagsüber warm werden – trotzdem findet sich im Wald unten im Tal immer ein schattiges Plätzchen oder eine Abkühlung im Fluss. Im August ist es in Magic Wood meist etwas weniger voll als im Juni, Juli oder September, auch wenn man selbst dann sehr wahrscheinlich nicht alleine am Fels ist.
Gut zu wissen: Besonders schmackhafte Linien sind im Topo als »Erdbeeren« markiert, die es sich im gesamten Wald zu pflücken lohnt – ganz unabhängig vom Schwierigkeitsgrad. Wegen des Geländes und akuter Absturzgefahr ist Magic Wood allerdings nicht ideal für Familien mit sehr kleinen Kindern.
- Gestein: Granit
- Boulder: mehr als 3.000
- Schwierigkeiten: 2 bis 8C+
- Hauptsaison: Juni bis September
Nachhaltig Bouldern am Fels – auch im Sommerurlaub
Jedes Jahr strömen immer mehr Besucherinnen und Besucher in Europas beliebteste Bouldergebiete. Nicht alle halten sich dabei immer an die Regeln – deshalb gibt es vielerorts Konflikte mit Anwohnern und den Naturschutzbehörden, teils drohen sogar Zugangsverbote.
Damit diese einzigartigen Boulderspots langfristig erhalten bleiben, sollten sich Boulderinnen und Boulderer vorab über die Gegebenheiten informieren und die Vorgaben vor Ort respektieren. In unserem Knigge für das Bouldern am Fels findest du Tipps, worauf es dabei ankommt.
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