Klettern in der Sonnenstube der Schweiz: Tessin Rock | Kletterführer

Das milde Klima, die Möglichkeit, das ganze Jahr zu klettern, die Qualität vieler Gebiete, die Vielfalt der Stile und Schwierigkeiten und die Ruhe an den meisten Felsen machen das Tessin zu einem Kletterziel erster Wahl. Egon Bernasconi stellt in der vierten Auflage von Tessin Rock seine Kletterheimat auf 480 Seiten vor.

Das Tessin ist, zumindest aus der Perspektive von Kletterfans, eine eierlegende Wollmilchsau: Auf verhältnismässig kleiner Fläche findet sich eine hohe Dichte an attraktiven Felsen in unterschiedlichen Schwierigkeiten, Stilen und Expositionen, dazu gibt’s viel Sonnenschein und oft milde Temperaturen. Und obendrauf warten auch heute noch zahlreiche Wände darauf, entdeckt, geputzt und erschlossen zu werden.

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Wetterprognosen wie diese (Stand 30. Januar 2023) haben das Tessin gerade auch in den kalten Monaten zu einem beliebten Kletterziel werden lassen. Quelle: Meteoschweiz

Tessin Rock: 69 Gebiete, 3450 Routen

In der vierten Auflage von Tessin Rock stellt Autor Egon Bernasconi 69 Klettergärten mit insgesamt 3450 Routen vor. Darunter befinden sich bekannte und äusserst beliebte Gebiete wie Ponte Brolla, Claro oder Rovine del Castelliere, die entsprechend oft frequentiert werden. Darüber hinaus bietet das Tessin aber eine grosse Auswahl an Gebieten, in denen man sehr oft alleine unterwegs ist.

Tessin Rock umfasst 69 Klettergebiete in Locarnese, Valle Maggia, Bellinzona, Moesano, Riviera mit Val di Blenio, Sottoceneri und Leventina. Darstellung: Versante Sud
Tessin Rock umfasst 69 Klettergebiete in Locarnese, Valle Maggia, Bellinzona, Moesano, Riviera mit Val di Blenio, Sottoceneri und Leventina. Darstellung: Versante Sud

Beste Jahreszeit: Frühling und Herbst

Auch wenn man im Tessin Klettergärten in allen Expositionen und in unterschiedlichen Höhenlagen findet, so zählen Frühling und Herbst zu den besten Jahreszeiten. Der Herbst gilt sogar noch als etwas regenarmer. Bei trockenen Verhältnissen bilden die nach Süden gerichteten Wände auch im Winter attraktive Kletterziele.

Gerade was das Bouldern angeht, schätzen viele Kletterprofis die «winterlichen» Verhältnisse im Tessin, welche die Reibung bei Routen im Highend-Bereich begünstigen. Wer im Januar und Februar durch Chironico oder das Val Bavona pilgert, kann das Who is Who der europäischen Kletterszene in ihrem bevorzugten Habitat beobachten.

Giuliano Cameroni klettert Father & Son. Bild: Egon Bernasconi
Giuliano Cameroni klettert Father & Son. Bild: Egon Bernasconi

Grosses Potenzial

Im Tessin ist in den vergangenen Jahren viel Neues erschlossen worden. Im Vergleich zur dritten Ausgabe von Tessin Rock sind ganze 30 neu beschriebene Sektoren dazugekommen. Viele der bekannten Gebiete sind erweitert oder saniert worden.

Buchautor Egon Bernasconi ist davon überzeugt, dass in den nächsten Jahren noch viele neue Wände erschlossen werden. «Selbst wenn die Möglichkeiten nicht unendlich sind, sind sie doch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein.»

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Buchautor Egon Bernasconi (www.rock-ways.ch) in Action.

3 Fragen an Autor Egon Bernasconi

Egon, was macht aus deiner Sicht das Tessin so besonders?

Im Tessin wird hauptsächlich auf Gneis geklettert, ausser im südlichen Teil um Lugano, wo man auf Kalkstein klettert, oder in den Gebieten weiter nördlich, wo man auch auf Granit treffen kann. In der Folge ist das Klettern und Bouldern überwiegend technisch. Die Stärken des Tessins sind für mich folgende:

Das milde Klima, das ganzjährig zum Klettern einlädt. Die Stille. In der Tat gibt es eine Fülle von wenig frequentierten Sektoren. Die Heterogenität der Stile und Schwierigkeiten: Platten, senkrechte Wände, Überhänge, Ausdauerrouten oder Reibungsklettereien bieten etwas für jeden Geschmack und jedes Level.

Welche Spots empfiehlst du Tessin-Neulingen?

Was die besten Möglichkeiten für Anfänger betrifft, so ist es unmöglich, den Superklassiker «Rovine del castelliere» in Ponte Brolla nicht zu erwähnen. Die nahe gelegenen Tegna-Platten bieten ebenfalls hervorragende Klettermöglichkeiten für Einsteiger.

In jüngerer Zeit ist der Balladrum-Klettergarten (Panoramasektor), der den Lago Maggiore überragt, eine weitere hervorragende Möglichkeit. Zudem ist es unmöglich, Arcegno nicht zu erwähnen, das mit seinen vielen Felsen, die in einem fantastischen Kastanienwald verstreut sind, viele schöne und einfache Routen bietet.

Welche drei Tessiner Routen muss man einmal in seinem Leben probiert haben?

Dies ist eine wirklich schwierige Frage, und es ist fast unmöglich, sie zu beantworten, ohne von einer gewissen Subjektivität beeinflusst zu werden. Die Schönheit einer Route ist oft auch mit ihrer Bedeutung für uns verbunden, und diese geht manchmal über die objektive Schönheit der Linie hinaus. Anstatt also nur drei Routen vorzuschlagen, schlage ich eine Liste vor. Eine Route für jeden Grad von 5b bis 8c:

  • 5b Tosty bacon II, San Carlo Val Bavona, settore Holy Hole
  • 5c Un senso, Bosco Gurin, settore buoni o cattivi
  • 6a Perles, Denti della vecchia settore spigolose destra
  • 6b Anche le formiche nel loro piccolo s’inkazzano, Sotalpizz, settore letamaio
  • 6c Flower power Brontallo, settore El Cat.
  • 7a L’artiglio del diavolo, Ponte Brolla, settore est.
  • 7b Dracula, Avegno, settore zio Fiasco
  • 7c Karmageddon, Avegno, settore Underzero
  • 8a MissPuta, Cevio, settore Goldensciaur
  • 8b Beautiful, Cresciano
  • 8c K19, Chironico

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Milde Temperaturen, abwechslungsreicher Fels, viel Ruhe: Das Tessin ist in vielerlei Hinsicht einen Besuch wert. Bild: Egon Bernasconi

Tessin Rock Kletterführer

Die vierte Auflage von Tessin Rock Klettergärten stellt 69 Klettergebiete mit insgesamt 4350 Routen vor. Ein solider und zuverlässiger Führer zu den vertikalen Schönheiten des Tessins mit detaillierten Zustiegsskizzen, Luftbildern, farbigen Topos und zahlreichen Kletterbildern.

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Credits: Titelbild Eric Gehring

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