Der Belgier wiederholt die 2014 von Dave McLeod erstbegangene Linie an der Nordwand der Cima Ovest di Lavaredo. Er verband dabei die drei härtesten Seillängen und kletterte 50 Meter am Stück durch das grosse Dach. Den Grad wertete er nach seiner Begehung ab.

Ein Bericht von Siebe Vanhee

Das grosse Dach der Cima Ovest an den Drei Zinnen ist einfach atemberaubend! Die Huber-Routen Bellavista und Panaroma liessen mich jahrelang davon träumen, dieses Dach zu durchklettern. Zusammen mit Pete Low wollte ich die Linie Project Fear angehen, die 2014 von Dave MacLeod eröffnet wurde. Sie geht ziemlich gerade durch den rechten Teil des Daches. Dave kombinierte die Bauer-Route, eine alte Aid-Route, mit der Schlüssellänge von Panaroma (8c), indem er drei Seillängen ergänzte (6c, 7b+, 8a+)

Zwei Tage haben Pete Low und ich die Schlüssellängen ausprobiert. Allerdings musste Pete dann die Segel streichen – eine alte Verletzung machte ihm zu schaffen. Wir waren beide enttäuscht, aber es war die klügste Entscheidung. Nichtsdestotrotz war Pete aufgeregt, dass ich versuchen würde, Project Fear zu klettern – aber nicht auf die normale Weise! Er hatte die Idee, alle Seillängen, die durch das Dach gehen, in einem riesigen 50-Meter-Push zu verbinden. Das bedeutet: Dave MacLeods 7b+, 8a+ und die 8c-Länge von Panorama zu verbinden!

Siebe Vanhee in der Nordwand der Cima Ovest di Lavaredo. (Bild: Klaas Willems)
Siebe Vanhee in der Nordwand der Cima Ovest di Lavaredo. (Bild: Klaas Willems)

Mit Petes Vision und der Unterstützung des einheimischen Dolomitenkletterers Nico Cad bin ich eingestiegen. Es war eiskalt und in der Ferne waren Wolken zu sehen, was dem Unterfangen einen noch abenteuerlicheren Rahmen gab. Am Beginn des Daches angekommen, habe ich mich mit viel Seil auf den Weg gemacht. Die Verbindung der 7b+ mit der 8a+ fühlte sich gut an. Zu Beginn der 8c ist ein guter Rastpunkt, bei dem ich mich ziemlich gut erholen konnte. Ich ging weiter und kam in die erste Schlüsselstelle, wo mein Fuss abrutschte.

“Als ich den erlösenden Griff

nach der Dachkante greifen wollte,

verlor ich plötzlich den Halt und rutschte ab.”

Siebe Vanhee

Ich hatte super kalte Füsse und war wahrscheinlich zu nervös. Ich kehrte zum Standplatz zurück, ruhte mich 15 Minuten aus und stieg wieder ein. Diesmal fühlte ich mich gut aufgewärmt, hatte warme Füsse und glaubte, es zu schaffen! Die erste Crux gelang und ich bin ziemlich solide in die zweite Crux gestartet. Als ich den erlösenden Griff nach der Dachkante greifen wollte, verlor ich plötzlich den Halt und rutschte erneut ab.

Unglaublich… ich war so nah dran! Am Boden zerstört kehrte ich wieder zum Standplatz zurück, wo ich eine weitere Stunde ausruhte, bevor ich zu meinem letzten Versuch ansetzte. Nico war die beste Unterstützung, er wartete geduldig in der Kälte. Ich war überzeugt, dass ich es schaffen würde, ich hatte noch etwas Energie in meinen Armen. Zum dritten Mal hing ich am Rastplatz vor dem 8c-Teil und schaute hinauf zu den beiden Schlüsselstellen im Dach. Vollständig erholt stieg ich ein.

“MacLeods 8a+ fühlte sich eher wie 8a an

und die 8c von Panorama eher wie 8b.”

Siebe Vanhee

Am Dachrand angekommen habe ich alles gegeben und diesmal den letzten Zug übers Dach gepackt! Meine Freudenschreie wurden von einem grossen Publikum in der kleinen Hütte unterhalb der Cima Ovest beantwortet. Drei Stunden und ein bisschen Schneefall später standen wir auf dem Gipfel.

Nach dem 50-Meter-Link der Dachlängen möchte ich meine Meinung zum Grad dieser Route äussern: MacLeods 8a+ fühlte sich eher wie 8a an und die 8c von Panorama eher wie 8b. Ich möchte die beeindruckenden Erstbegehungen sowohl von MacLeod als auch von den Huber-Brüdern nicht unterschätzen. Ich kann verstehen, wie einschüchternd eine Erstbegehung in diesem Dach ist. Vielen Dank an alle für die Arbeit und die Vision. Für den 50-Meter-Link würde ich den Grad 8b+ oder 8c in Betracht ziehen. Warten wir eine zweite Begehung ab, um eine endgültige Bewertung vorzunehmen.

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Credits: Titelbild Klaas Willems