Leicht aufsteigen, rasant abfahren – Tourenski Ogso Thor 90 im Test

Mit dem Thor 90 hat Ogso einen leichten Tourenski entwickelt, der lange Aufstiege zwar nicht verkürzt, aber ordentlich erleichtert. Seine abfahrtsorientierte Konstruktionsweise ist fehlerverzeihend und vermittelt in unterschiedlichen Schneebedingungen ein sicheres und kontrolliertes Fahrgefühl. Auf Testfahrt im Vorarlberg.

Es ist Mitte Februar, fühlt sich aber eher an wie Ende März, als wir im Laternsertal mit dem Freetouringski Thor 90 von Osgo losziehen. Im Schatten noch frisch, in der Sonne bereits ordentlich warm, ist der frisch gefallene Neuschnell schneller umgewandelt, als wir Höhenmeter machen können. Dies schmerzt das Powderherz, ermöglicht es aber gleichzeitig, den Thor 90 auf einer Tour bei ganz unterschiedlichen Bedingungen fahren zu können.

Osgo-in-der-Sonne
Seine lange und hochgezogene Nose verleiht dem Ogso Thor 90 viel Auftrieb.

Auftrieb vom Feinsten

Auf den ersten Höhenmetern im Wald liegt noch luftiger Powder. Während wir so dahingleiten, hebt sich die langgezogene Nose des Thor 90 deutlich aus dem Neuschnee und kündigt damit an, was sich später in der Abfahrt bewahrheiten wird: Bei diesem Tourenski braucht man sich um zu wenig Auftrieb nicht zu sorgen.

Der Thor 90 pflügt nicht durch den Pulverschnee, sondern gibt einem das Gefühl, darüber hinwegzugleiten. Kurven lassen sich mit minimalem Kraftaufwand einleiten, wobei das flache Tail hilft, Turns bis zum Schluss kontrolliert und kraftvoll auszufahren.

Ein Genuss im Pulver, macht aber auch bei harten Schneeverhältnissen Spass: Der Thor 90 Tourenski von Ogso.
Ein Genuss im Pulver, macht aber auch bei härteren Schneeverhältnissen Spass: Der Thor 90 Tourenski von Ogso.

Leicht und sicher aufsteigen

Leider treffen wir wirklich einladende Bedingungen nur in den unteren Hängen vor, was uns dazu veranlasst, eine erste Abfahrt schon von halber Höhe aus vorzunehmen. So von wegen lieber den Spatz in der Hand und so. Unten angekommen, montieren wir die Felle gleich wieder, trinken einen Schluck und setzen erneut zum Anstieg an.

Nach ein paar hundert Metern in der prallen Sonne steigen wir bereits auf komplett umgewandeltem Schnee auf. In den steileren Passagen kommt der gute Kantenhalt dieses aufwendig verarbeiteten Skis zum Tragen – ein gutes Gefühl.

Mit seinem Gewicht von 1200 Gramm pro Ski ist der Thor 90 ein angenehmer Begleiter bei langen Aufstiegen.

Thor 90: Präzise und ruhig in der Abfahrt

Ogso hat den Thor 90 wie ein Sandwich gebaut: In der Mitte ist ein Holzkern, aussen verschiedene Einlagen aus Fiberglas, Carbon, Aramid und Basaltfasern. Im Bereich der Bindung ist er speziell verstärkt, eine Stabilisierungseinlage sorgt für die nötige Torsionssteifigkeit.

Kurz vor dem Mittag erreichen wir nach einer kurzen Tragepassage den höchsten Punkt unserer heutigen Tour. Die Rundumsicht ist grandios und auch die Hänge unter uns machen Bock, es richtig pfeifen zu lassen.

Energie tanken nach der ersten Abfahrt.
Energie tanken nach der ersten Abfahrt.

Nach einer kurzen Rast, traversieren wir zu einigen einladenden Hängen, die noch Potenzial für ein paar eigene Spuren aufweisen. Leider sind die Schneeverhältnisse weit entfernt von pulvrig, aber irgendwie doch spannend.

Fehlerverzeihender Allrounder

Der Thor 90 ist sehr stabil und agil – und glücklicherweise verzeiht er so manchen unserer Fahrfehler. Erst weiter unten, wo wir ziemlich überraschend in einen nicht tragenden Deckel reinfahren, ist nichts mehr zu retten und die Schussfahrt endet in einem abrupten Tomahawk. Glücklicherweise kommen Mensch und Material unbeschadet davon – was bleibt ist der weisse Bart und ein breites Grinsen im Gesicht.

Weiter unten entscheiden wir uns dagegen, die verbleibenden Höhenmeter auf dem offiziell empfohlenen und plattgewalzten Weg zu vernichten. Stattdessen wählen wir eine direkte Variante durch Kraut und Rüben, wo der Thor 90 bei ziemlich wechselhaften Bedingungen nochmals seine Trümpfe punkto Wendigkeit, Agilität und Kontrolle ausspielen kann.

Happy Days.

Fazit

Mit brennenden Oberschenkeln und zufriedenem Gemüt erreichen wir den Parkplatz. Die Zufriedenheit, die eine Skitour vermitteln kann, ist immer wieder beeindruckend. Und wenn man dabei noch einen superleichten Allrounder wie den Ogso Thor 90 unter den Füssen hat, macht es umso mehr Spass.

Zwar konnten wir den abfahrtsorientierten Tourenski nicht wie erhofft im knietiefen Pulverschnee testen. Doch die wechselhaften Bedingungen, die wir an jenem Wintertag antrafen, haben uns seine Vielseitigkeit eindrücklich aufgezeigt.

Der Thor 90 von Ogso ist leicht genug, um einem lange Aufstiege zu versüssen und gleichzeitig stabil genug, damit man rasante Abfahrten sicher geniessen kann.

Ogso Thor 90 im Überblick

Ogso-Thor-90-Freetouring-Ski
  • Gewicht: 1200 Gramm pro Ski (bei 160 cm Länge)
  • Einsatzbereich: Skitouren, Skihochtouren, Freeriding
  • Tip- und Tail-Rocker
  • Sandwichbauweise
  • Holzkern aus Paulownia
  • Einlagen aus triaxialem Fiberglas, Carbon, Aramid und Basaltfasern
  • Torsionsstabilisierung aus Carbon und Fiberglas
  • Verstärkung im Bindungsbereich
  • Dämpfende Schicht im Bereich der Kanten
  • Verstärktes Skiende

Das könnte dich interessieren

Aktuell

Der 17-Jährige Erwan Legrand löst eins der größten Rätsel des Sportkletterns

35 Jahre lang war »Le Bombé Bleu« ein Projekt, an welchem sich selbst die Weltbesten gescheitert sind. Nun ist die Erstbegehung einem Kletterer gelungen, der gerade mal halb so alt ist, wie das Projekt selbst. Am 11. Februar 2025 klettert Erwin Legrand »Le Bombé Bleu« in Buoux, Frankreich, als Erster durch – und das ohne Kletterschuhe.

Jakob Schubert sendet Ephyra (8C+) im Tessin

Jakob Schubert hat mit Ephyra (8C+) im Tessin den nächsten superharten Boulder bezwungen – und das nur wenige Wochen, nachdem ihm Shaolin (9A) in den Red Rocks gelungen war. Das noch junge Jahr fängt für Jakob also ziemlich gut an!

Alex Megos holt sich die erste Wiederholung von »Le bruit de l’acid« (9b)

Die neuste 9b auf der langen Tickliste von Alex Megos ist »Le bruit de l’acid«, eine 9b in Claret, Montpellier, Frankreich. Der deutsche Spitzenkletterer schaffte den Durchstieg in nur vier Sessions.

Er hat’s schon wieder getan: Adam Ondra flasht »The Lion’s Share« (8C) in Brione

Der tschechische Ausnahmekletterer hat im Tessin den vierten 8C-Flash der Welt hingelegt. Er ist damit der erste Mensch, der zwei Boulder in diesem Grad geflasht hat.

Der 17-Jährige Erwan Legrand löst eins der größten Rätsel des Sportkletterns

35 Jahre lang war »Le Bombé Bleu« ein Projekt, an welchem sich selbst die Weltbesten gescheitert sind. Nun ist die Erstbegehung einem Kletterer gelungen, der gerade mal halb so alt ist, wie das Projekt selbst. Am 11. Februar 2025 klettert Erwin Legrand »Le Bombé Bleu« in Buoux, Frankreich, als Erster durch – und das ohne Kletterschuhe.

Jakob Schubert sendet Ephyra (8C+) im Tessin

Jakob Schubert hat mit Ephyra (8C+) im Tessin den nächsten superharten Boulder bezwungen – und das nur wenige Wochen, nachdem ihm Shaolin (9A) in den Red Rocks gelungen war. Das noch junge Jahr fängt für Jakob also ziemlich gut an!

Alex Megos holt sich die erste Wiederholung von »Le bruit de l’acid« (9b)

Die neuste 9b auf der langen Tickliste von Alex Megos ist »Le bruit de l’acid«, eine 9b in Claret, Montpellier, Frankreich. Der deutsche Spitzenkletterer schaffte den Durchstieg in nur vier Sessions.