Wie viel bringt Kreatin für Kletterer wirklich? | Selbstversuch

Nur wenige Gramm Kreatin täglich sollen Regeneration und Muskelaufbau fördern – auch beim Klettern und Klettertraining. Um die Vorteile von Kreatin beim Thema Fingerkraft zu testen, wagt Lattice den Selbstversuch.

«Unglaublich» nannte Magnus Midtbø die Fortschritte, die er nach seiner zweimonatigen Kreatin-Phase in seinem Training erzielt hatte. Der norwegische Profikletter nahm im Selbstversuch zum ersten Mal Kreatin. Das Resultat: fünf Kilogramm Körpergewicht mehr und neue Rekorde bei diversen Trainingsübungen. Sollten wir jetzt alle Kreatin nehmen?

So wirkt Kreatin im Körper

Kreatin ist ein körpereigener Stoff, der vor allem in den Muskelzellen gespeichert wird und dort als schneller Energielieferant bei kurzen, intensiven Belastungen dient. Es hilft, ATP (Adenosintriphosphat), die primäre Energiequelle der Zellen, rascher wiederherzustellen.

Kreatin versetzt den Körper in einen Zustand, der den Muskelaufbau optimal unterstützt.

Edward Gibson-Smith, promoviert und forscht zu Kreatin
Kreatin wird meist als Pulver in Wasser gelöst. (Bild Lattice Training)

Wird Kreatin extern zugeführt, erhöht es sehr schnell die körpereigenen ATP-Speicher und verbessert dadurch Kraft, Schnellkraft und kurzfristige Leistungsfähigkeit. Zudem kann es das Muskelwachstum unterstützen, indem es die Zellhydratation erhöht und indirekt die Proteinsynthese begünstigt.

Vorteile von Kreatin für Kletterer

Die Vorteile von Kreatin für Kletterer sind im Endeffekt dieselben wie im Kraftsport: Kurzfristig werden Kraft und Schnellkraft erhöht, auch die Erholungszeiten verkürzen sich.

«Vor allem bei maximalkräftigen Anstrengungen kann Kreatin also auch beim Klettern oder kletterspezifischen Krafttraining Vorteile haben», sagt Edward Gibson-Smith, der derzeit im Bereich Sporternährung promoviert und zu Kreatin forscht.

Auch für Frauen mit weniger körpereigenem Kreatin kann das Supplement vorteilhaft sein – oder für Wettkampfkletterer, die auf schnelle Erholung angewiesen sind.

Edward Gibson-Smith

Bessere Griffausdauer in 7 Tagen dank Kreatin?

Um die Wirkung von Kreatin auf die Griffausdauer in der Praxis zu testen, hat eine Kletterer von Lattice im Selbstversuch eine Woche lang täglich 20 Gramm Kreatin genommen – verteilt auf vier Dosen pro Tag. Danach nahm er ein paar Tage lang nur noch 5 Gramm pro Tag.

Anders als bei Midtbø war hier nicht das Ziel, langfristige Trainingseffekte von Kreatin zu beobachten, sondern kurzfristige Auswirkungen auf die Fingerkraftausdauer. Dafür hat das Team von Lattice verschiedene Fingerkraft-Tests von Gibson-Smith durchgeführt. Das Ergebnis: positiv – aber unbedingt differenziert zu betrachten.

Verschiedene Kraftausdauerübungen am Hangboard sollen die Wirkung von Kreatin prüfen (Bild Lattice Training)

Der Kreatin-Selbstversuch: alle Ergebnisse

Im Video von Lattice Training könnt ihr euch den gesamten Selbstversuch mit Kreatin und alle Ergebnisse der Fingerkraft-Tests genau anschauen. Wichtig dabei: Es handelt sich dabei um ein Selbstexperiment eines einzelnen Kletterers, nicht um eine repräsentative Studie.

Generell gilt: Die Wirksamkeit von Kreatin ist zwar gut belegt, kann aber trotzdem bei verschiedenen Personen unterschiedlich ausfallen – das gilt vor allem für die potenzielle Gewichtszunahme durch Wassereinlagerung.

Das könnte dich interessieren

+++

Credits Titelbild: Lattice Training

Yannick Flohé flasht „Flow State“ (8C) im Val Daone

Kurz vor dem Rock Master in Arco, wo er seinen Titel im Bouldern zu verteidigen gedenkt, hat Yannick Flohé im Val Daone "Flow State" (8C) geflasht. Nach "Foundation’s Edge" (8C) ist es sein zweiter Flash in diesem Grad – und laut dem deutschen Profikletterer der deutlich härtere.

Nach „B.I.G.“ nun „DNA“: Jakob Schubert klettert wieder live

Ab Freitag, den 2. Oktober, geht Jakob Schubert wieder Live: Der Österreicher wagt sich an Durchstiegsversuche in Seb Bouins „DNA" (9c) im Verdon und überträgt diese per Livestream. Nach „B.I.G." ist es die zweite 9c, bei der die Szene den Tiroler in Echtzeit am Fels verfolgen kann.

Trad, Bouldern, Sportklettern: 5 Downgrades, die unsere Szene geprägt haben

Ein Griffausbruch, neue Beta oder schlicht eine Meinungsverschiedenheit: Die Abwertung von Bouldern oder Routen kann verschiedene Gründe haben. Wir haben fünf Downgrades gesammelt, die für besonderes Aufsehen gesorgt haben – oder historisch für die Szene wichtig waren.

Aktuell

Yannick Flohé flasht „Flow State“ (8C) im Val Daone

Kurz vor dem Rock Master in Arco, wo er seinen Titel im Bouldern zu verteidigen gedenkt, hat Yannick Flohé im Val Daone "Flow State" (8C) geflasht. Nach "Foundation’s Edge" (8C) ist es sein zweiter Flash in diesem Grad – und laut dem deutschen Profikletterer der deutlich härtere.

Nach „B.I.G.“ nun „DNA“: Jakob Schubert klettert wieder live

Ab Freitag, den 2. Oktober, geht Jakob Schubert wieder Live: Der Österreicher wagt sich an Durchstiegsversuche in Seb Bouins „DNA" (9c) im Verdon und überträgt diese per Livestream. Nach „B.I.G." ist es die zweite 9c, bei der die Szene den Tiroler in Echtzeit am Fels verfolgen kann.

Trad, Bouldern, Sportklettern: 5 Downgrades, die unsere Szene geprägt haben

Ein Griffausbruch, neue Beta oder schlicht eine Meinungsverschiedenheit: Die Abwertung von Bouldern oder Routen kann verschiedene Gründe haben. Wir haben fünf Downgrades gesammelt, die für besonderes Aufsehen gesorgt haben – oder historisch für die Szene wichtig waren.

„King Kang“ (9b+): Jules Marchaland knackt Ondras Dyno-Projekt

Der französische Kletterer Jules Marchaland hat in der Hanshelleren-Höhle bei Flatanger das alte Ondra Projekt „King Kang“ erstbegangen. Für die dynamische Linie schlägt der 25-Jährige eine Bewertung von 9b+ vor.