Der amerikanische Kletterprofi Paul Robinson plante einen langen Kletterurlaub in der Schweiz. Doch die Corona-Pandemie machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Wir haben mit ihm über seine Zeit in der Schweiz, seinen Rückkehr-Entscheid, die Überbewertung von Bouldern im Tessin und seine Rolle als Botschafter von Prana gesprochen.

Das Interview führte Remo Schläpfer

Du warst 2019 hier im Tessin. Dieses Jahr bist du bereits wieder in die Schweiz gefahren und wolltest sechs Wochen in der Sonnestube der Schweiz verbringen. Was hat dich zurück in die Schweiz gebracht und weshalb für sechs Wolchen?

Hauptgrund war die schier unendliche Menge an genialen Blöcken hier im Tessin. Ich habe den Eindruck, man könne hier so oft kommen wie man will und trotzdem hat es immer wieder neue Linien und Blöcke zu entdecken. Ich hatte viele Linien im Kopf, die ich während den sechs Wochen klettern wollte.

Eine weitere Traumlinie, die Paul Robinson während seines Aufenthaltes kletterte: Momentum (~8b+).

Hast du spezifisch für deinen Schweiz-Aufenthalt trainiert?

Ja. Ich habe häufig Weighted Hangs und Trainingssessions am Moonboard gemacht.

Was war das Hauptziel deines Trips? Wolltest du so viele Boulder wie möglich klettern? Oder hattest du eine besonders schwere Linie im Kopf? Oder Erstbegehungen?

Eines meiner grössten Ziele war die Linie REM am Dreamtime-Block. Den Boulder konnte ich dann sehr schnell klettern, womit ich neue Ziele festlegte. Eine Linie, dich ich gerne geklettert wäre, ist Poison the Well in Brione. Doch der Boulder war meist nass, als ich da war. Aber ich habe viele andere neue Linien angeschaut. Leider mussten wir dann unsere Reise frühzeitig beenden.

Paul Robinson in Marzipan (7a+), Val Bavona

Wie vielen anderen auch, hat dir die Corona-Krise einen Strich durch die Rechnung gemacht und du hast dich kurzfristig entschlossen, nach Hause zurückzukehren. Wie war die Stimmung der letzten Tage im Tessin?

Ein Freund aus den Vereinigten Staaten hat mir einen Artikel geschickt, in dem gesagt wurde, dass die Grenzen möglicherweise bald geschlossen werden. Wir wollten eigentlich absolut gar nicht nach Hause fahren, doch gleichzeitig wollten wir auch nicht auf unbestimmte Zeit hier festsitzen.

Wir haben realisiert, dass sich die Lage zuspitzt und es besser ist, nach Hause zu gehen.

Paul Robinson

Wie sieht dein Alltag zu Hause seit der Rückkehr aus?

Na ja, ich stelle einfach sicher, dass ich meinen Beitrag leiste. Ich bleibe zu Hause und lasse mir die Einkäufe nach Hause liefern, während ich hier in der Quarantäne bin. Ich habe mir eine Trainingswand draussen im Garten gebaut, damit ich weiterhin trainieren kann und nach der Krise wieder fit bin für Sessions am Fels.

Bei unserem letztjährigen Treffen hast du uns gesagt, du würdest dich vegan ernähren. Ist das noch aktuell? Warum hast du dich entschieden, auf tierische Lebensmittel zu verzichten?

Ja, ich ernähre mich immer noch vegan. Für mich ist es aus verschiedenen Gründen wichtig. Hauptsächlich geht es mir um unseren Planeten. Die industrielle Tierhaltung ist einer der Hauptverursacher der globalen Erwärmung und die Massentierhaltung entspricht nicht meinen Werten. Und schlussendlich geht es mir auch um meine persönliche Gesundheit. Ich habe intensiv mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt und bin zum Schluss gekommen, dass die vegane Ernährung am gesündesten ist und mir alles gibt, was ich brauche, um mein Potenzial beim Klettern voll auszuschöpfen.

Paul Robinson bei der zweiten Begehung des Boulders Murder One, Cevio. (Bild Lizzy Ellison)

Als professioneller Kletter bist du ein Vorbild für viele Menschen. Nutzt du deine Stimme, um Themen wie Veganismus, Klimaerwärmung aufs Tapet zu bringen?

Manchmal ja. Aber es ist auch immer heikel, wenn man zu solchen Themen Stellung bezieht. Ich mache das nur dann, wenn ich mich gut über ein Thema informiert habe. Auf Beiträge zu diesen Themen kommen schnell sehr heftige Reaktionen und Kritik. Wenn jemand mehr über vegane Ernährung wissen möchte, gebe ich noch so gerne Auskunft. Aber ich bin kein Experte und halte mich deshalb zurück, öffentlich darüber zu schreiben.

Bild Paul Robinson

Als Profi in deiner Situation kannst du frei wählen, welche Marke du vertreten möchtest. In deinem Fall ist das unter anderem die Bekleidungsmarke Prana. Warum Prana?

Prana ist eine der genialsten Marken in der Outdoorbranche. Unser Planet und vegane Ernährung sind für mich von hoher Bedeutung und ich möchte nicht nur davon reden, sondern die Themen ernst nehmen. Prana setzt sich sehr stark für eine organische und nachhaltige Produktion seiner Kleider ein. Und das ist mir sehr wichtig. Ich möchte nicht bei einer Firma wie Adidas unter Vertrag stehen, die unseren Planeten zerstört und ihre Kleidungsstücke in Fabriken herstellt, in denen Leute ausgebeutet werden. Prana steht für das, wofür ich lebe!

Über Prana
Gegründet wurde Prana von Beaver und Pam Theodosakis in Carlsbad, Kalifornien. Die ersten Kleidungsstücke fürs Klettern und Yoga haben die beiden in ihrer Garage aus Öko-Materialien genäht, Etiketten aus recyceltem Papier drangehängt und die fertigen Produkte in alten Obstkisten verschickt. Seither ist Prana zu einer globalen Marke gewachsen, hat diese Grundwerte jedoch nie vergessen.

Prana steht für das, wofür ich lebe!

Paul Robinson

Was ist dein Lieblingskleidungsstück von Prana?

Ich liebe die Crew T-Shirts und die Furrow Pants!

Prana Crew T-Shirt

Zurück zum Thema Bouldern. Zwei Linien, die du geklettert bist, waren Erstbegehungen von Giuliano Cameroni. Du hast die Boulder stark abgewertet. Bist du momentan so verdammt stark?

Ich habe den Eindruck, dass in jüngster Vergangenheit viele Boulder zu schwer bewertet werden, um Aufmerksamkeit auf Social-Media-Plattformen zu generieren. Ich möchte sicherstellen, dass die Bewertung von Linien weltweit einheitlich sind. Klettern und Bouldern kann man nicht mehr ernst nehmen, wenn man einen Boulder einfach 8c+ nennen kann, ohne das irgendwie zu untermauern. Nur durch eine einheitliche Bewertung/Standardisierung können wir die Glaubwürdigkeit unseres Sports aufrechterhalten. Ich hoffe, dass auch andere Kletterer nicht einfach den vorgeschlagenen Grad übernehmen, nur um Klicks auf Youtube zu generieren und Berühmtheit zu erlangen.

Unser Sport wird nicht mehr ernst genommen, wenn man einen Boulder einfach 8c+ nennen kann, ohne das zu untermauern.

Paul Robinson
Den Boulder REM (8c+) bewertete Paul Robinson mit 8b+. (Bild Lizzy Ellison)

Ich kann mir vorstellen, dass du ein paar offene Rechnungen in der Schweiz hast, weil du so plötzlich abreisen musstest. Wann kommst du zurück ins Tessin?

Ich hoffe sehr, dass ich in nächsten Winter wieder kommen kann. Wenn dann diese verrückte Geschichte mit dem Coronavirus vorüber ist. Ich habe noch so viele Projekte und kann es kaum erwarten zurückzukehren.

Gibt es einen Boulder – in der Schweiz oder sonstwo – , den du unbedingt mal noch klettern möchtest?

Da gibt es so viele, die kann ich gar nicht aufzählen. Ich möchte mich stets weiterentwickeln und weiterkommen. Ich habe einen guten Weg gefunden, wie ich mich vor Klettertrips vorbereiten kann und habe das Gefühl, dass ich die härtesten Boulder der Welt in Angriff nehmen kann. Ich kann es darum kaum erwarten, bis die Corona-Krise vorüber ist und dann geht’s ab an den Fels!

Du hast eine Video-Serie mit dem Titel “Race to 1’000” lanciert. Dein Ziel ist es, 1’000 Boulder mit einer Schwierigkeit von 8a (oder schwerer) zu klettern. Momentan bist du bei Nummer 995. Welchen Boulder sparst du dir für die letzte Begehung?

Es wäre ein absoluter Traum, wenn Hypnotized Minds die Nummer 1’000 sein würde. Das ist eine wahrer 8c+ Boulder!

Video über den Schweiz-Aufenthalt von Paul Robinson und Lizzy Ellison

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Credits: Titelbild Paul Robinson

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