Zwischen Kinn und Stirn. So die Faustregel für die optimale Skilänge. Doch ganz so simpel ist es nicht. Denn letztendlich spielt vor allem der Einsatzbereich und die favorisierte Fahrtechnik eine entscheidende Rolle, ob ein Ski nun länger oder kürzer ausfällt. Wir zeigen euch, wo ihr das Messband für die optimale Skilänge für Skitouren, Freeride und Co. ansetzen müsst.

Ein Beitrag von Fabian Reichle – Bächli Bergsport

Ski ist nicht gleich Ski. Was vor langer Zeit einmal einfach zwei gerade Latten an den Füssen waren, ist mit spezifischen Modellen für Skitouren, Freeride und allem dazwischen längst viel komplexer geworden. Auch verschiedene Präferenzen zum Fahrstil machen die Wahl des passenden Skis nicht einfacher – angefangen bei der Länge eben dieser. Wir versuchen, euch einen kleinen Leitfaden zu geben.

Um die komplexe Thematik ein wenig zu entwirren: Es gibt eine Faustregel für die Skilänge. Wenn die Skis bei euch irgendwo zwischen Kinn und Stirn enden, seid ihr bereits auf der richtigen Spur. – jedoch nur bedingt. Zudem kommt hier eine weitere Krux hinzu. Habt ihr die Skis nicht physisch zur Hand, werdet ihr euch auf die Längenangaben der Hersteller verlassen müssen. Die meisten Marken bieten euch auf ihren Webseiten Empfehlungen und Längentabellen an – so wie es beispielsweise Faction tut.

Habt ihr die Skis nicht physisch zur Hand, werdet ihr euch auf die Längenangaben der Hersteller verlassen müssen.

Mit der groben Längeneinschätzung werdet ihr eure Auswahl bereits einschränken können – meist bleiben dann noch zwei bis drei Längen im Rennen. Wie gesagt, matchentscheidend ist das noch lange nicht, denn eure Körpergrösse allein reicht bei weitem nicht aus. Nun geht es ans Eingemachte. Macht euch Gedanken zu den folgenden Aspekten. Je mehr Gedanken ihr euch zu den einzelnen Punkten macht, desto genauer werdet ihr entscheiden können.

Einsatzbereich: Touren, Freeride, Race?

Wie eingangs erwähnt, überlegt euch, wie ihr am Berg überhaupt unterwegs sein werdet oder wollt. Wir beschränken uns hier natürlich auf Bergsportdisziplinen abseits der Pisten – diese Skitypen würden das Spektrum nochmals um ein Vielfaches erweitern.

Ein Grundsatz gilt auch hier: Seid ihr eher aufstiegsorientiert, fallen eure Skis kürzer aus, Abfahrtsorientierte wählen längere Modelle.

Prinzipiell sprechen wir also von Skis für Touren, Freeriding, Freetouring, All Mountain und den Renneinsatz. Ein Grundsatz gilt auch hier: Seid ihr eher aufstiegsorientiert, fallen eure Skis kürzer aus, Abfahrtsorientierte wählen längere Modelle. Die Längen unterscheiden sich wie folgt.

  • Tourenskis: Eher kürzer, Körpergrösse minus fünf bis 15 Zentimeter. Einerseits reduziert sich dadurch das Gewicht, was euch im Aufstieg und auf Tragepassagen zugutekommt, andererseits ergeben sich dadurch technische Vorteile, wie beispielsweise einfacheres Handling von Spitzkehren.
  • Freerideskis: Definitiv lang, Körpergrösse plus fünf bis 15 Zentimeter. Wenn ihr durch Tiefschnee pflügt, bescheren euch längere Skis mehr Auflagefläche und somit mehr Auftrieb. Zudem sind die Skis dadurch in unwegsamem Gelände wesentlich laufruhiger.
  • Freetouring- und All Mountain Skis: Länge unterschiedlich. Wie es der Name vermuten lässt, vereinen diese Art von Skis das Beste aus zweier Welten. Hier müsst ihr Kompromisse eingehen und euch überlegen, in welchem Terrain ihr mehrheitlich unterwegs sein werdet. Sagt euch der Tourencharakter mehr, entscheidet ihr euch für kürzere Skis, sind euch Abfahrten im Powder wichtig, wählt ihr ein längeres Modell.
  • Raceskis: Nehmt ihr an Wettkämpfen teil, wird die minimale Skilänge durch das Reglement des Veranstalters bestimmt. Längere Modelle sind meist nicht von Vorteil.

Geometrie: Camber oder Rocker?

Als nächstes beschäftigt ihr euch mit der Bauweise der Skis. Nebst Mischformen liegt der Fokus in erster Linie auf Camber (negative Vorspannung) oder Rocker (positive Vorspannung). Letztere sind aufgrund ihrer mittigen Auflagefläche drehfreudiger sowie verspielter und letztendlich auch fehlerverzeihender. Das wiederum bedeutet, dass Rocker in der Regel auch mit längeren Skis einfacher zu fahren sind.

Da es jedoch wie erwähnt etliche Hybridbauweisen wie Tip- oder Tailrocker, ist hier eine Pauschalaussage zur Längenwahl nur bedingt möglich. Um allerdings nochmals auf die beginnerfreundlicheren Rocker sprechen zu kommen: Das eigene Fahrlevel und der individuelle Stil haben Einfluss auf die Skilänge.

Fahrkönnen & -Stil: Kurzschwünge oder Carving?

Kurz und knapp: Als Anfänger entscheidet ihr euch idealerweise für einen kürzeren Ski, Fortgeschrittene und Profis greifen auf längere zurück. Lange Skis verlangen mehr Kontrolle, sind jedoch auch direkter, bieten mehr Kantenhalt und sind laufruhiger, was sie insofern auch zu höheren Geschwindigkeiten fähig macht. Ein kürzerer Ski hingegen verzeiht mehr Fehler und fährt sich verspielter. Vorsicht bei zu kurzen Skis: Obschon diese einen super-geringen Drehwiderstand haben, setzen sie eine neutrale Vor- und Rücklage eures Körpers voraus, damit ihr nicht plötzlich kippt. Das macht vermeintlich kurze Anfängerskis logischerweise anspruchsvoll zu fahren.

Vorsicht bei zu kurzen Skis: Obschon diese einen super-geringen Drehwiderstand haben, setzen sie eine neutrale Vor- und Rücklage eures Körpers voraus.

Fehlt noch die Frage, wie ihr euch am liebsten Fortbewegt? Hierzu ist vor allem die Kurventechnik relevant. Ist Carving mit langgezogenen, tiefen Radien euer Ding, sind kürzere Skis von Vorteil; sind Kurzschwünge eure Welt, dann werdet ihr mit längeren Skis letztendlich mehr Kantenhalt haben. Kleine Klammerbemerkung: Hier kommt nebst der Länge auch die Taillierung eines Skis ins Spiel. Je stärker diese ist, desto engere Kurven könnt ihr fahren.

Körpergewicht bei Längenwahl berücksichtigen

Auch wenn euer Körpergewicht nicht den ausschlaggebenden Einfluss auf die Längenwahl eurer Skis hat, ist es ein nicht zu unterschätzender Faktor. Grosse Skifahrer*innen mit einem kraftvollen Fahrstil werden mit längeren Modellen mehr Stabilität erfahren und im Tiefschnee von zusätzlichem Auftrieb profitieren. Während kleinen, leichten Personen die Agilität eines kürzeren Skis von Nutzen ist.

Fazit

Die hartnäckige Regel, geeignete Skilängen primär mittels der eigenen Körpergrösse zu finden, ist überholt. Sie ist eine Hilfestellung und eine grobe Orientierung, vielmehr kommt es darauf an, wie gefahren wird, nicht wer fährt. Das bedeutet: Disziplin, Terrain, Fahrkönnen und so weiter spielen eine weitaus gewichtigere Rolle, ob ein Ski nun eher lang oder eher kurz sein sollte.

Disziplin, Terrain, Fahrkönnen und so weiter spielen eine weitaus gewichtige Rolle, ob ein Ski nun eher lang oder eher kurz sein sollte.

Darüber hinaus ist die Länge das eine. Das andere sind weitere Eigenschaften eines Skis: Taillierung respektive Mittelbreite oder Materialgewicht – hier macht Holz, Carbon, Fiberglas und so weiter den entscheidenden Unterschied – spielen ebenfalls eine Rolle für gelungene Tage am Berg.

Eine Übersicht unserer aktuellen Skimodelle der Saison findet ihr in unserem Skirating.

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Über Bächli Bergsport

Bächli Bergsport ist das führende Schweizer Fachgeschäft für Klettern, Bergsteigen, Expeditionen, Wandern, Skitouren und Schneeschuhlaufen. An derzeit 13 Standorten in der Schweiz bietet Bächli Bergsport seiner Kundschaft fachkundige Beratung und hochstehenden Service. Auf LACRUX publiziert Bächli Bergsport in regelmässigen Abständen spannende Beiträge zu den Themen Klettern, Bouldern und Bergsteigen.

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Credits: Bild und Text Bächli Bergsport

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