Im Sommer 2023 eröffnete Simon Gietl innerhalb von sechs Tagen seine neue Route »Identität« in den Dolomiten – solo. Jetzt gelang dem Südtiroler gemeinsam mit Davide Prandini die erste Rotpunkt-Begehung der Linie am Mittleren Zwölferkofel.
Der Südtiroler Alpinist Simon Gietl ist für seine abenteuerlichen Solo-Begehungen im minimalistischen Stil bekannt. Im Sommer 2023 eröffnete er – erneut allein – in den Sextner Dolomiten eine Route, die seinen Werdegang als Alpinkletterer auf besondere Weise widerspiegelt. Die neue Linie am Mittleren Zwölfer taufte er auf einen dazu passenden Namen: »Identität«.
Identität deshalb, weil diese Linie für mich das darstellt, was mich als Mensch und Bergsteiger in den 20 Jahren geprägt hat.
Simon Gietl

Gietl hatte die Route schon seit mehr als zehn Jahren im Auge. «Mir war klar, dass in diesem Wandteil noch alles jungfräulich ist – so entstand schnell die Idee, einen Versuch zu wagen», erzählt der Südtiroler. Nach diversen Rückschlägen (ein Felssturz auf den Abschnitt der Route und dem Ausfall seines Seilpartners) entschloss sich der Alpinist und Bergführer, das große Projekt allein anzugehen. Mit Erfolg: Im Sommer 2023 befreite Gietl die Linie innerhalb von sechs Tagen solo.
Erste durchgehende Rotpunkt-Begehung von »Identität«
Diesen Spätsommer kehrte Gietl in Begleitung des italienischen Bergsteigers Davide Prandini zurück. Das neue Ziel: die Route an der Westseite des Mittleren Zwölfers gemeinsam rotpunkt zu klettern. Die Schwierigkeit lag dabei laut Gietl nicht im Grad, sondern im Fels und der Absicherung.
Der teilweise sehr knusprige Fels und die alpine Absicherung machen diese Linie zur ernsthaften Unternehmung.
Simon Gietl
Die erfolgreiche Begehung von »Identität« gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Prandini war für Simon Gietl jetzt ein ganz besonderes Erlebnis – und ein Symbol seiner eigenen Entwicklung als einer, der die Berge liebt und respektiert.

Die Fakten zur Linie
- Name: Identität
- Erstbegehung: Simon Gietl, Sommer 2023 (solo); Simon Gietl & Davide Prandini, 31. August 2025 (Rotpunkt)
- Schwierigkeit: 8+/9- bzw. 8 und A1
- Absicherung: Normalhaken und Friends
- Länge: 500 Meter
- Abstieg: über die Normalroute an der Südseite
Neue Route in historischem Massiv
Das Zwölfer-Massiv hat große Bedeutung für den Klettersport in den Dolomiten. Die Südseite des 3.011 Meter hohen Mittleren Zwölfers (ital. Croda Antonio Berti) wurde erstmals 1874 von den Innerkofler-Brüdern bestiegen. Die beiden Tiroler waren Pioniere des Kletterns in den Dolomiten – ihre Erstbesteigung der Kleinen Zinne (2.857 m) im Jahr 1881 gilt als kletterhistorischer Meilenstein.
Der Südtiroler Gietl zählt selbst zu denen, die die Grenzen des Klettersports in den Dolomiten regelmäßig erweitern. Im Winter 2020 gelang ihm die erste Winter-Solo-Überschreitung der Drei Zinnen, 2021 realisierte er die erste Winter-Solo-Begehung des Mittelpfeilers am Heiligkreuzkofel (Mariacher-Variante). Im Jahr darauf überschritt er im Alleingang alle Hauptgipfel der Rosengarten-Skyline, 2023 folgte die Solo-Traverse der Geislerspitzen.
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Credits Titelbild: Simon Gietl



