Vor 36 Jahren bohrte Sportkletterlegende Alan Watts für eine Fernsehserie eine Route in Smith Rock. Die Route an dem ca. 105 Meter hohen, freistehenden Turm »Monkey Face« konnte er selbst jedoch nicht sauber rotpunkt klettern. Jetzt trägt die Linie den Namen »Tailbone«.
Sportklettern in Smith Rock
In den 1980er Jahren war der Klettersport in den USA noch vom traditionellen Klettern mit mobilen Sicherungen geprägt. Einer der ersten Kletterer, der Routen in den Fels bohrte und so das Sportklettern im Smith Rock State Park in Oregon etablierte war Alan Watts. 1983 richtete er »Chain Reaction« (5.12c) ein. Die Route ist einigen von der Vorderseite der Haferriegel »Cliff Bar« bekannt und war eine der ersten Sportkletterrouten in Amerika. In der heutigen Kletterwelt, in der das Sportklettern so weit verbreitet ist, vergisst man schnell, wie gewagt und umstritten Watts‘ eingebohrte Routen damals waren. Smith Rock galt in den 80er und 90er Jahren als der ‚Place to Be‘ in der Sportkletterszene.
Entstehung der Route am »Monkey Face«
Für eine Fernsehserie des Senders NBC im Jahr 1989 sollten Watts, Wolfgang Güllich und Ron Kauk innerhalb von drei Tagen gemeinsam eine neue Route einbohren und dann klettern. Ursprünglich sollte es die bekannte Linie »Just Do It« werden, jedoch stellten die drei schnell fest, dass die 5.14c für sie zu schwer war, um sie so schnell zu bezwingen. Also widmeten sie sich einem weiteren Projekt – der Linie, die jetzt »Tailbone« heißt. Jedoch gelang es dem Trio auch hier nicht, die angedachte Route rotpunkt zu klettern. Dennoch legten die drei damals ein futuristisches Sportkletterprojekt an, das als eine der kühnsten Linien im Smith Rock galt.

First Ascent durch Kyle Higby
Seit 1989 haben mehrere lokale Kletterer versucht »Tailbone« zu bewältigen, alle blieben jedoch erfolglos. Bis letzten Monat: Kyle Higby, 25, begann mit 19 Jahren zu klettern und verbrachte bereits während seines Studiums einige Wochen in Smith Rock. Begeistert von dem Gebiet kehrte er im Juli zurück, um sich einigen Projekte zu widmen. Wie viele ambitionierte Kletterer, die ihre Fähigkeiten auf die Probe stellen wollen, machte er sich zuerst an Testpieces wie »Spank the Monkey« (5.13d) oder »Notorious« (5.14a).
Nach einem ausgiebigen Gespräch mit Alan Watts, in dem dieser ihm von der noch nie begangenen Linie direkt am »The Backbone«, einer anderen bekannten Linie am Monkey Face erzählte, nahm sich Kyle Higby dem Projekt an. Der Rotpunkt war aber auch für ihn alles andere als leicht. Bei seinem vorletzten Versuch stürzte er in der Crux und überschlug sich dabei. »Tailbone« ist laut Higby nicht die pumpigste Route, jedoch sehr kräftezehrend, da man sehr lange sehr viel Körperspannung aufrechterhalten muss. Trotz des Sturzes versuchte Higby es noch einmal.
Ich weigerte mich, dort zu fallen, warf die Beta über Bord und schrie mich heiser, um meine Füße hochzuziehen.
Kyle Higby
Am letzten Tag seines Aufenthalts in Smith Rock konnte er sich den First Ascent sichern.
Ich bin super stolz darauf, nach 36 Jahren die ursprüngliche Vision von Alan zum Start der »Backbone« geschafft zu haben. Ich denke, dass es ein Testpiece für den Schwierigkeitsgrad und den Stil sein wird.
Kyle Higby
Das könnte dich interessieren:
- «Risiken abzuwägen ist ein Prozess» | Lara Neumeier übers Klettern am Limit
- Sichern mit Grigri und Neox beim Mehrseillängenklettern
+++
Credits: Bilder: Adobe Stock

