Heute, 3. August 2021, findet die Olympia-Qualifikationsrunde der Männer in den Sportkletterdisziplinen Speed, Bouldern und Lead statt. Wir fassen laufend zusammen und zeigen die Resultate.

UPDATE 16.55 Uhr

Lead – Resultat/Zusammenfassung: Schubert siegt, Megos nicht qualifiziert, Bassa Mawem verletzt

Was für ein Pech für Bassa Mawem! Da streckt er den Arm nach einem Untergriff aus und zuckt sofort wieder zurück, sitzt ins Seil. Zurück am Boden hält er sich den Unterarm und deutet an: Muskelriss. Mit Schlusserang 7 in der Gesamtwertung wäre er für das Final qualifiziert. Doch kann er weitermachen oder muss er abbrechen?

Das wirft die zweite drängende Frage auf: ist Alex Megos vielleicht doch dabei im Final? Der Deutsche liegt am Schluss des Tages auf Rang 9, könnte aber in die Top 8 vorrücken, wenn Mawem abbrechen muss. Ob das Reglement ein Nachrücken zulässt, oder das Final nur mit sieben Teilnehmern ausgetragen würde, ist noch nicht klar. Noch nie gab es diesen Fall in der Wettkampfgeschichte.

Youngster-Show: Duffy und Gines-Lopez

Zuvor setzten die beiden Youngsters Colin Duffy (USA) und Alberto Gines Lopez (ES) die Highpoints an Griff 42 bzw. 41, beide kamen dem Top also ziemlich nahe. Adam Ondra konnte da nicht mithalten, er kam bis an Griff 39, erreichte damit Rang 4 im Lead (Platz 5 in der Kombinationswertung). Somit zeigte der Tscheche starke Nerven, nachdem er sich zu Beginn des Tages mit Platz 18 im Speedwettbewerb startete. Man hatte den Eindruck, dass Adam Ondra angespannt war und kein Risiko eingehen wollte. Gut möglich, dass der Knoten jetzt bei ihm gelöst ist und er im Final seine ganzen Fähigkeiten abrufen wird.

Die Temperaturen betrugen übrigens schwüle 28 Grad, die Luftfeuchtigkeit satte 87% – selbst nachdem die Sonne längst untergegangen war. Der Grip dürfte also nicht der beste gewesen sein. Manche Athleten schienen damit Mühe zu bekunden. Ob diese Umstände für Alex Megos zum Stolperstein wurden oder ob es an seinen massiven Hautproblemen an den Fingern lag – der Deutsche Überflieger blieb heute unter den Erwartungen.

Man durfte annehmen, dass er im Lead den Sack zumachen würde, nachdem er sich mit Platz 19 eine Speedhypothek eingehandelt hatte. Doch schon bald gab es den ersten Schreckmoment: Megos greift mit links in einen Seitgriff, der für rechts gedacht war, und muss mit der rechten Hand pressend an einem Volumen abfangen. Das hätte gut und gerne Endstation sein können und damit wäre jede Finalhoffnung begraben gewesen. Megos kann sich fangen, doch bei Griff 36 ist Schluss. Sein Blick zu den Trainern, kaum dass er wieder auf dem Boden steht, scheint zu bedeuten: Ob das wohl reicht…? Dass Teamkollege Jan Hojer den Final verpassen würde, steht da schon fest.

Schubert on fire, Narasaki verhaspelt

Ganz anders Jakob Schubert. Als er im Boulderwettbewerb unter Zugzwang den letzten Boulder toppt, spürt man: jetzt ist er wach. Zuvor hatte er nervös und zuweilen fast schon frustriert gewirkt, als steckte eine geballte Ladung Energie in ihm, die er nicht an die Wand bringen kann. Voller Selbstvertrauen betritt er schliesslich die nächtliche Lead-Bühne, legt schwungvoll und präzise los. Das erste und einzige Top des Abends liegt in der Luft, doch dann fehlen am zweitletzten Griff Zentimeter! Sei’s drum: der Österreicher holt Platz 1 und steht im Final – the game is on!

Den Schlusspunkt setzte Tomoa Narasaki, der die Sache locker angehen konnte. Schliesslich ist er da mit zwei Top-Platzierungen in den vorangegangenen Disziplinen Speed und Boulder schon qualifiziert. Sein Lauf wurde zur Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen – doch zu viel Lockerheit hat auch ihren Preis: zuerst muss er dreimal ansetzen, ehe er eine Exe clippen kann, dann wirkt er mehrmals etwas orientierungslos zwischen den gelben und grünen Griffen und schliesslich hechtet er überhastet an eine Zange, an welcher er den Schwung nicht abfangen kann.


UPDATE 15.30 Uhr

Bouldern – Resultat/Zusammenfassung: Mawem top – Ondra, Schubert und Megos unter Druck

Mit der Disziplin Bouldern ist die zweite Qualifikationsrunde abgeschlossen. Lokalmatador Tomoa Narasaki hat die erwartete Show abgeliefert und setzte sich mit 2 Tops und 4 Zonen auf Rang 2. Noch besser und damit die grosse Überraschung war Mickael Mawem: mit 3 Tops und 4 Zonen entschied er den Boulderwettkampf für sich. Unglaublich, mit welcher Freude und Lockerheit der französische Rastamover durch die Quali spazierte. 

Mickael Mawem feiert sich selber

Lange sah es so aus, als hätten die Routenbauer bei Boulder Nummer zwei die Latte zu hoch gesetzt, die meisten Athleten schafften nicht einmal die Zone. Relativ spät im Wettkampf schaffte Alex Megos dieses Zwischenziel als Erster. 

Und dann kam Mickael Mawem: Völlig aus dem Nichts flashte er das Ding mal schnell weg, wobei das für uns Zuschauer nicht zu sehen war – die olympischen Fernsehleute hielten irgendeinen Nebenschauplatz gerade für wichtiger, generell haben sie den Fokus noch nicht so an der richtigen Stelle. Da ist noch Luft nach oben. 

Ganz im Gegensatz zu Mickael Mawem und damit zurück zum Thema: Was ist da bitte los? Aha, der Mann hat Geburtstag heute und weiss sich ganz offenbar selbst zu beschenken. Mit Platz drei im Speed- und Platz 1 im Boulderwettbewerb hat er aktuell den sagenhaften Gesamtscore von 3 und ist damit so gut wie gesetzt im Final. Wir sind gespannt, was er im Lead gleich abliefern wird. Auf jeden Fall gratulieren wir schonmal! 

Ondra und Schubert unter Druck

Der Druck muss hoch sein auf Adam Ondra, viele ewarten eine Medaille von ihm und als wäre das noch nicht genug, hat die New York Times zum Startschuss der olympischen Kletterpremiere Adam Ondra aufwendig in Szene gesetzt. Jedenfalls wirkt Ondra heute angespannt und nur sporadisch konnte er den Druck zu seinen Gunsten nutzen. Mit 2 Tops und 4 Zonen zeigt er aber dennoch eine solide Leistung.

Auch für Jakob Schubert, den die Österreicher übrigens Jokel nennen (wieder was gelernt), scheint Ähnliches zu gelten. Die Kletternation Österreich will Metall sehen. In seinem letzten Boulder kann er schliesslich ein wichtiges Momentum ergattern: als einer der wenigen Athleten schaffte er es, seine Hand im vier Zentimeter breiten Riss zu verklemmen und sich zum Top zu schieben. Sein Siegesschrei und die vom Hocker juckenden österreichischen Tainer sagten alles. 

Ondra startet von Gesamtrang 6 und Schubert von Gesamtrang 9 in die letzte Disziplin Lead. Damit haben beide gute Chancen auf die Finalqualifikation (Top 8). 

Megos und Hojer im Mittelfeld

Für die beiden Deutschen gilt: jetzt aber VOIGAS! Megos schleppt immer noch seine Hypothek aus dem Speedwettkampf mit sich (Platz 19). Zwar zeigte er mit einem Top und 4 Zonen eine solide Leistung im Boulder, noch ist es ihm aber nicht gelungen, sich in der Gesamtwertung deutlich nach vorne zu bringen. Er startet ab Rang 15 in den Leadwettkampf und auch wenn das seine Paradedisziplin ist: jetzt muss alles passen, damit er noch in die Top 8 rutscht. 

Hojer ist dank einem besseren Speedresultat aktuell auf Platz 11, auch bei ihm ist noch alles möglich.  

Rangliste Qualifikation Bouldern


UPDATE 11.17 Uhr

Speedklettern – Resultat/Zusammenfassung: Mawem-Brüder dominieren

Die erste Runde ist geschafft: in je zwei Läufen an der Speedwand haben die 20 Athleten heute Morgen ihre ersten Olympia-Resultate geliefert. Jeder Athlet trat einmal auf der A-Route und einmal auf der B-Route (beide identisch) an, die bessere Zeit wird gewertet. 

Mawem-Brüder auf Plätzen 1 und 3

Die Rangliste gestaltet sich einigermassen erwartungsgemäss, wobei der Exploit der Mawem-Brüder hervorzuheben ist. Mit Platz 1 und 3 bringen sie sich schonmal in eine vielversprechende Ausgangslage, schliesslich sind die beiden auch im Bouldern und Lead stark. 

Adam Ondra und Alex Megos liegen derzeit weit hinten auf den Plätzen 18 und 19 – doch, man darf annehmen, dass die zwei das Feld noch von hinten aufrollen in ihren Kerndisziplinen Boulder und Lead. 

Lokalmatador und Mitfavorit Tomoa Narasaki liegt auf Platz 2, nachdem er nur einen Lauf absolviert hatte. Er verzichtete freiwillig auf seinen zweiten Go nachdem er mit 5.94 Sekunden im ersten Lauf glänzte. Offenbar wusste er, dass er diese Zeit nicht unterbieten wird und sparte Kraft und Haut für Boulder und Lead.

Einen neuen Weltrekord gab es im Speed bis jetzt nicht, er liegt seit dem Weltcup in Salt Lake City bei 5.208 Sekunden. Die heutige Bestzeit beträgt 5.45 Sekunden (Bassa Mawem).

So wird das kombinierte Format berechnet

  • Die Ränge jeder Disziplin werden miteinander multipliziert
  • Je tiefer das Ergebnis, desto besser der Schlussrang

Rechnen wir also mal ein hypothetisches Beispiel für Adam Ondra: angenommen er schliesst die Disziplinen Boulder und Lead auf Platz 4 und Platz 2 ab, dann ergäbe seine Schlusswertung:

18 (Speed) x 4 (Boulder) x 2 (Lead) = 144

Zum Vergleich noch eine Beispielrechnung für Bassa Mawem; nehmen wir mal an, er schliesst die Disziplin Boulder auf Platz 8 und Lead auf Platz 15 ab, dann ergäbe das:

1 (Speed) x 8 (Boulder) x 15 (Lead) = 120

Was bedeuten die schwarzen Griffe in der Olympia-Speedroute?

Eines noch: weiss jemand, wieso zwei Griffe der Speedroute schwarz anstatt rot sind? Wir sind am Rätseln und machen uns mal auf Spurensuche. Vielleicht steckt ja mehr dahinter, als man meint.

UPDATE Speedroute 13.44 Uhr

Danke Benjamin Weber für den Hinweis betreffend der schwarzen Griffe in der Olympia-Speed-Route. Hier gibt es die Erklärung dazu:

Rangliste Qualifikation Speedklettern

Live-Stream Olympia Sportklettern

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Credits: Titelbild IFSC

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