Der Schweizer Profialpinist Roger Schäli eröffnet am Roda Val della Neve im Bergell während fünf Tagen im Alleingang die Trad-Route Tierra del Fuego (A2+, 6c). Die anspruchsvolle Linie – lediglich am Stand mit Bohrhaken ausgerüstet – folgt einem Risssystem im rechten Wandteil.

Wer noch nie vom Roda Val della Neve gehört hat, braucht sich keinen Kopf zu machen. Roger Schäli ging es genauso, als ihn Tom Bärfuss für eine gemeinsame Mehrseillängentour im Bergell anfragte. «Der Berg ist eine versteckte Perle mit zwei Gesichtern», schwärmt Schäli. «In Richtung Albigna zeigt er sich mit breitem und rundem Rücken, während der Roda Val della Neve in nördlicher Richtung mit einer erstaunlich mächtigen Wand aufwartet.»

«Insbesondere der direkte Aufstieg im steilsten Sektor der Wand erregte rasch meine Aufmerksamkeit. Meine Entscheidung war schnell gefällt, eine neue Linie zu eröffnen.»

Roger Schäli

Video: Roger Schäli während der Erstbegehung von Tierra del Fuego

Tierra del Fuego: Puristischer Begehungsstil

Roger Schäli ist begeistert vom kompakten Fels, der seinen Schatten bis über die Strassen des Talbodens wirft, und kommt aus dem Schwärmen kaum heraus: «Ich war von Anfang an beeindruckt von dieser kalten, abweisenden Wand.»

Natürlich interessieren den Profialpinisten vor allem jene Wandteile, in denen noch niemand zuvor geklettert ist. Insbesondere der direkte Aufstieg im steilsten Sektor der Wand erregte rasch seine Aufmerksamkeit. «Meine Entscheidung war schnell gefällt, eine neue Linie zu eröffnen», erzählt Roger Schäli.

«Ich war von Anfang an beeindruckt von dieser kalten, abweisenden Wand.»

Roger Schäli
Die Trad-Route Tierra del Fuego (A2+, 6c) am Roda Val della Neve, eröffnet von Roger Schäli im Alleingang in fünf Tagen. Bild: Romano Salis
Die Trad-Route Tierra del Fuego (A2+, 6c) am Roda Val della Neve, eröffnet von Roger Schäli im Alleingang in fünf Tagen. Bild: Romano Salis

Insgesamt braucht er fünf Tage, um seine Route Tierra del Fuego (A2+, 6c) von unten und im Alleingang zu eröffnen. «Ich habe ganz bewusst einen sehr puristischen Begehungsstil gewählt», sagt Roger Schäli.

Seine Erstbegehung folgt einem Risssystem im rechten Wandteil. Die Schwierigkeiten von A2+, 6c liegen im unteren Wandteil von rund 350 Meter Höhe. Von dort zieht die Route über einfach zu kletternde rund 250 Höhenmeter im vierten Schwierigkeitsgrad auf den Gipfel.

Die Route rufe für ihn wieder einmal die Schönheit der Schweiz in Erinnerung, sagt Roger Schäli. «Ich bin fasziniert, wie sich auch abseits bekannter Wände und namhafter Berge, abenteuerliche Flecken in nächster Nähe von der Haustüre finden lassen.»

Roger Schäli in seiner neuen Route Tierra del Fuego (A2+, 6c). Bild: Romano Salis
Roger Schäli in seiner neuen Route Tierra del Fuego (A2+, 6c). Bild: Romano Salis

«Ich bin fasziniert, wie sich auch abseits bekannter Wände und namhafter Berge, abenteuerliche Flecken in nächster Nähe von der Haustüre finden lassen.»

Roger Schäli

Geschichtsträchtiger Berg

Zu den bekanntesten bestehenden Routen in der Wand zählen die Niedermann (400m, 6b, R2, IV, +250 Meter bis zum Gipfel, 1975 erstbegangen) und die Nigg (350m, 7a, RS3, IV, +250 Meter bis zum Gipfel). Beide Linien begeisterten mit bemerkenswerten Riss- und Verschneidungsklettereien, dürften laut Roger Schäli jedoch nicht unterschätzt werden. «Die beiden Touren haben Potential, in Zukunft öfters geklettert zu werden, da solche Ziele in den warmen Sommermonaten immer gefragter sind und das Tradklettern ebenso.»

Ein Stück Klettergeschichte: Im Wandbuch blättern

Ein Blick ins Wandbuch zeigt, dass der Roda Val della Neve neben bekannten Kletterern wie Romolo Notaris auch zahlreiche einheimische Klettergrössen anlockte. «Dieser Berg hat alle legendären Kletterer der Ostschweizer, Tessiner und italienischen Kletterszene angezogen. Beeindruckend ist die erste Winterbegehung im Dezember 1969.»

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Credits: Titelbild Romano Salis

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