Hat euch das Skitourenfieber gepackt, seht aber vor lauter Ausrüstung, Technik und Planung den Wald nicht mehr? Hier findet ihr Tipps für den Einstieg in die Skitourenwelt und Antworten auf die drängendsten Fragen.

Ein Beitrag von Fabian Reichle – Bächli Bergsport

Dieser Winter ist für Pistenfahrerinnen und -fahrer speziell. Die Menschenmassen an den Bergbahnen schrecken ab, auch wenn die Schutzmassnahmen womöglich grundsolide und sicher sind. Nichtsdestotrotz ist es nachvollziehbar, wenn jemand die Pistencarver diese Saison im Keller stehen lässt. Doch wie kann der Skihunger gestillt werden? Mit Skitouren!

Viele Annehmlichkeiten des Pistenfahrens fallen dabei jedoch weg – keine Lifte, natürliche Gefahren und komplexeres Equipment. Dafür gewinnt ihr an Naturerlebnis, Freiheit und nicht zuletzt hoffentlich an fantastischen Abfahrten durch stiebenden Pulverschnee. Trotz allem kann die Skitourenwelt gerade für Einsteigerinnen oder Einsteiger überfordernd wirken. Wir verschaffen daher einen Überblick. Ein Starter Kit sozusagen.

Die Ski zum Skitouren

Ohne zwei Latten an den Füssen geht natürlich gar nichts. Im Gegensatz zu alpinen Ski spielen bei den Tourenskis andere Faktoren eine wichtige Rolle. Denkt daran, dass ihr nicht nur abwärts unterwegs seid, sondern auch Aufstiege bewältigen müsst. Weniger Gewicht zahlt sich dabei aus: Ein guter Kompromiss sind rund 3 Kilogramm pro Paar.

Aufstiegsorientiert oder Powderjäger?

Falls ihr sowieso eher aufstiegsorientiert seid, dann macht ein Ski mit schmaler Taillierung Sinn. Für eine genussvollere Abfahrt investiert ihr dahingegen lieber in ein breiteres Model, das euch mehr Fläche und somit mehr Auftrieb im tiefen Schnee gewährt. Ein gutes Zwischending ist eine Skibreite bis ca. 95mm unter der Bindung.

Ein gutes Zwischending ist eine Skibreite bis rund 95mm unter der Bindung.

Ähnliches gilt für die Länge: Ein kürzerer Ski ist aufstiegsfreundlicher, in der Abfahrt kommt ihr mit längeren Ski auf eure Kosten. Rechnet dabei ungefähr minus respektive plus 10cm eurer Körpergrösse. Natürlich spielt auch der Shape eine Rolle. Gerade an tief verschneiten Tage hält euch ein Rockershape an der Oberfläche.

Skirating zur Orientierung

Für aktuelle Modelle haben wir euch das nachfolgende Skirating  zusammengestellt, an dem ihr euch grob orientieren könnt.

Die Bindung zum Skitouren

Vorneweg: Es gibt zwei Grundarten von Tourenbindungen. Pin und Rahmen. Letztere ähnelt am ehesten einer Alpinbindung, hat jedoch einen grossen Gewichtsnachteil im Vergleich zur Pinbindung. Wir fokussieren uns daher auf die Pinbindung. Wenn wir schon beim Gewicht sind – das ist einer der wichtigsten Faktoren, wenn ihr in eine Tourenbindung investieren wollt. Modelle, die für Tourenrennen gemacht sind, bringen im Extremfall um die 200 Gramm auf die Waage. Diese Leichtgewichte verzichten dann aber auch auf Komfort und Sicherheit.

Für den Einstieg ist wie so oft ein Kompromiss ideal.

Für den Einstieg ist wie so oft ein Kompromiss ideal. Achtet auf Annehmlichkeiten wie verschieden hohe Fersenpads, damit ihr die Höhe eurer Ferse dem Neigungsgrad des Hanges anpassen könnt. Wer auf Sicherheit setzen will, sollte sich im Bereich der Hybridbindungen umsehen.

Banal aber wichtig: Investiert nicht in eine ultraleichte Bindung, wenn ihr einen schweren Ski habt. Und schaut, dass die Bindung auch auf eure Skitaillierung zugeschnitten ist.

Die Skischuhe

Ihr kennt das bestimmt vom Alpinskifahren: Drücken die Schuhe, ist der Tag ruiniert. Selbiges gilt natürlich auch fürs Touren. Wichtigstes Credo sollte also sein, dass euch der Schuh passt.

Je mehr Schnallen, desto höher das Gewicht. Je weniger Schnallen, desto geringer die Stabilität.

Ansonsten ist das Verschlusssystem relevant. Wie viele Schnallen es sein sollen, hängt von eurer Präferenz ab. Weniger davon bedeutet mehr Bewegungsfreiheit (und weniger Gewicht), dafür weniger Stabilität.

Ein weiterer Punkt ist die Sohle. Auf Tourenschuhen müsst ihr eventuell gewisse Strecken zu Fuss gehen können. In solchen Situationen sorgen Vibramsohlen für den nötigen Grip.

Die Felle

Ohne Fell kein Aufstieg. Diese bestehen oft aus einer Mischung von Mohair und Kunstfasern; das lässt euch angenehm auf dem Schnee gleiten und hält die Felle robust.

Felle werden auf euren Ski aufgeklebt. Keine Angst, sie lassen sich jeweils rückstandslos entfernen. Damit die Länge und Taillierung stimmt, lasst ihr eure Felle am besten von einem Profi zuschneiden – zum Beispiel bei uns in einer Filiale. Das muss einmal gemacht werden, dann seid ihr parat für den Aufstieg.

Damit die Länge und Taillierung stimmt, lasst ihr eure Felle am besten von einem Profi zuschneiden.

Falls es übrigens eisig wird, könnt ihr die Felle mit Harscheisen kombinieren, die sich in den harten Schnee beissen. Diese werden jeweils unter der Bindung montiert.

Die Bekleidung und das Schichtenprinzip

Ihr werdet schnell merken, dass eure gefütterte Jacke, die ihr auf der Piste anhabt, auf einer Skitour nicht praktisch ist. Sie wird dem schweisstreibenden Aufstieg mit dem Wechsel zur windig-kalten Abfahrt nicht gerecht. Idealerweise kleidet ihr euch nach dem Schichtenprinzip.

Idealerweise kleidet ihr euch nach dem Schichtenprinzip.

Unterwäsche, Isolation und Wetterschutz

Die erste Schicht ist eure Unterwäsche – zum Beispiel aus Merinowolle. Sie liegt direkt auf der Haut und hat die Aufgabe, Feuchtigkeit nach aussen zu transportieren. Das hält euch warm und trocken. Schliesslich kommt die Isolierschicht, die dem weiteren Feuchtigkeitstransport dient. Ihre grösste Aufgabe ist jedoch die Isolation, sprich, sie soll euch warmhalten. Das kann beispielsweise eine Softshell- oder Primaloftjacke sein. Letztendlich tragt ihr die Wetterschutz-Schicht, die euch vor Wind, Schnee und Regen schützt. Hier kommen in der Regel Hardshelljacken zum Einsatz. Selbiges System funktioniert übrigens auch bei den Beinen.

Zum Schichtenprinzip eine kleine Ergänzung: Ihr müsst nicht stur danach gehen. Mal werdet ihr mehr brauchen, mal weniger. Das dürfte aber hoffentlich gesunder Menschenverstand sein.

Vergesst auch die kleinen Details nicht: Beim Aufstieg werdet ihr kaum einen Helm mit Skibrille tragen. Ihr werdet also froh um eine Mütze und eine Sonnenbrille sein. Auch ein paar leichte Handschuhe sind im Aufstieg vorteilhaft.

Bild Mammut

Der ideale Rucksack fürs Skitouren

Theoretisch könnt ihr irgendeinen bepacken, in der Praxis macht ein tourenspezifischer Rucksack jedoch Sinn. Das vor allem auch aus sicherheitstechnischen Gründen.

Vor dem Kauf solltet ihr entscheiden, ob ihr in einen Lawinen-Airbag investieren wollt oder nicht. Der höhere Preis und das zusätzliche Gewicht können Leben retten. Nachdem ihr diese grundlegende Frage geklärt habt, gibt es einige wichtige Details, die ihr weiter beachten müsst.

Essenziell ist, dass eure Lawinensicherheitsausrüstung schnell griffbereit ist. Für Schaufel und Sonde gibt es in modernen Rucksäcken spezifische Fächer. Achtet darauf.

Schaufel und Sonde müssen schnell griffbereit sein.

Weiter sollte euer Rucksack die Möglichkeit haben, eure Ski festzubinden. Das werdet ihr, falls ihr mal zu Fuss gehen müsst, zu schätzen wissen.

Zu guter Letzt kommt es auf die persönliche Präferenz drauf an. Achtet darauf, dass der Rucksack anständig sitzt und er bequem ist. Macht euch Gedanken darüber, wie viel Fassungsvolumen der Rucksack haben soll und welche Zusatzoptionen für euch relevant sind (zum Beispiel integriertes Trinksystem).

Alles, was übrigens mit der Ausrüstung zu tun hat, könnt ihr auch von den Bergsportberaterinnen und -beratern von Bächli Bergsport in Erfahrung bringen. Sie helfen euch gerne weiter – bucht am besten gleich jetzt einen persönlichen Beratungstermin.

Die Lawinenausrüstung: LVS, Schaufel und Sonde

Ohne LVS, Schaufel und Sonde solltet ihr auf keine Skitour gehen. Wir haben für euch die drei Geräte in einem separaten Beitrag beleuchtet

Um gleich mit dem besten Equipment ausgerüstet zu sein, könnt ihr bei Bächli Bergsport ein Safety Set kaufen – zusammengestellt von Profis.

Bild Mammut

Die Tourenplanung

Seid ihr ausgerüstet? Gut, dann kann es losgehen. Vorher solltet ihr euch jedoch mit der Tourenplanung auseinandersetzen. Lernt, wie man das Lawinenbulletin liest, das Wetter interpretiert und wie ihr Gefahren auf der Landkarte einschätzen könnt. Das Credo dabei heisst: Üben, üben, üben.

Autodidakt werdet ihr viel Theorie lesen können, es ist jedoch unabdingbar, dass ihr mit professioneller Führung an die Praxis herangeleitet werdet. Kurzum: Besucht Kurse und Ausbildungen, ihr werdet so am schnellsten und solidesten lernen.

Besucht Kurse und Ausbildungen, ihr werdet so am schnellsten und solidesten lernen.

Mit dem Programm Bächli on Tour bieten Bächli Bergsport euch solche Ausbildungen an: Von Lawinenkursen bis zu Einsteigertouren, auf denen ihr Erfahrungen sammeln könnt. Auch bei Bergpunkt findet ihr viele Kursangebote.

Spannende Links, die ihr euch merken solltet, sind folgende:

  • Skitourenguru
    Umfangreiches Portal zur Skitourenplanung.
  • Gipfelbuch
    Tourenportal mit vielen Berichten.
  • Hikr
    Noch ein interessantes Tourenportal.
  • Whiterisk
    Website, um die aktuelle Lawinensituation einschätzen zu können.
  • Schweizerische Lawinenforschung
    Aktuelle Lawinenbulletins
  • SRF Meteo
    Wettervorhersage mit zuverlässigen Prognosen.
  • Landi Wetter
    Wetterprognose von Landi. Vielleicht nicht ganz offensichtlich, aber da der Service vor allem für Landwirte gemacht wird, ist vor allem der Niederschlagsradar sehr effizient.

Der Start

Jetzt geht es ans Eingemachte. Auf die Ski und den Gipfeln entgegen. Hierbei gilt wieder: Übung macht den Meister und die Meisterin. Wer unerfahren ist, schliesst sich einer routinierten Gruppe an oder zieht mit einem Bergführer los. Experimente haben beim Skitouren – am Berg generell – nichts verloren. Geht also stets konservativ vor, Risiken eingehen ist es nicht wert. Auch alleine unterwegs sein ist keine gute Idee.

Habt ihr eine Person, die euch leiten kann, dann macht ihr zuerst einen LVS-Check. Sind die Geräte in Ordnung, lasst ihr sie im Sendemodus und tragt sie unter der untersten Kleidungsschicht oder in einer mit einem Reissverschluss verschliessbaren Hosentasche.

Die Technik

Mit den Fellen an den Ski lauft ihr nicht, ihr gleitet. Hebt die Füsse nicht an, sondern zieht die Ski über den Untergrund. Tendenziell versucht ihr eher grosse Schritte zu machen, der Druck bleibt auf der Ferse und nicht etwa auf den Zehen.

Auch wenn ihr geübte Skifahrer oder im Sommer viel zu Fuss unterwegs seid: Lasst euch nicht täuschen, die Bewegungen und der Energieverbrauch sind beim Skitouren anders. Versucht ruhig und gleichmässig zu gehen.

Irgendwann werdet ihr über die berühmte Spitzkehre nicht drum herumkommen, vor allem, wenn ihr euch in steilerem Gelände befindet. Diese ist in drei einfachen Schritten erklärt:

  1. Sucht euch einen «Parkplatz», wo ihr einen Richtungswechsel vornehmen wollt.
  2. Drückt beide Stöcke in den Hang, damit ihr sauber und stabil steht. Den bergseitigen Ski dreht ihr dann wie ein Scheibenwischer in die angepeilte Richtung.
  3. Verlagert euer Gewicht auf den gedrehten Ski, sonst läuft ihr Gefahr, rücklings den Hang runterzupurzeln. Stützt euch auf die Stöcke ab, hebt den zweiten Ski an und schwingt respektive kickt ihn ebenfalls in die gewünschte Richtung.

Es empfiehlt sich übrigens, die ersten Versuche nicht grad unbedingt in einem 40 Grad steilen, neu verschneiten Couloir zu üben. Sucht euch eine flache Stelle und probiert einfach.

Fachwissen zum Thema Skitouren

Über das Skitourengehen könnten Bücher geschrieben werden – was auch tatsächlich gemacht wurde, im Online-Shop von Bächli Bergsport findet ihr jede Menge davon. Dieser Einstieg ist daher keinesfalls vollständig. Wir hoffen jedoch, dass wir etwas Licht ins Dunkel bringen konnten und freuen uns, den Einen oder die Andere demnächst auf Tourenski unterwegs zu sehen.

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Über Bächli Bergsport

Bächli Bergsport ist das führende Schweizer Fachgeschäft für Klettern, Bergsteigen, Expeditionen, Wandern, Skitouren und Schneeschuhlaufen. An derzeit 13 Standorten in der Schweiz bietet Bächli Bergsport seiner Kundschaft fachkundige Beratung und hochstehenden Service. Auf LACRUX publiziert Bächli Bergsport in regelmässigen Abständen spannende Beiträge zu den Themen Klettern, Bouldern und Bergsteigen.

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