Mit gerade einmal 22 Jahren hat Connor Herson schon die schwersten Trad-Routen der Welt unter seinem Gürtel. Jetzt hat sich der US-Amerikaner eine seltene Begehung von James Pearsons Mega-Linie »Bon Voyage« (9a) in Annot gesichert. Black Diamond begleitete ihn dabei mit der Kamera.
Wenn Connor Herson eine schwere Linie klettert, hält er die News bekanntlich für eine Weile unter Verschluss. So lief es zuletzt nicht nur bei seiner Erstbegehung von »Drifter’s Escape« (9a+/E12) vergangenes Jahr in Squamish, sondern auch jetzt bei seiner jüngsten Wiederholung von »Bon Voyage« (9a/E12). Der 22-Jährige kletterte das Trad-Meisterstück von James Pearson bereits 2025 – jetzt machte er die Begehung öffentlich.
Einzigartige Linie in Annot
»Bon Voyage« wurde zwar erst 2023 von James Pearson erstbegangen, hat aber seitdem in relativ kurzer Zeit bereits Kult-Status in der Trad-Klettercommunity erreicht. Sie hält als eine von weltweit nur sehr wenigen Linien den berüchtigten Grad E12 und wird von allen bisherigen Wiederholern als besonders schwer und einzigartig bezeichnet. Zu ihnen zählen Adam Ondra, Sébastien Berthe, Jacopo Larcher und Esteban Daligault.
Bon Voyage ist die schwerste Trad-Linie meiner bisherigen Karriere. Selbst mit Bohrhaken wäre das eine sehr solide 9a.
Adam Ondra, 2024
Connor Herson ist erst der sechste Begeher der Linie in Annot, die derzeit als schwierigste Trad-Linie Frankreichs gilt. Mit seinen 22 Jahren ist er gleichzeitig der jüngste Mensch, der »Bon Voyage« jemals geklettert ist.
Für den Trad-Spezialisten aus den USA war die Route eine willkommene Herausforderung. Denn seit einigen Jahren nimmt sich Herson die weltweit schwersten Projekte im traditionellen Klettern vor – nur um sie häufig innerhalb nur einer Saison abzuhaken.




»Bon Voyage«: Testpiece für Kopf & Körper
Dass »Bon Voyage« Connor Herson trotz breiter Erfahrung im Tradklettern alles abverlangte, spricht einmal wieder für den hohen technischen und physischen Anspruch der Linie. Und dafür, dass James Pearson mit seinem – damals durchaus kontroversen – Vorschlag zur Schwierigkeit Recht behalten sollte: Diese Linie hat den höchsten Trad-Grad E12 absolut verdient.
Der Anspruch von »Bon Voyage« besteht grundsätzlich in den spannungs- und fingerlastigen, extrem präzisen Boulderzügen weit über den Sicherungspunkten. Währenddessen auch noch die mobilen Absicherungen zu legen bringt noch eine zusätzliche physische und mentale Herausforderung mit ins Spiel. Das gilt insbesondere für die schwerste Sequenz nach der letzten Sicherung. Sébastien Berthe bringt es auf den Punkt: »Ein Sturz im falschen Moment kann bei zu viel Schlappseil schlimm ausgehen.«


»Bon Voyage« ist Frankreichs schwerste Trad-Route (Bilder: Raphaël Fourau)
Eine Lektion in Geduld für Connor Herson
Insgesamt verbrachte Connor Herson Ende 2025 zwei Wochen in Annot, um die Route zu projektieren. Dabei erhielt er Gesellschaft von Jacopo Larcher, der »Bon Voyage« im November ebenfalls beging. Ob Larcher damit früher erfolgreich war als Herson ist nicht bekannt. Für den 22-jährigen Herson war die Arbeit an der Linie jedenfalls mit einem intensiven Lernprozess verbunden.
»Ich bin anfangs sehr umsichtig geklettert, um einen Sturz unbedingt zu vermeiden«, schreibt Herson auf Instagram. Dass seine Vorsicht ihn zurückhielt, musste er vor dem Durchstieg erst lernen – und seine Herangehensweise anpassen. Insgesamt benötigte der US-Amerikaner acht Sessions, genauso viele wie Sébastien Berthe, dem 2024 die zweite Wiederholung der Linie gelang.
Ich bin geklettert, um nicht zu stürzen – mein Fokus lag nur darauf, Fehler zu vermeiden. Diese Denkweise zu verändern und einfach um des Kletterns willen zu klettern, darauf bin ich nach dieser Reise am meisten stolz – mehr noch, als die Route tatsächlich zu klettern
Connor Herson

Black Diamond-Serie folgt Connor Herson
Dass Connor Herson seine Begehung von »Bon Voyage« erst jetzt öffentlich macht, ist kein Zufall. Diese Woche erschien die dritte Folge der YouTube-Serie »Born from the Climbing Life« von Black Diamond, die Herson in der Klettersaison 2025 begleitet.
Die erste von vier Folgen zeigte den 22-Jährigen bei seiner Begehung von »Crown Royale« (8c+/E11), die zweite Folge drehte sich um »The Recovery Drink« (8c+/E10). Beide Routen liegen am Jøssingfjord im Süden von Norwegen und wurden 2025 von Herson wiederholt.
»Born from the Climbing Life« zeigt nicht nur Weltklasse-Klettern, sondern auch das Leben hinter den Kulissen der Profisportlerinnen und -sportler. Der Titel der Serie trifft auf Connor Herson in jedem Fall zu: Als Sohn von Yosemite-Legende Jim Herson wuchs Connor an den Bigwalls des Yosemite Valley auf. Mit 14 Jahren kletterte er bereits 8c+, mit 15 gelang ihm die freie Begehung der Nose. Heute zählt Connor Herson zu den versiertesten Multitalenten im Klettersport.
Jetzt anschauen: Connor Herson klettert »Bon Voyage«
Coming soon: Connor Herson im LACRUX Interview
Wie ist das, wenn man mit gerade einmal 22 schon zur Elite im Trad- und Sportklettern gehört? Das wollten wir von Connor Herson selbst hören. Am 21. April erscheint hier bei LACRUX unser Interview mit dem US-Amerikaner, bei dem es neben seinen schwierigen Begehungen auch um die Frage gehen wird, wie man in eine Karriere als Profikletterer hineinwächst. Dabei haben wir auch eine gute Ahnung davon bekommen, um welche Route es in der vierten und letzten Folge von »Born from the Climbing Life« gehen wird.
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Credits Titelbild: Raphaël Fourau / Black Diamond



