Alberto Ginés López: jung, stark und wortkarg

Der 18-jährige Spanier ist ein Senkrechtstarter. Doch wer ist er eigentlich? Sinnbildlich für seinen kometenhaften Aufstieg hinken die Informationen zu seiner Person nach. Selbst die spanischen Medien wissen nicht gerade viel über ihren Schützling. Wir tragen mal zusammen.

Es liest sich erschreckend unspektakulär, was man diese Tage rund um die Person Ginés López so im Netz findet.

Schon als Dreijähriger sei er von den Eltern zum Klettern mitgenommen worden, sieben Jahre später erkannte der Trainer David Macià Albertos Talent und nahm das Wunderkind unter seine Fittiche. Es folgten rasche Erfolge in den Jugend-Wettkämpfen (9 Goldmedaillen), dann erste Duftmarken bei der Elite und jetzt also Olympiasieger. Als 15-Jähriger knackte er den Grad 9a mit „Victimes del Futur“ in Margalef – ursprünglich mit 8c+ bewertet, nach einem Griffausbruch aufgewertet. Mit 16 zog er von zuhause aus, um sich in Barcelona seiner Kletterkarriere zu widmen.

Die spanischen Medien ordnen ihren Olympiasieger vor allem statistisch ein: noch nie habe ein spanischer Kletterer so jung seine ersten Wettkampferfolge gefeiert, das gelang weder Edu Marín noch Patxi Usobiaga oder Ramón Julián Puigblanqué. Es wird betont, dass Ginés López sehr vielseitig sei (haben wir gesehen) und dass er noch viele weitere Medaillen gewinnen kann, wenn er weiterhin hart arbeitet (danke).

„Ich konnte noch nicht mit Ondra sprechen, aber ich kann mir vorstellen, dass die Tatsache, dass er keine Medaille hat, ihm ein Dorn im Auge ist.“

Alberto Ginés López, El País 10.8.2021

Das Idol verdrängt

Die grösste Tageszeitung des Landes (El Pais) führte ein Interview mit ihm. Auf die Frage, weshalb er nur verhalten jubelte, als sein Sieg feststand, antwortet er: „Ich bin nicht der Typ, der seine Gefühle stark ausdrückt und ich war mir auch nicht sicher, ob ich gewonnen habe. Also habe ich mich zurückgehalten, um mich nicht lächerlich zu machen.“

Es sei unfassbar, wie schnell er zu seinen Idolen aufgeschlossen habe. „Ich ging davon aus, dass meine Rivalen stärker denn je sein würden. Es ist noch nicht lange her, da habe ich mir Videos von Adam Ondra oder Jakob Schubert angeschaut und davon geträumt, wie sie zu sein. Quasi über Nacht konnte ich aufschliessen und trete heute gegen sie an. Glücklicherweise sind viele von ihnen jetzt sehr gute Freunde.“

Adam Ondra lud Alberto Ginés López 2019 zu sich nach Tschechien ein

2019 war es Adam Ondra, der den jungen Spanier zu sich nach Tschechien für ein gemeinsames Training einlud. „Ich lebte den Traum eines Jungen mit seinem Idol“ – jetzt, zwei Jahre später, hatte das Idol das Nachsehen an Olympia. Darauf angesprochen sagt Ginés López: „Ich konnte noch nicht mit Ondra sprechen, aber ich kann mir vorstellen, dass die Tatsache, dass er keine Medaille hat, ihm ein Dorn im Auge ist.“

„Wenn meine Medaille kein Einzelfall bleiben soll, müssen wir jetzt anfangen zu arbeiten und nicht nur an 2024, sondern auch an 2028 denken.“

Alberto Ginés López, El País 10.8.2021

Chris Sharma reagiert

Seine Vorbereitung auf Olympia habe vor allem der Speed-Disziplin gegolten, da hätte er am meisten Luft nach oben gehabt (rückblickend war das die richtige Strategie; hier geht’s zur Analyse, wieso die Speed-Disziplin den Unterschied machte). Aufgrund von mangelhaften Trainingseinrichtungen in Spanien sei es sowieso schwierig, Boulder und Lead zu trainieren. Dazu fehlten einerseits entsprechende Wände und Blöcke, aber auch ein Zentrum, wo alle Athleten gemeinsam trainierten, findet der Olympiasieger.

Chris Sharma ist mittlerweile mehrfacher Kletterhallenbesitzer. (Bild sharmaclimbing.com)
Chris Sharma ist mittlerweile mehrfacher Kletterhallenbesitzer. (Bild sharmaclimbing.com)

„Wenn meine Medaille kein Einzelfall bleiben soll, müssen wir jetzt anfangen zu arbeiten und nicht nur an 2024, sondern auch an 2028 denken.“ Es brauche staatliche Förderung für den Sport, um angemessene Trainingsmöglichkeiten zu haben – für private Investoren sei sowas nicht interessant. Prompt reagierte der Wahlspanier Chris Sharma auf diese Aussage: „Da hast du sie“, schrieb er an Ginés López gewandt auf Instagram und verwies auf seine Kletterhallen in Barcelona und Madrid.

Vorerst geht es für Alberto Ginés López mit frisch tätowierten Olympiaringen auf dem Arm jedoch nach Frankreich an den Fels. Auf seine Felskarriere angesprochen, verrät er zwar, dass sein Fokus nur dem Wettkampf gelte – aber jetzt gönnt er sich erstmal zwei Wochen Urlaub mit dem Vater und Freunden in Céüse.

Eine Ausnahme sei das, bereits im September ist wieder Weltcup angesagt.

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Credits: Titelbild Daniel Gajda/IFSC

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