Flash im Granitmeer: Malik Schirawski gelingt Odin’s Eye (8c+) in Flatanger

Nach drei Wochen in Flatanger holt sich Malik Schirawski als zweiter Deutscher einen Flash von »Odin’s Eye«, einer beeindruckenden 8c+ in der Hanshelleren Höhle. 

Flatanger ist weltbekannt für seine beeindruckend schönen aber auch besonders harten Sportkletterrouten. Mit »Silence« kletterte Adam Ondra dort 2017 die erste 9c der Welt. Auch »B.I.G.« (9c) oder »Thors Hammer« (9a+) sind bekannte Linien in der norwegischen Höhle, ebenso wie die Klassiker »Muy Verdes« (8c), »Nordic Flower« (8c) und »Odin’s Eye«.

Vorbereitung mit Strategie

Für Schirawski war schon vor der Reise klar, dass er einige Flash–Versuche wagen wollte. Das macht das Klettern in der Höhle aber nicht unbedingt leicht: Viele Routen verlaufen ineinander oder kreuzen sich und mit dem Flash-Go einer Linie kann man sich einen anderen direkt verbauen. Es gilt also strategisch vorzugehen. »Meine ersten 2 Wochen hier waren so ein bisschen eingeschränkt in dem, was ich probieren konnte, weil ich mir alles irgendwie aufgehoben hab.« Erzählt Malik im Interview. 

Als er schließlich Muy Verdes und Nordic Flower im Flash versuchte, scheiterte er an äußeren Umständen: in einem Fall durch nasse Griffe, im anderen durch fehlende Fixexen in der Crux. Nach den zwei Fehlversuchen änderte er seine Strategie.

Wenn ich einen Versuch mache, dann nicht so, dass ich am Fels stehe und mir denke ‚OK, heute vielleicht nach dem warm-up ein Flash‘. Ich überlege mir am Morgen vorher ob ich einen Versuch wage oder nicht.

Malik Schirawski

Ein Flash als Teamleistung

An Maliks Ruhetag schaffte sein Freund Arlo den Rotpunkt von Odin’s Eye. Beim gemeinsamen Abendessen beschloss er, dass morgen der richtige Tag für den nächsten Flash Versuch sei. 

Ich war so in einer guten Stimmung und dachte mir ‚es fühlt sich alles danach an, als wäre morgen der Tag wo ich‘s probieren sollte.’

Malik beschreibt einen Flash Versuch als Team Leistung. Er und Arlo kennen sich schon lange und über die Zeit sind sie ein gutes Team geworden. Wenn Malik sich einen Flash vornimmt, erzählt er, ist Arlo meistens derjenige der ihm die Beta mitbringt. 

Wir haben schon am Vorabend über die Beta geredet und Arlo ist über die Jahre hin immer bei meinen schwersten Flashes mit dabei gewesen. Die Kommunikation zwischen uns ist sehr gut und ich hab großes Vertrauen in seine Expertise.

Malik Schirawski mit Odins Auge im Hintergrund | Bild: Alexis Guérrin
Malik Schirawski mit dem namensgebenden Felsstück von Odins Auge unter sich | Bild: Alexis Guérin

Perfekte Bedingungen im strömenden Regen

Am nächsten Morgen folgte ein Dämpfer: Es regnete in Strömen. Trotzdem, erzählt Malik, war er weiterhin davon überzeugt, dass heute der Tag für seinen Flash sei. Nach 4 Stunden kam endlich das erhoffte Wetterfenster und ermöglichte den Zustieg zur Höhle.

Ich bin dann oben angekommen und zu meiner Überraschung war das Wetter so gut wie noch nie: mega viel Wind und alles war sau trocken.

Da Arlo nach seiner Begehung die Exen aus der Wand genommen hatte, bat Malik ihn, ihm diese wieder einzuhängen. Die Exen mussten sie sich von einem anderen Freund leihen, der am Abend abreisen wollte. Das bedeutete, dass Schirawski nicht mehr um seinen Versuch herum kommen würde, sobald die Exen in der Wand waren.

Kurzzeitig hatte ich das Gefühl, dass ich nicht weiß, ob ich wirklich einen Go geben will oder ob ich jetzt das Gefühl habe einen Go geben zu müssen, weil ich so viele Leute in dieses Projekt integriert habe.

Während Arlo also die Exen einhängte, visualisierte Malik noch einmal die Route. Die Zeit vor dem Go ist für ihn mitunter die intensivste Zeit bei einem Flash-Go. Er erzählt, dass er dabei versucht sich von der Bedeutung und dem damit einhergehenden Druck zu entkoppeln und diesen Druck in Vorfreude zu verwandeln.

Ein Rest in Odin's Eye | Bild: Alexis Guérin
Ein Rest in Odin’s Eye | Bild: Alexis Guérin

Der Einstieg funktionierte gut, aber nach einem kleinen Fehler nach der dritten Exe, kletterte er verkrampft weiter bis zum ersten Rest. Ein Zitat von Nina Caprez kam ihm beim Blick nach oben in den Kopf: »You cannot climb with fear in your heart.« Der Wechsel im Mindset machte für den 20-Jährigen den entscheidenden Unterschied. Anstatt verkrampft zu klettern, ließ er sich auf die Tour ein und fand seinen Rhythmus. Und ab da war der Rest der Linie genauso wie er sie sich vorgestellt hatte.

Odin’s Eye ist ein Wechsel aus Rests und anspruchsvollen Cruxen. Das macht diese Tour psychisch sehr interessant: Immer wieder, sagt Malik, musste er sich daran erinnern, den Druck beiseite zu schieben und nur die nächste Exe im Fokus zu behalten, bis das Seil im Umklenker hing. 

Malik Schirawski nach dem Flash von Odin's Eye | Bild: Alexis Guérin
Malik Schirawski nach dem Flash von Odin’s Eye | Bild: Alexis Guérin

Ein Meer aus Fels und Granit

Drei Monate Vorbereitung hatten sich gelohnt. Muy Verde und Nordic Flower waren gute Übungen für die gesteinsabhängige Technik in Flatanger. Aktuell projektiert Malik Thors Hammer, was für ihn ein starker Anwärter auf die beste Route in der Hanshelleren Höhle ist. Aber auch Odin’s Eye hat den 20-Jährigen überzeugt. 

Ich weiß aber nicht ob ich die Route so mag, weil der Flash geklappt hat. Wenn ich jetzt kläglich an der dritten Echse gefallen wäre, weiß ich nicht, ob ich auch erzählen würde, dass ich Odin’s Eye mega toll finde. 

Teamleistung Flash | Bild: Alexis Guérin
Teamleistung Flash | Bild: Alexis Guérin

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Credits: Bilder und Titelbild: Alexis Guérin

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