Der 18. Walter Bonatti – Piolets d’Or Lifetime Achievement Award geht an Peter Habeler. Der Österreicher erhält die Auszeichnung Ende Oktober im französischen Oisans, wo die Piolets d’Or nach zehn Jahren zurückkehren.
Ausgezeichnet wird die Haltung, nicht die Route
Die Piolets d’Or haben den Träger ihres Ehrenpreises bekannt gegeben: Peter Habeler, Jahrgang 1942 aus Mayrhofen im Zillertal, seit 1965 Bergführer. Der Lifetime Achievement Award würdigt keine einzelne Begehung, sondern die Laufbahn eines Alpinisten oder einer Alpinistin. Die Begründung der Organisatoren zielt dementsprechend auf ein Prinzip: „Die Piolets d’Or fördern fortschrittliches Bergsteigen im Alpinstil – mit weniger mehr erreichen. Unsere Auszeichnungen stehen für dieses Ethos, aber ebenso für Entdeckergeist, hohen Einsatz und Eigenständigkeit. All das verkörpert die Laufbahn von Peter Habeler auf perfekte Weise.“ erklärt die Organisation in ihrer Pessemeldung.

Damit ist der Preis weniger eine Ehrung für einzelne Gipfel als für die Art, wie Habeler sie erreicht hat: schnell, leicht und ohne fremde Infrastruktur. Es ist die 18. Vergabe des Preises. Reinhold Messner erhielt ihn 2010, der Brite Doug Scott ein Jahr später. Beide waren Seilpartner Habelers: Messner über zwei Jahrzehnte, Scott 1970 an der Salathé Wall, wo Habeler als erster Europäer eine Bigwall am El Capitan kletterte.

Zehn Stunden durch die Eiger-Nordwand
Bekannt wurde die Seilschaft Habeler/Messner im August 1974 in der Eiger-Nordwand. Um 5 Uhr stiegen die beiden ein, um 14 Uhr standen sie in den Ausstiegsrissen, eine Stunde später am Gipfel. Zehn Stunden brauchten sie also für den Aufstieg. Der bis dahin gültige Seilschaftsrekord aus dem Jahr 1950 lag bei 18 Stunden. Unterboten wurde die Zeit erst 30 Jahre später: 2004 durch Stephan Siegrist und Ueli Steck in neun Stunden.

Hidden Peak und der Everest ohne Flasche
Ein Jahr nach dem Eiger übertrugen die beiden ihr Prinzip auf die höchsten Berge: 1975 gelang ihnen am Gasherbrum I (8.080 m) die erste Besteigung eines Achttausenders im Alpinstil, in einem Rundgang von fünf Tagen und mit einem kleinen Biwakzelt und Kocher als gesamter Ausrüstung.
1978 folgte die Besteigung des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff. Habeler war kurz zuvor Vater geworden und im Vorfeld deutlich zurückhaltender als Messner, am Ende stiegen die beiden trotzdem wie geplant gemeinsam ein.

Ich hatte mehr Angst vor der Besteigung als währenddessen. Je höher wir kamen, desto mehr fühlte es sich an, als würde ich in den Alpen klettern.
Peter Habeler im Porträt der Piolets d’Or
Danach lehnte er Messners Einladung ab, die übrigen Achttausender anzugehen, und blieb bei Familie und Skischule. In den 1980ern kehrte er trotzdem in den Himalaja zurück: Nanga Parbat 1985, Cho Oyu 1986 und 1988 der Kangchendzönga über die Nordwand mit Carlos Buhler und Martín Zabaleta – für ihn selbst die eindrücklichste seiner Expeditionen. 2017 stieg Habeler mit knapp 75 Jahren erneut durch die Eiger-Nordwand, gemeinsam mit David Lama, an einem Tag.
Sechs Alpinist:innen in der Jury
Die Verleihung findet vom 21. bis 25. Oktober 2026 in Oisans-Vénéon statt. Basislager ist Saint-Christophe-en-Oisans, das Programm erstreckt sich über das gesamte Vénéon-Tal. Für die Piolets d’Or ist es die Rückkehr in den Oisans, zehn Jahre nach der Ausgabe 2016 in La Grave. Die internationale Fachjury 2026 besteht aus sechs bekannten Alpinistinnen und Alpinisten: Lise Billon, Jordi Corominas, Luka Lindič, Young Hoon Oh, Paul Ramsden und Enrico Rosso.
Die „Big List“ 2025 steht
Zeitgleich veröffentlicht wurde die „Big List„, die Sammlung bedeutender Begehungen des Jahres 2025, aus der die Jury für die Oscars des Alpinismus auswählt. Zusammengestellt hat sie Lindsay Griffin vom American Alpine Journal. Nicht jede der gelisteten Begehungen käme für einen Piolet d’Or infrage, heißt es von den Organisatoren. Alle gelten aber innerhalb ihrer jeweiligen Region als bemerkenswert und abenteuerlich.

Auf der Liste findet sich auch deutschsprachige Beteiligung: Thomas Huber, Jon Griffin und Tad McCrea (beide aus den USA) mit der Erstbesteigung des Suma Brakk West (6.120 m) im Panmah Muztagh, David Göttler mit der ersten Alpinstil-Begehung der Schell-Route am Nanga Parbat, Felix Berg an der Südostwand des Numbur sowie die neue Mixed Route „Rainborn“ von Ines Papert und Amelie Kühne in Norwegen. Aus der Schweiz stehen Silvan Schüpbach und Filippo Sala gleich doppelt auf der Liste: mit „Luce e Tenebre“ (M8 A3) durch die Nordwand der Punta Pioda, erstbegangen im März gemeinsam mit Roger Schäli, und mit „Le clin d’œil“ (M7 WI3) an der Nordwestwand der Dent Blanche, die sie zum Jahreswechsel mit Olivier Kolly eröffneten. Ebenfalls gelistet ist „Imaqa“ (7a C1) im Graah Fjord in Ostgrönland: 1.000 Klettermeter an einer namenlosen, 600 m hohen Formation, erstbegangen Anfang August von Naomie Bürki, Lea Schneider und Ramona Volken von der Nachwuchsförderung des SAC.

Im September folgen die Preisträger:innen
Welche Begehungen tatsächlich ausgezeichnet werden, geben die Piolets d’Or nach eigenen Angaben im September bekannt. Wir sind wahnsinnig gespannt auf die Preisträger:innen der Oscars des Alpinismus und können euch nur wärmstens empfehlen euch einige der „Big List“-Begehungen direkt mal genauer anzuschauen.
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Credits Titelbild: Peter Habeler

