In der Disziplin Lead setzte sich Hannah Maul als eine der Favoritinnen in absolut bravuröser Manier durch. Bei den Herren sorgte Yannick Nagel mit seinem Erfolg für eine faustdicke Überraschung. Denn nach dem Halbfinale gab es wohl wenige Zweifel daran, dass Yannick Flohé den Sieg holen würde. Die extrem schwierige und anspruchsvolle Finalroute machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung.

Spätestens im Halbfinale hatte sich bereits abgezeichnet, in welch grossartiger Form Hannah Meul und Yannick Flohé derzeit sind. Sie waren die beiden einzigen, die die brettharten Routen toppen konnten. Und damit realisierten sie das, was das Routenschrauberteam um Christian Bindhammer geplant hatte: ein Top pro Route, das Konkurrenzfeld gut auf den Rest der Route verteilt.

Diesen Gefallen taten die anderen denn auch. Richtig gute Vorstellungen lieferten Till von Bothmer und Lucia Dörffel ab: Beide kamen bis auf ganz wenige Züge ans Top heran. Und nur knapp hinter diesen beiden reihten sich Yannick Nagel und Martina Demmel ein. Diese knappen Ergebnisse versprachen ein spannendes Finale – und das sollte denn auch kommen. 

Yannick Flohé im Halbfinale. Foto: Marco Kost
Yannick Flohé im Halbfinale. Foto: Marco Kost

Knallhartes Herrenfinale mit dicken Überraschungen

Gleich der Anfang war ungewöhnlich: Um Punkt 19 Uhr sollte eigentlich die Besichtigung der Routen durch die Athletinnen und Athleten beginnen. Das ging aber nicht, denn die Hebebühne, mit der die Routensetzer an der Wand arbeiteten, streikte und ließ sich partout nicht ausfahren. Unter lautstarkem Beifall des Publikums bewegte sich das Gerät schließlich aber doch und mit 15 Minuten Verspätung konnte der sportliche Teil des Abends losgehen.

Als erster ging Jan Hojer an den Start. Auf seine Form waren viele gespannt, nachdem der Olympiateilnehmer von Tokio eine etwas längere Wettkampfpause eingelegt hatte. Die ersten Passagen gingen ihm gut von der Hand, aber bei 33+ war dann doch überraschend früh Schluss, Hojer war die Enttäuschung anzusehen.

«Damit habe ich niemals gerechnet. Die Route ist mir richtig gut gelaufen.»

Yannick Nagel

Dass die Höhe nicht so schlecht war, stellte sich im weiteren Verlauf des Wettkampfs heraus. Denn von den folgenden vier Kletterern gelang es nur Linus Raatz mit 39+, ein paar Griffe weiter zu kommen. Erst Yannick Nagel kam mit 43+ deutlich weiter als Hojer. Dass diese Höhe für den Titel reichen würde, war allerdings nicht absehbar. Wie unglaublich hart die Route war, zegte sich dann endgültig bei Till von Bothmer, der auch unterhalb der Marke von Hojer ins Seil fiel.

Nun durfte man gespannt sein, wie Yannick Flohé die technisch extrem schwierigen Züge insbesondere im Mittelteil an einer überhängenden Verschneidung schaffen würde. Und dann kam die Riesenüberraschung: Flohé rutsche ebenfalls unterhalb von Hojer aus der Route. Und damit holte durchaus ein Yannick den Titel, aber nicht Flohé, sondern Nagel. «Damit habe ich niemals gerechnet», sagte er frisch gebackene Deutsche Meister. «Die Route ist mir richtig gut reingelaufen.»

Hannah Meul in der Finalroute. Bild: Marco Kost
Hannah Meul in der Finalroute. Bild: Marco Kost

Damenfinale: Der Tanz zum Titel

Die große Frage war nun: Würden die Damen ähnlich große Probleme mit der Route haben. Zumindest nach den ersten beiden Starterinnen, Elisa Koppelmann und Emma Bernhard, sah es so aus. Erst die dritte Starterin, Anna-Lena Wolf, erreichte in der von flachen Griffen geprägten Route den oberen Wandteil und die Wertung 30+. Nach ihr stürzte Mia Guttenberger dann aber doch wieder weit unten.

Eine tolle Vorstellung lieferte Roxana Wienand ab. Mit der Wertung 33+ setzte sie sich zunächst an die Spitze des Feldes. Noch besser allerdings die Performance von Martina Demmel, der Vorjahressiegerin: Sie kam bis in den obersten Routenbereich und löste Wienand mit der Wertung 38+ an der Spitze ab. Freilich war noch nichts entschieden, denn die beiden Besten kamen ja noch. Zunächst Lucia Dörffel: Recht lange kam sie mit der Route gut zurecht, schaffte aber nicht ganz die Höhe von Demmel.

Würde die alte auch die neue Deutsche Meisterin sein? Diese Frage konnte nur Hannah Meul klären. Locker und souverän stieg sie durch den unteren Wandteil. Und durch den mittleren. Und durch en oberen. Erst ganz kurz vor dem Top flog sie dann doch aus der Route – den Titel hatte sie damit sicher. «Das ist ein perfekter Saisonabschluss», sagte die strahlende Siegerin. «Ein letztes Mal tanzen, es hat so viel Spaß gemacht!»

«Das ist ein perfekter Saisonabschluss. Ein letztes Mal tanzen, es hat so viel Spass gemacht.»

Hannah Meul

Die Ergebnisse im Detail

37 Damen und 35 Herren gingen bei der Deutschen Meisterschaft im Leadklettern in Neu-Ulm an den Start.  

Das Damenpodium

  1. Hannah Meul
  2. Martina Demmel
  3. Lucia Dörffel

Das Herrenpodium

  1. Yannick Nagel
  2. Linus Raatz
  3. Jan Hojer

Das komplette Ergebnis gibt es hier.

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Titelbild: Marco Kost

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