Interview: Bernd Zangerl eröffnet Highball-Boulder Grenzenlos im Valle Dell’Orco

Einmal mehr verkündet der Österreicher Bernd Zangerl eine Erstbegehung aus dem Valle Dell’Orco in Italien. Dort ist ihm der Durchstieg eines Boulders gelungen, den er schlussendlich minimal absichern musste. Entstanden ist deshalb der rund 10 Meter hohe Highball-Boulder Grenzenlos (ca. 8a+).

In den vergangenen 10 Jahren war Bernd Zangerl immer wieder im italienischen Piemont, genauer im Valle Dell’Orco, wo er neue Linien aufspürte und erstbeging. Darunter sind eindrückliche Boulder wie 29dots (8a+), Il Coloniali sd (8b/c), Self Aperto und Bavirabi (8a).

Diesen September kehrte Bernd, zusammen mit Babsi Zangerl und Jacopo Larcher wieder ins Valle Dell’Orco. Während Babsi und Jacopo den Ultraklassiker Green Spit (Erstbegehung Didier Berthod) punkteten, kämpfte Bernd mit einer feinen Risslinie. Da die Boulderstelle ziemlich weit oben aufwartete, hätte ein Sturz üble Folgen gehabt.

Mit Recht kann Grenzenlos als Traumlinie bezeichnet werden. (Bild Jacopo Larcher)

Es gab also zwei Optionen. Bernd hätte eine Landingzone bauen und mehr Pads anschleppen können, um den potenziellen Sturz sicherer zu machen. Doch davon hält er nicht viel. Die zweite Option war es, die Stelle mit einer mobilen Absicherung zu entschärfen.

Bernd entschärfte die Boulderstelle mit einem Bird Beak. (Bild Jacopo Larcher)

Für die zweite Option hat sich der 42-Jährige dann auch entschieden. Als Tool nutzte er Bird Breaks, also nicht die idealen Dinger, um einen Sturz zu halten – um es mal defensiv zu formulieren.

Doch es hat geklappt. Ende Oktober gelang Bernd die Erstbegehung von Grenzenlos, einer weiteren Mega-Linie im Valle Dell’Orco.

Wir haben mit Bernd über Grenzenlos gesprochen.

Bernd Zangerl im Gespräch über Grenzenlos im Valle Dell’Orco

Was hat dich an der Linie fasziniert?

Die Wand wird von einem hauchdünnen Fingerriss durchzogen, der sich dann in der Wand auflöst. Die Linie ist einfach einzigartig und sieht auf den ersten Blick unkletterbar aus. Grenzenlos ist definitiv eine der schönsten Erstbegehungen.

Bist du einmal in den Bird Beak, die mobile Sicherung, gestürzt?

NEIN! Ich habe den Boulder im ersten Versuch am Seil geklettert.

Warum hast du keine Landingzone gemacht und mit zusätzlichen Pads gearbeitet?

Heute scheint es normal zu sein, 10 oder mehr Pads unter einen Boulder zu stapeln, um die Herausforderung an die persönliche Komfortzone anzupassen. Meiner Meinung nach hat das nichts mehr mit Highball-Kletterei zu tun. Und oft werden Matten einfach über die bestehende Vegetation gestapelt und diese damit zerstört.

Mit 10 Matten wäre die Erstbegehung von Komfortzone leichter gefallen, weil es psychisch keine Herausforderung mehr gewesen wäre. Der Aufwand der betrieben wird, um Landings zu bauen, Matten und Spotter zu organisieren ist mir zu viel. Und auch von Podesten halte ich nicht viel, vor allem nicht in einem Nationalpark.

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Credits: Bildmaterial Jacopo Larcher

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