Eine Verletzung, Stress im Job oder einfach ein Motivationstief – eine Kletterpause kann viele Gründe haben. Mit welcher Einstellung man eine Pause übersteht und den Wiedereinstieg ins Klettern meistert, erfährst du hier.
Wer schon lange klettert, kann sich oft kein Leben ohne die obligatorische Feierabend-Session in der Halle oder das Wochenende am Fels vorstellen. Wenn dann doch eine Kletterpause ansteht – etwa weil eine Verletzung oder der Alltag dazwischenkommt – ist das im besten Fall nervig und im schlimmsten Fall schlecht für unsere mentale Gesundheit.
Einmal eine Kletterpause einlegen zu müssen betrifft fast alle, die diesen Sport länger machen.
Josh Hadley, Lattice Training
Mindset-Coach Flo Tilley erzählt als Gast bei Lattice Training von den Herausforderungen kurzer oder längerer Auszeiten vom Klettern. Als Expertin für mentales Training hat sie außerdem einige Tipps parat, mit denen der Wiedereinstieg ins Klettern nach einer Pause gelingt.

Kletterpause als Chance nutzen
Zunächst rät Tilley, eine Kletterpause trotz allen Frusts als Chance zu begreifen: «Auch eine Zwangspause schafft mehr Raum für anderes – andere Sportarten, aber auch mehr Zeit für Freunde, Familie oder sich selbst.»
Wenn das soziale Miteinander besonders beim Klettern stattfindet, sei es besonders wichtig, diese Kontakte trotzdem aufrechtzuerhalten: außerhalb des sportlichen Umfelds und bei anderen Aktivitäten.

Besonders sehr aktive Kletterinnen und Kletterer haben angesichts einer längeren Pause schnell Angst, ihr gewohntes Level danach nicht mehr oder nur langsam wieder zu erreichen. Das ist ganz normal, sagt Flo Tilley – oft steckt dahinter aber ein unterschwelliger Leistungsdruck, den es gerade in der Pause zu reflektieren gilt.
Warum habe ich Angst, «schwach» zu werden? Was schätze ich am Klettern mehr – meine eigene Leistung oder die Freude am Sport und Umfeld?
Flo Tilley
Der Wiedereinstieg: Geduld statt Frust
Während man sich bei kürzeren Pausen von wenigen Wochen zuhause einigermaßen fit halten kann, sind längere Auszeiten für leidenschaftliche Kletterinnen und Kletterer vor allem eine mentale Herausforderung. Steht dann endlich der Wiedereinstieg an, kommt es besonders auf die ersten Wochen an, damit man nicht gleich (wieder) verletzungsbedingt aussetzen muss.
Gerade in den ersten drei Wochen gilt es Verletzungsrisiken besonders zu vermeiden.
Lattice Training

Der Grund: Wer nach einer längeren Pause zu schnell zu viel klettert, bouldert oder trainiert, setzt sich einem erhöhten Risiko für neue Verletzungen aus. «Das gilt nicht nur für die Häufigkeit und Dauer der Sessions, sondern auch für deren Intensität», erklärt Lattice-Experte Josh Hadley.
Die Versuchung, nach einer Pause gleich Vollgas zu geben, ist natürlich riesig.
Josh Hadley, Lattice Training

Wenn die Selbstkritik überhand nimmt
Die wichtigsten Maßnahmen für einen erfolgreichen (und langfristigen) Wiedereinstieg ins Klettern zusammengefasst: realistische und messbare Ziele setzen, den Trainings-Load verantwortungsvoll gestalten und Selbstkritik möglichst im Zaum halten.
Letzterer Punkt ist dabei oft am schwierigsten – aber Mental-Coach Flo Tilley hat einen Tipp: «Es kann helfen, die negativen Gedanken über die eigene Performance einem fiktiven Alter Ego zu übertragen – das schafft Distanz zu der häufig übertriebenen Selbstkritik beim Wiedereinstieg nach einer Kletterpause.»
Video: Tipps für den Wiedereinstieg ins Klettern von Lattice Training
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Credits Titelbild: Lattice Training

