In geneigtem oder nur senkrechtem Kletterterrain haben viele Angst vor einem Sturz. Entsprechend gehemmt wird geklettert und die vorhandene Kraft und das Können wird nicht optimal ausgeschöpft. Zum Abbau der Sturzangst ist ein systematisches Sturztraining nötig.

Ein Gastbeitrag von Katharina Völker von target10a.com

Lange Routen solltest du möglichst mit der Stürzen-ist-jederzeit-ungefährlich-Mentalität klettern. Voraussetzung sind gute Ausrüstung und ein vertrauenswürdiger Sicherungspartner. Nur, wenn du es schaffst dich von der Sturzangst zu befreien und solange zu klettern, bist dir die Hände am Griff aufgehen, wirst du deine Kraft und Technik ausschöpfen können.

Auch erfahrene Kletterer haben mit der Sturzangst zu kämpfen

Gelegentlich höhre ich einen erfahrenen Kletterer klagen, dass er immer noch mit Sturzangst ringt. Dies liegt daran, dass die Sturzangst nicht systematisch durch Erfahrung beim Klettern abgebaut wird. Nur wer regelmässig stürzt, baut seine Sturzangst auch ab.

Regelmäßiges Sturztraining zur Bekämpfung der Sturzangst

Von Sturztraining wirst du in vielerlei Hinsicht profitieren. Du lernst zunächst einmal dem Sicherungssystem zu vertrauen. So können die fast schon lächerlichen Ängste, wie das Reißen des Seils oder das Brechen eines Bohrhakens, abgebaut werden. Aber noch wichtiger ist, dass du lernst, wie man richtig fällt – aufrecht mit entspannten Körper und ohne, dass dein Fuß in das Seil einfädelt oder am Felsen hängen bleibt. Das alles sind die kritischen Fähigkeiten, die durch Übung weitgehend unbewusst werden sollen.

Schließlich nehmen diese Übungsstürze in sicheren Situationen allmählich die angeborene Angst vorm Stürzen. Mit der Zeit werden sich diese Erfahrungen in deinem Gedächtnis einprägen. Dadurch baust die die Angst vor dem Stürzen ab und bist in der Lage die richtigen Entscheidungen während des Kletterns zu treffen. Du kannst soviel klettern wie du willst, es wird dir nicht die Sturzangst nehmen. Aber du wirst lernen, mit dieser Angst so umzugehen, dass sie dich beim Klettern nicht hindert.

Durchführung des Sturztrainings

Dein Sturztraining funktioniert am besten in der kontrollierten Umgebung einer Kletterhalle oder einer gut abgesicherten Route im Klettergarten. Übe in einer etwas überhängenden Sportkletterroute, die keine hervorstehenden Griffe enthält. Verwende ein gutes Seil, überprüfe deinen Knoten und Gurt und lasse dich von einem erfahrenen Sicherer sichern. Beginne mit kurzen Stürzen, mit Knie auf Hakenhöhe an. Inklusive Seildehnung wird das in etwa zu einem eineinhalb oder zwei Meter weiten Sturz führen. Wenn du dich an diese kurze Fallhöhe gewöhnt hast, kletterst du ein wenig höher, so dass die Füße ungefähr auf Hakenhöhe sind. Je nachdem wieviel Seil bereits ausgegeben wurde, respektive wie weit du bereits geklettert bist, führt das zu einem mittellangen Sportklettersturz von mehr oder weniger drei Metern.

Höhere Trainingsstürze im Überhang

Trainiere diese kurz- und mittellangen Stürze mindestens einmal pro Woche für ein paar Monate. Nach und nach wirst du diese Stüze als „No-Big-Deal“ empfinden, was sie de facto auch sind. Einige Kletterer gehen noch weiter und machen Übungsstürze bei denen die Füße einen halben Meter oder mehr über der letzten Sicherung stehen – diese längeren Sportkletterstürze können insgesamt 4 bis 6 Meter Länge erreichen, in Abhängigkeit von der Kletterhöhe, der Seildehnung und wieviel Seil der Sicherer ausgibt. Diese längeren Stürze sollten immer auf mindestens 30° überhängenden Routen durchgeführt werden. Dadurch fällst du frei in die Luft. Die Wahrscheinlichkeit, dass du gegen den Fels schlägst oder mit dem Fuß ins Seil fädelst, ist dabei gering. Wichtig bei allen Sturzhöhen: Klettere zuerst genügend weit in der Route hoch, damit es auch bei einem zu dynamischen Sichern nicht zum Bodenkontakt kommt!

Langfristige Anstrengung nötig

Langfristig wirst du dich in sicheren Situationen von der Angst zu Stürzen lösen und damit frei und ohne Angst klettern können. Gelegentlich wird es immer noch Situationen geben, die dir aus irgendeinem Grund ein wenig Angst macht. Vielleicht hast du Angst, du könntest beim Sturz etwas pendeln oder die Kletterposition ist ausgesetzt. In diesem Fall profitierst du enorm von einem einzelnen in ebendieser Situation. Führe einen bewussten und geplanten Sturz an der Stelle durch, um bei einem richtigen “Go” vorbereitet zu sein und dich weniger mit der Angst als mit dem Klettern beschäftigt zu sein.

Schritt für Schritt die Angst vor dem Stürzen abbauen

Letztendlich ist der Kampf gegen die Sturzangst ein langfristiges Unterfangen. Wir sprechen nicht von Tagen oder Wochen, sondern von Monaten oder Jahren, um das Problem in den Griff zu bekommen. Es ist ein langer Prozess, für den zwei Voraussetzungen notwendig sind: Die Bereitschaft für regelmäßige Trainingsstürze, sowie den Mut, sich selbst an die Grenzen zu bringen und reale Stürze beim Klettern im Durchstiegsversuch in Kauf zu nehmen.


Artikel für dein persönliches Trainings findest du auf www.target10a.com.


 

Credits: Originalartikel von Eric Hörst erschienen am 19.02.2015 auf trainingforclimbing.com. Übersetzt mit freundlichem Einverständnis von Eric Hörst.

Hinweis: LACRUX übernimmt keine Verantwortung für die Durchführung deines Sturztrainings. Die oben beschriebene Trainingsanordnung ist eine Empfehlung und Bedarf der nochmaligen Prüfung durch eine erfahrene Person.

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