Dämpft neue Weltcup-Quotenregelung Japans Dominanz?

Mit dem Weltcup in Keqiao startet im April 2025 die neue IFSC World Cup Series. Bereits jetzt für Gesprächsstoff sorgt in diesem Zusammenhang eine neue Quotenregelung. Diese fördert zwar die Vielfalt im internationalen Wettkampfzirkus, zwingt gleichzeitig aber erfolgreiche Nationen wie Japan dazu, ihre Teamgrössen zu überdenken.

Darf es sein, dass der elftbeste Lead-Kletterer der Welt aufgrund einer technischen Regelung nicht an einem Weltcup starten kann? Dieses Szenario könnte eintreten, wenn 2025 an den IFSC Weltcups erstmals die neuen Quotenregeln zum Einsatz kommen.

Ende 2023 hatte die IFSC die neue Quotenregelung für die Wettkampfsaison 2025 bekannt gegeben. Gemäss dieser stehen jeder nationalen Föderation an den Weltcups pro Geschlecht und Disziplin fix zwei Startplätze zu. Je nach Anzahl Athletinnen und Athleten in der Top 40 der Weltrangliste, können maximal vier weitere Quotenplätze dazukommen. Nicht mehr gültig ist ab kommender Saison das automatische Startrecht aller Top 10-Klassierten.

Das bedeutet, dass jede National maximal sechs Startplätze pro Geschlecht und Disziplin ergattern kann. Für die allermeisten Verbände bewirkt diese Quotenregelung im besten Falle eine Verbesserung. Anders sieht es bei der Kletternation Japan mit ihrem extrem starken und umfangreichen Kader aus.

Aufgrund der neuen Quotenregelung muss unser Team deutlich kleiner werden.
Die nächste Saison wird für viele eine harte Umstellung sein!

Benjamin Hartmann, Trainer der japanischen Kletter-Nationalmannschaft

Dort stellt beispielsweise das Team der Männer in der Lead-Weltrangliste aktuell 6 von 10 Athleten der Top Ten. In der für die Quotenregelung relevanten Top 40 finden sich insgesamt zwölf japanische Kletterer.

«Stell dir vor du bist der Siebte», schreibt Benjamin Hartmann in einem Post auf Instagram. «Du bist einer der Besten der Welt und darfst deine Leistung, für die du so hart gearbeitet hast, wahrscheinlich nicht in der höchsten Liga des Kletterns zeigen.» Der Coach des japanischen Nationalkaders plädiert dafür, in einem leistungsorientierten Sport die Leistungen entscheiden zu lassen.

Er verstehe, dass man bei Olympischen Spielen und an Weltmeisterschaften so viele Nationalitäten wie möglich dabei haben wolle und es gleichzeitig eine Obergrenze geben müsse, damit ein Wettbewerb für die Organisatoren noch zu bewältigen sei. «Weltcups sollten meiner Meinung nach aber die höchste Leistungsliga im Klettern sein.»

Japan Sorato Anraku
Japan ist seit Jahren eines der dominierenden Teams im internationalen Wettkampfgeschehen. Bild: Lena Drapella

Diskutiere mit!

Wie beurteilt ihr diese neue Regelung für das Wettkampfjahr 2025? Wie beeinflussen Quotenregelungen eurer Meinung nach die Qualität von Wettkämpfen? Was könnten Lösungen sein, um die Vielfalt im Klettersport zu fördern, ohne die Entwicklung des Leistungssports zu stark einzuschränken? Schreibt uns eure Gedanken, Meinungen und Ideen in die nachfolgende Kommentarspalte.

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Credits: Titelbild Lena Drapella

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2 Kommentare

  1. … die Norweger müssen ihr Langlaufteam auch begrenzen. Es geht einfach nicht anders, will eine Sportart International vermarktbar sein. Dominiert eine Nation zu stark, hören die Leute auf, sich für den Wettkampsport zu interessieren…
    Gruss, Christian

  2. …ich habe mich auch oft gewundert wie stark die japanischen Sportler:innen sind, aber ich schaue mir die Wettkämpfe wegen der Athletik an und möchte da die besten sehen. Wenn auf Grund einer Obergrenze gleichstarke kletternde nicht gegeneinander antreten können, kann es sein, dass immer der gleiche gewinnt, weil die gleichstarken in der gleichen Nation sind und nicht teilnehmen können. Aber eigentlich habe ich keine Ahnung vom Wettkampf, mir ist die Nationaität eigentlich auch egal es geht mir in erster Linie um den Sport

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